Im zweiten Anlauf nun doch:Steuerfuss steigt auf 127 Prozent
Ammerswil Nach zwei Stunden stand es fest: Der Steuerfuss steigt nun doch von 109 auf 127 Prozent. Die finanzielle Lage der Gemeinde verbessert sich trotzdem nur langsam.
An der Wintergemeindeversammlung vom 19. November 2025 wollten die Ammerswiler Stimmberechtigten nichts wissen von einer Steuererhöhung von satten 18 Prozent. Die Budgetvorlage 2026 wurde an den Gemeinderat zurückgewiesen. Dieser setzte danach den Rotstift an: Beiträge an Vereine und die Bibliothek wurden gestrichen, freiwillige Beiträge an Kommissionen ebenso, keine Lohnerhöhung an die Mitarbeitenden von budgetierten 0,3 Prozent und kein Seniorenausflug mehr. Das Ruf-Taxi, die Anschaffung eines neuen Schneepfluges und die Weihnachtsbeleuchtung fielen ebenfalls dem Rotstift zum Opfer. Diese Massnahmen wurden an einer gutbesuchten Vorinformation der Bevölkerung mitgeteilt.
Die Stimmbevölkerung entschied anders
Für die ausserordentliche Einwohnergemeindeversammlung am Montagabend, 19. Januar, wurde die Turnhalle daher reichlich bestuhlt – die Vorahnung des Gemeinderates für ein grosses Interesse wurde denn auch bestätigt: Von 514 Stimmberechtigten erschienen 146 und stimmten schlussendlich für eine finanziell bestmögliche Lösung. Gemeinderat Arthur Immer, zuständig für die Finanzen, zeigte nochmals alle möglichen Einsparungen auf, die für einen nun vom Gemeinderat beantragten Steuerfuss von 122 Prozent möglich waren. Gegenüber dem ersten Budget beinhalten diese Änderungen Einsparungen oder Kürzungen von 67600 Franken, Mindererträge bei den Steuern von 81900 Franken und eine Erhöhung der Erbschaftssteuer von 20000 Franken. In den sachlich und ausführlich geführten Diskussionen wurden viele Möglichkeiten vorgetragen, wie eine so hohe Steuererhöhung vermieden werden kann – oder eben doch dringend nötig ist. Argumente wie Wegzug von finanzstarken und kein Zuzug von neuen Einwohnern, Private müssen selber schauen, wo sparen (weniger Ferien, kein Zweitauto) oder Kooperationen mit anderen Gemeinden wurden aufgeführt. So wären laut eines Votanten sogar 118 Prozent möglich. Für die geplante LED-Strassenbeleuchtung sei kein zwingender Handlungsbedarf wie auch der Projektierungskredit von 250000 Franken für die Schulhaussanierung soll für direkte Aufwendungen bei Renovationen verwendet werden. Aber auch Anregungen für einen noch im Herbst zurückgewiesenen Steuerfuss von 127 Prozent wurden aufgeführt. So musste Gemeindeammann Katharina Engeler über drei Anträge von 118, 122 oder 127 Prozent Steuerfuss abstimmen lassen. Die Stimmenzähler waren gefordert, die jeweiligen Stimmen mussten genau ausgezählt werden. Beim ersten Durchgang kam es zu einer Pat-Situation – alle drei Anträge erhielten genau gleich viele Stimmen. Beim zweiten Durchgang fiel der Steuerfuss von 122 Prozent durch und beim dritten Wahlgang wurde der Antrag von 127 gegenüber 118 Prozent mit 70 zu 67 Stimmen angenommen. Nun folgte noch die Schlussabstimmung über die Erhöhung des budgetierten Steuerfusses von 109 auf 127 Prozent, welcher mit 75 zu 63 Stimmen angenommen wurde, aber dem fakultativen Referendum unterliegt.
Seniorenausflug kann stattfinden
Durch diesen Entscheid entfallen sämtliche gestrichenen Beiträge: Vereine und die Bibliothek erhalten weiterhin finanzielle Unterstützung, die Lohnerhöhung von 0,3 Prozent für die Mitarbeitenden wird ausbezahlt, die Strassenbeleuchtung und ein neuer Schneepflug werden angeschafft und sehr zur Freude der vielen älteren Stimmberechtigten wird der Seniorenausflug weiterhin durchgeführt. «Die Seniorinnen und Senioren in unserm Dorf haben dies verdient», meinte ein Anwesender, «denn das sind die Leute, die seit Jahrzehnten hier im Dorf wohnen und Ammerswil lebenswert machten.» Unter grossem Applaus konnte Gemeindeammann Engeler mit sichtbarer Erleichterung diese in jeder Beziehung ausserordentliche Gemeindeversammlung nach genau zwei Stunden schliessen.







