Unterricht per Skype statt grosse Auftritte

Gesangsstunden in Coronazeiten: Fabienne Erni gibt den Schülern Tipps via Skype ab. Foto: zvg
Gesangsstunden in Coronazeiten: Fabienne Erni gibt den Schülern Tipps via Skype ab. Foto: zvg

Dintikon: Fabienne Erni (27) ist die Stimme der Schweizer Folk-Metal-Band Eluveitie. Momentan wäre sie mit ihren Jungs auf einer ausgedehnten Konzerttournee. Doch wegen des Coronavirus sitzt sie daheim und gibt ihren Schülern Gesangsunterricht – vor dem Laptop und via Skype.

Die Coronanot macht erfinderisch. Wer nicht zum totalen Stillstand gezwungen werden will, muss sich etwas einfallen lassen. «Wir hatten vor ein paar Tagen auf unserem Youtube-Kanal einen Livestream mit unserem Gitarristen Jonas Wolf. 400 Leute haben uns dabei zugeschaut und nach dem Gig auch Fragen gestellt. Es war interessant, dieser Kontakt mit unseren Fans tut uns gut», sagt Fabienne Erni. Vor geraumer Zeit hat sie ihren Wohnsitz in den Kanton Zürich verlegt, wohnt allerdings momentan wieder bei den Eltern in Dintikon. 

Die Youtube-Session habe der ganzen Band neue Energie in der schwierigen Zeit gegeben, doch natürlich könnte dies das normale Leben einer Profiband nicht annähernd widerspiegeln. «Alle unsere Mitglieder sitzen jetzt zuhause. Es fehlen die Konzerte, es fehlen die Gagen, es fehlt eigentlich alles», bringt es Erni auf den Punkt. Wäre keine Krise wegen des Coronavirus, würde Eluveitie jetzt durch Europa touren und vor Zehntausenden von begeisterten Fans ihre Hits spielen. Am Samstag wäre ein Gig in Belgien auf dem Programm gestanden. Zudem würden Erni und Co. mit Volldampf an einer neuen Scheibe arbeiten und sich auf die 30 Konzerte ihrer Überseetournee im Herbst freuen.

Letztes Jahr trat Erni erstmals mit Eluveitie in den USA auf, die Schweizer Combo war auch Teil der legendären «Heavy-Metal-Cruise», einer viertägigen Musikkreuzfahrt in der Karibik. «Wann in Amerika wieder Normalität herrschen wird – wer kann das momentan schon sagen?», macht sich Erni keine falschen Hoffnungen auf eine baldige Reise gen Westen. Und wenn dann wieder Konzerte erlaubt sein werden, ist es noch lange nicht sicher, dass sich alle wieder in die Menschenmassen vor der Bühne trauen werden.

So backen die neun Eluveitie-Mitglieder aktuell kleinere respektive leisere Brötchen. Einerseits treibt Erni zusammen mit Eluveitie-Gitarrist Wolf «Illumishade» voran, ein gemeinsames Rockprojekt mit einer CD und acht Songs. Andererseits sitzt sie stundenlang am Klavier und gibt auch Gesangsstunden. Die Ausbildung in Popgesang hat Erni letztes Jahr an der Zürcher Hochschule der Künste mit dem Master abgeschlossen, jetzt gibt sie Privatstunden. Wegen Corona nicht von Angesicht zu Angesicht. «Wir halten die Lektionen via Skype ab», verrät sie, «das klappt ganz gut. Aber es tönt natürlich nicht so toll wie in natura.» Die Coronanot macht eben erfinderisch. 

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