Überraschung auf Knopfdruck: Dieser Automat spuckt Überraschungspäckli aus

Othmarsingen In Othmarsingen steht neu ein Automat, der keine Snacks ausspuckt, sondern ungeöffnete Pakete. Wer hier bezahlt, weiss nur eines: Er weiss nichts. Der Mystery-Paket-Automat lebt von Neugier, Hoffnung auf ein Schnäppchen – und der Bereitschaft, sich überraschen zu lassen.

Der Mystery-Paket-Automat in Othmarsingen ist einer der ersten in der Schweiz.Foto: Romi Schmid
Der Mystery-Paket-Automat in Othmarsingen ist einer der ersten in der Schweiz.Foto: Romi Schmid

Ein Automat, der keine Snacks ausspuckt, sondern ungeöffnete Pakete. In Othmarsingen steht seit Kurzem ein Mystery-Paket-Automat, der mit Neugier, Hoffnung auf Schnäppchen – und bewusstem Nichtwissen – spielt. Wer hier Geld einwirft, kauft kein Produkt, sondern ein Erlebnis. Doch was steckt hinter dem Konzept, und wie fühlt es sich an, selbst drei dieser Pakete zu öffnen?

Vom Online-Erfolg zum Automaten

Die Idee für den Mystery-Paket-Automaten kam nicht aus dem Nichts. Betreiber Sebastian Zimmerli verkauft solche Überraschungspakete bereits seit einiger Zeit online. Die Resonanz sei gut gewesen, das Feedback positiv. «Die Leute hatten viel Freude daran», sagt er. Der Wunsch, das Konzept auch ausserhalb des Bildschirms erlebbar zu machen, habe sich daraus fast automatisch ergeben.

Der Standort in Othmarsingen bot sich an: Der Automat steht bei Zimmerlis Autogarage und lässt sich so unkompliziert betreuen. Statt Laufkundschaft setzt das Projekt auf gezielte Neugier. Wer kommt, kommt bewusst – und weiss, dass er hier nicht mehr Kontrolle bekommt, sondern sie abgibt.

Retouren mit zweitem Leben

In den Boxen stecken Retouren aus dem Onlinehandel: Pakete, die nie zugestellt, nicht abgeholt oder zurückgeschickt wurden. Ware also, die andernfalls oft liegen bleibt oder entsorgt wird. «Wir wollten diesen Produkten eine zweite Chance geben», sagt Zimmerli. Bezogen werden die Pakete über verschiedene Logistikpartner und Zwischenhändler, die Retouren bündeln. Die konkreten Bezugsquellen bleiben im Hintergrund – entscheidend sei der Zustand der Ware.

Die Preise sind klar definiert: 14 Franken für ein Paket, 25 Franken für zwei, 36 Franken für drei. Bezahlt wird bargeldlos. Was genau im Innern wartet, weiss niemand – auch die Betreiber nicht. Der Überraschungseffekt ist Teil des Geschäftsmodells.

Vorfreude und Ernüchterung

Mystery-Pakete bewegen sich immer im Spannungsfeld zwischen Vorfreude und Enttäuschung. Zimmerli begegnet dieser Kritik offen. «Natürlich gibt es auch Kundinnen und Kunden, die enttäuscht sind», sagt er. Wer ein konkretes Produkt erwarte, sei hier falsch. Gleichzeitig betont er: Ist ein Artikel kaputt oder unbrauchbar, werde er ersetzt. Fairness sei zentral.

Der Automat ist rund um die Uhr frei zugänglich. Wer spätabends oder am Wochenende Lust auf ein kleines Abenteuer hat, kann jederzeit zugreifen. Nachhaltigkeit spiele dabei eine wichtige Rolle: Funktionierende Produkte weiterzugeben statt zu entsorgen, sei sinnvoll – und zeitgemäss.

Für Zimmerli ist der Automat mehr als ein Experiment. Der Aufwand sei überschaubar, die Rückmeldungen ermutigend. Solange das Interesse bestehe, wolle er das Angebot weiterführen. Mystery-Pakete seien kein Alltagskauf, sondern ein bewusster Bruch mit Gewohnheiten. Man kauft nicht, was man braucht – sondern das Gefühl, überrascht zu werden.

Der Selbstversuch

Also fahre ich an einem Sonntag nach Othmarsingen. Ich kurve einmal ums Gelände, dann noch ein zweites Mal. Erst auf den zweiten Blick entdecke ich ihn: unscheinbar, ein wenig verloren, aber bereit für Überraschungen. Kein Leuchtschild, kein Gedränge – wer hier steht, will hier stehen. Der Automat erklärt sich selbst, die Bezahlung per Kreditkarte geht schneller als jeder Zweifel. Klack, surr – und wenige Sekunden später halte ich drei Pakete in den Händen. Die Adressen sind sorgfältig geschwärzt, das Geheimnis bewahrt. Vorfreude inklusive.

Zuhause folgt das Auspacken – und die Ernüchterung. Im ersten Paket: ein viel zu kleiner Regenschirm. Eher Sonnenschirm für Hamster als Wetterschutz. Für den Notfall vorbereitet – falls es nur auf einer Schulter regnet. Im zweiten Paket liegt ein Motivationsposter mit einem Delfin und dem Satz «Believe in yourself». Ja, kann ich durchaus gebrauchen. Es hängt jetzt dort, wo ich es am dringendsten brauche: über dem Wäschekorb. Im dritten Paket: mehrere Star-Wars-Fanartikel. Schlüsselanhänger, Aufnäher, ein Mini-Lichtschwert. Ich brauche nichts davon. Aber die Macht ist nun mit mir.

Genau darin liegt wohl der Kern dieses Automaten. Man kauft keinen Nutzen, sondern einen Moment. Einen kurzen Nervenkitzel zwischen Hoffnung und Realität. Und geht am Ende vielleicht nicht mit einem Schnäppchen nach Hause – aber mit einer Geschichte.

Weitere Artikel zu «Region», die sie interessieren könnten

Steigender Raumbedarf: Das Schulhaus soll mit einem Zwischenbau erweitert werden.Foto:  zvg
Region21.01.2026

Im zweiten Anlauf nun doch:Steuerfuss steigt auf 127 Prozent

Ammerswil Nach zwei Stunden stand es fest: Der Steuerfuss steigt nun doch von 109 auf 127 Prozent. Die finanzielle Lage der Gemeinde verbessert sich trotzdem…
Der Wanderpokal, ein Volg-Schriftzug aus Stein, ist nun im Volg Möriken zu bestaunen.Foto: zvg
Region21.01.2026

Volg Möriken erhältAuszeichnung als bester Laden

Möriken-Wildegg Der beste Volg-Laden des Landes steht in Möriken: Der Dorfladen wurde von Volg als «Laden des Jahres 2025» ausgezeichnet. Der Titel wird…
Tolles Veranstalterteam: Alexia (3. Lehrjahr), Ornella (2. Lehrjahr) und Leonie Moscariello (Coaching, vorne) sowie Mental-Coach Andreas Lanz, Benjamin (1. Lehrjahr) und Vizeammann Raphael Wyder (hinten).Foto: Peter Winkelmann
Region14.01.2026

Wer lenkt, bestimmt die Richtung

Rupperswil Der dritte Event «Winterzauber» sorgte trotz winterlichen Verhältnissen wiederum für ein vollesAarehaus. DiesjährigerGastredner war der Berner…