Moderat wachsen erwünscht

Ammerswil Das Walddorf hat die Revision der Ortsplanung angepackt. Die in einem Workshop mit der Bevölkerung eingebrachten Ideen und Standpunkte wurden in das räumliche Entwicklungsleitbild hineinverarbeitet.

Spürbarer Wille: Ammerswil will zu seinem Ortsbild Sorge tragen. Foto: Alfred Gassmann
Spürbarer Wille: Ammerswil will zu seinem Ortsbild Sorge tragen. Foto: Alfred Gassmann

Der Gemeinderat und die neunköpfige BNO-Kommission wollten die Weichen, wie sich das Dorf siedlungsmässig entwickeln soll, nicht allein im stillen Kämmerlein stellen. Sie haben das Richtige gemacht und die Bevölkerung am 22. August 2020 zu einem öffentlichen Workshop eingeladen, um Vertrauen zu schaffen und vom bunten Strauss der Ansichten zu profitieren.

Die Auslegeordnung vom Büro Marti Partner Architekten und Planer AG in Lenzburg regte an und forderte heraus. Die dankbar entgegengenommenen Anregungen und Meinungen sind ausgewertet und die Resultate in die Revision eingeflossen. Am 15. Dezember 2020 hat der Gemeinderat das Räumliche Entwicklungsleitbild REL verabschiedet. Es dient nun als Instrument, um die Nutzungen zu definieren und das Bauen zu ordnen. «Darüber hinaus stellt das Leitbild eine Richtschnur für zukünftige raumwirksame Entscheide der Gemeindebehörden dar. Gleichzeitig soll es Orientierung für die Bevölkerung, Interessengruppen und Private bieten», lässt sich dem Planungsbericht entnehmen.

Stärken und Schwächen aufgelistet

Als Stärke von Ammerswil gilt die überschaubare Grösse mit 710 Einwohnern. Man kennt sich, das soziale Netzwerk und die Nachbarschaftshilfe funktionieren. Die Landschaft und die auf drei Seiten vorhandenen Wälder laden zur Naherholung ein. Das Ortsbild mit ortstypischen Bauernhäusern gilt als intakt. Spürbar ist ein aktives Vereinsleben. Ammerswil verfügt über einen Kindergarten und die Primarschule. Als Pluspunkt wird die effiziente Gemeindeverwaltung hervorgehoben. Verkehrsmässig ist das Dorf mit dem Bus an Lenzburg und Dintikon angeschlossen.

Selbstredend sind im Bericht auch die Schwächen aufgeführt. Die bescheidene Einwohnerzahl hat bescheidene finanzielle Möglichkeiten zur Folge. Vermisst werden ein Laden und eine Arztpraxis. Die Post und das Restaurant Rütli sind längst geschlossen. Als störend wird der Durchgangsverkehr empfunden. In den Wohnquartieren fehlen verkehrsberuhigende Massnahmen. Bis in zehn Jahren wird sich die Altersgruppe 65+ verdoppeln. An einzelnen Bauernhäusern im Ortskern wird der bauliche Unterhalt augenfällig vernachlässigt.

Ammerswil will nur moderat wachsen. Mit einer qualitätsvollen Innenentwicklung soll die geordnete Bebauung ohne Einzonungen fortgesetzt werden. Die beiden Planerinnen rechnen vor, dass die rund 2,5 Hektaren unüberbauten Wohn- und Mischzonen noch rund 150 neue Einwohner aufnehmen könnten.

Kein «Gmües-Egge» mehr

Der 6. Januar 2017 war ein schwarzer Tag für Ammerswil. Der Volg-Laden schloss endgültig. Die Barmettler Gemüsekulturen GmbH begann, ihr Angebot im bestehenden «Gmües-Egge» zu erweitern, und zwar um Früchte, Backwaren, Eier, Honig, Milchprodukte und Fleisch. Doch nun benötigt der Gemüsebaubetrieb einen Teil der Ladenfläche. Kommt hinzu, dass Marianne Barmettler viele Stunden im Laden anwesend sein musste. Wirtschaftliche Alternativen wurden gesucht, liessen sich aber nicht verwirklichen. Schweren Herzens musste Marianne Barmettler ihren Hofladen am vergangenen Silvester aufgeben. (AG)

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