1,2 Millionen Franken investiert: Boniswil sichert sich eine nachhaltige Immobilie für die Zukunft
Boniswil Die Boniswilerinnen und Boniswiler sprechen sich für den Kauf einer Liegenschaft für 1,2 Millionen Franken aus. Daneben genehmigten sie die Teilrevision der Nutzungsplanung sowie einen neuen Konzessionsvertrag mit der AEW Energie AG.

Blockbuster unter den Traktanden war wohl die Nummer Sieben. Es ging an der Gemeindeversammlung um einen Kredit von 1,2 Mio. Franken für den Kauf einer Liegenschaft. Initialzündung zu diesem Entscheid des Gemeinderates war die zu niedrige Anzahl Flüchtlinge im Dorf. Ab Sommer 2026 beherbergt Boniswil zu wenig Geflohene und es drohen Strafzahlungen. Doch das ist nur eine Seite der Münze. Gemeinderätin Rebecca Leiser erläuterte an der Versammlung, dass der Erwerb der Immobilie auch gedacht sei, um «langfristig Räume für Gemeindezwecke» zu haben. Obschon der vorübergehenden Nutzung als Flüchtlingsbeherbergung Skepsis entgegenschlug, waren vermehrt andere Stimmen im Saal zu hören. Das Haus an der Seetalstrasse 21 biete nämlich auch die Möglichkeit für Tagesstrukturen oder Raum für Instrumentalunterricht, wie eine Stimmbürgerin anmerkte. Ein weiterer Einwohner meinte, dass ihn der Preis der Liegenschaft überzeuge. «Ein Haus an dieser Lage zu diesem Preis: Das ist nichts!», meinte er. Natürlich müsse die Gemeinde dieses Gebäude kaufen. Das Traktandum wurde grossmehrheitlich angenommen.
Die Entwicklung «Tanzmatt» wird weiter forciert
Ebenfalls entschied die Versammlung grossmehrheitlich für die Teilrevision der Nutzungsplanung der Gebiete Tanzmatt und Bodenacher. Auf dem Areal Tanzmatt erstrecken sich rund 2,5 Hektaren unberührtes Bauland. Es ist das grösste noch unbebaute Gebiet in Boniswil. Diese Fläche soll künftig überbaut werden. Hinzu kommt durch die Teilrevision die Gestaltungsplanpflicht. Damit will die Gemeinde die Qualität der Überbauung, die Erschliessung sowie Fuss- und Radwegverbindungen steuern. Ebenfalls sollen Fristen dazu dienen, das Gebiet nicht langfristig unbebaut zu lassen. Das Gebiet Bodenacher soll der Landwirtschaftszone zugewiesen werden.
Entlang von Bächen, dem Aabach und dem Hallwilersee werden gesetzlich vorgeschriebene Schutzräume festgelegt. Dies dient dem Gewässer- und Hochwasserschutz. Auch gelten Einschränkungen bei Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie bei baulichen Nutzungen. Mit den vorgestellten Plänen will der Gemeinderat ein langes Seilziehen beenden. Die Vorlage geht auf offene Punkte ein, die Boniswil seit der Gesamtrevision der Nutzungsplanung 2015 beschäftigen.
Konzessionsvertrag wird erneuert
Die AEW und ihre Partnergemeinden haben einen neuen Konzessionsvertrag ausgearbeitet. Aufgrund des Auslaufens des Normkonzessionsvertrages mit Ende 2027 musste der Souverän daher über eine Erneuerung entscheiden. Die neue Vereinbarung soll 25 Jahre gelten. Das sind fünf Jahre mehr als beim bisherigen Vertrag. Die wichtigste Änderung betrifft die Konzessionsabgabe. Neu wird diese nicht mehr von den Netznutzungsgebühren abhängig sein, sondern direkt nach Stromverbrauch berechnet werden. Vorgesehen sind 0.65 Rappen pro Kilowattstunde im Niederspannungsnetz und 0.2 Rappen im Mittelspannungsnetz. Auch hier waren sich die Anwesenden einig und nahmen die Vorlage grossmehrheitlich an. Um Energie ging es auch beim Ersatz der Ölheizung für die Liegenschaften im Dorfzentrum – namentlich im alten Schulhaus, im Kindergarten und im Gemeindehaus. «Die Heizung läuft auf dem letzten Zacken», meinte Gemeindeammann Rainer Sommerhalder. 600000 Franken sollen investiert werden. Rund 120000 Franken würden aber von Kanton und anderen Institutionen an die Gemeinde rückerstattet. Die Bevölkerung stimmte den Räten zu. Geplant sind Pelletheizungen. Andere Varianten wie der Einbau einer Wärmepumpe wurden geprüft. Aufgrund technischer Voraussetzungen wäre eine solche gemäss dem Gemeinderat weder geeignet noch bewilligungsfähig gewesen. Auch eine gemeinsame Heizzentrale für beide Gebäude wurde untersucht, jedoch wegen hoher Baukosten nicht weiterverfolgt. Ebenfalls sprach sich der Souverän für den Kreditantrag von 50000 Franken für die neue Weihnachtsbeleuchtung aus – obschon die präsentierten Sujets einigen Einheimischen nicht sonderlich gefielen.
Stabile Finanzen unter genauer Beobachtung
Finanziell steht Boniswil stabil da. Seit den letzten beiden Steuerfusssenkungen kann mit Ausnahme von 2019 ein stabiles Wachstum in der Steuerentwicklung beobachtet werden. Gewichtige Mehreinnahmen resultierten gemäss Gemeinderat Ruedi Sandmeier aus hohen Nachträgen und einmaligen Steuern auf Liquidationsgewinnen. Die Mehreinnahmen bei den Sondersteuern kämen nur einmalig in die Bücher. Insgesamt nahm die Gemeinde knapp 5,24 Mio. Franken durch Steuern ein. Fast 500000 Franken mehr als erwartet. Die Erfolgsrechnung dürfte die Boniswiler ebenfalls erfreuen. Geringere Kosten bei der Bauverwaltung, ein höherer Besoldungsanteil für die Oberstufe, höhere Beiträge an die kantonalen Schulen sowie ein tieferer Gemeindeanteil an den stationären Pflegekosten führten zusammen mit weiteren Faktoren zum Ertragsüberschuss. Die Gemeinde verzeichnet auf Dezember 2025 ein Eigenkapital von etwa 10,5 Mio. Franken.



