Ein neuer Ort für Plattenfans

Niederlenz Im neuen Verkaufsladen oberhalb der Hetex- Apotheke auf dem Hetex-Areal hat sich ein kleines Paradies für Schallplattenliebhaberinnen und -liebhaber etabliert. Auf 25 Quadratmetern verbindet Livio Kurmann seine private Leidenschaft mit einem öffentlich zugänglichen Raum – voller Musik, Geschichten und sorgfältig ausgewählter Vinyls.

Vinyl, so weit das Auge reicht.Foto: Romi Schmid

Vinyl, so weit das Auge reicht.Foto: Romi Schmid

Livio Kurmann in seinem Laden «Tschent Vinyl».Foto: Romi Schmid

Livio Kurmann in seinem Laden «Tschent Vinyl».Foto: Romi Schmid

Im neuen Verkaufsladen oberhalb der Hetex-Apotheke auf dem Hetex-Areal riecht es nach Holz – und, für Eingeweihte sofort erkennbar, ein wenig nach Vinyl. Zwischen Aldi, Migros Voi, Brocki und weiteren Fachgeschäften hat sich ein neuer Ort für Musikliebhaberinnen und Musikliebhaber eingenistet: «Tschent Vinyl». Betrieben wird er von Livio Kurmann, 48, Lokführer bei der SBB – und leidenschaftlicher Plattensammler

Vom Hobby zum Laden

Die Idee zum Laden entstand nicht aus einem Businessplan, sondern aus Platznot. «Als zu Hause das Musikzimmer aus allen Nähten platzte, dachte ich zuerst an einen externen Lagerraum», sagt Kurmann. Doch aus dem reinen Lager wurde schnell mehr: Wenn schon Raum, dann einer, den man auch als Laden nutzen kann. So wuchs die Vorstellung eines eigenen Plattenladens – ein Traum, den Kurmann schon lange hegte, auch wenn er betont, dass es ein Hobby bleiben wird. Hauptberuflich arbeitet er weiterhin zu 100 Prozent als Lokführer; allenfalls könnte er künftig auf 80 Prozent reduzieren, um einen fixen Ladentag pro Woche zu haben. Zurzeit werden die Öffnungszeiten jeweils im Voraus auf seiner Webseite und auf Facebook bekannt gegeben.

Wer den kleinen Laden betritt, steht vor rund 5000 Schallplatten. Ein grosser Teil stammt aus Kurmanns eigener Sammlung, ergänzt durch angekaufte Bestände. Das Sortiment ist breit gefächert: Hard Rock und Metal, Pop und Rock, Reggae und World, Funk und Soul, Jazz und Fusion, Blues und Bluesrock, Prog- und Psych-Rock, Ambient und elektronische Musik – und auch klassische Musik. Kurmann kauft nicht nur nach Genre, sondern auch nach persönlichem Geschmack. «Ich höre hauptsächlich Hard Rock, aber genauso gern Blues, Jazz oder Klassik», sagt er.

Neuware führt «Tschent Vinyl» bewusst nicht. Kurmann verzichtet darauf, weil es in nächster Nähe bereits zwei spezialisierte Läden gibt: «Dezibelle» in Aarau und «Die Rille» in Würenlingen, wo er selbst Stammkunde ist. Stattdessen setzt er auf Secondhand – und auf Qualität. Zerkratzte Platten oder muffige Hüllen kommen ihm nicht in den Laden. Knisternde oder verschmutzte Scheiben reinigt er mit einer eigenen Plattenwaschmaschine. Die Preise ermittelt er, wie mittlerweile fast jeder Händler, über die internationale Plattform Discogs.

Einen klassischen Hörplatz gibt es nicht. Dafür läuft im Hintergrund stets eine Anlage – und auf Wunsch legt Kurmann auch gezielt eine Platte für Kundinnen und Kunden auf. Beratung bietet er gerne an, jedoch nicht unbedingt in Hifi-Fragen: «Dafür weiss ich auf diesem Gebiet zu wenig.»

Von Celentano bis AC/DC

Der aktuelle Vinyl-Hype kommt ihm entgegen. Kurmann nimmt wahr, dass wieder mehr junge Leute dieses analoge Medium für sich entdecken – während in Brockis und auf Flohmärkten kaum mehr gute Funde zu machen sind. «Da ist alles abgegrast», sagt er. Gleichzeitig hofft er, dass Privatpersonen ihre Sammlungen bei ihm verkaufen werden, sodass sich sein Sortiment laufend verbreitert.

Seine eigene CD- und Schallplattensammlung sieht ähnlich aus wie das Ladenangebot: viel Hard Rock, Jazz, Blues, klassische Musik – und sehr viel Adriano Celentano. Seine erste LP, «Viva Italia», würde er niemals verkaufen. «Einfach, weil sie meine erste war», sagt er. Geprägt habe ihn Celentano schon früh, als er als Kind eine Kassette im Auto seiner Grosseltern hörte. Später kamen AC/DC und weitere Hard-Rock-Bands hinzu.

Der Name «Tschent» stammt aus dem Churerdeutsch – Kurmann ist in Chur geboren und aufgewachsen. «Tschent» bedeutet so viel wie «toll» oder «lässig» und war in seiner Schulzeit so etwas wie das damalige Wort für «cool». Seit acht Jahren lebt er in Seon, ist verheiratet, hat zwei Kinder im Alter von 18 und 13 Jahren und eine Katze. Nebenbei spielt er selbst Schlagzeug und Gitarre und war bisher in verschiedenen Rockbands aktiv.

«Tschent Vinyl» ist damit kein gewöhnlicher Laden, sondern ein persönlicher Ort, gewachsen aus Leidenschaft für Musik – mitten im belebten Hetex-Areal.

Eröffnungswochenende: Freitag, 13. Februar, 14 bis 20 Uhr, und Samstag, 14. Februar, 10 bis 18 Uhr, Lenzburgerstrasse 2, Niederlenz.

Weitere Artikel zu «Region», die sie interessieren könnten

Totales Streitobjekt: Der rosa Hut.Foto: Peter Winkelmann
Region11.02.2026

Ganz viel Weibertratsch im verhexten Dorf

Brunegg Im Dorf geht alles drunter und drüber. Die Dorftratsche Lisi benimmt sich mehr als nur komisch. Auch Fritz, der Metzger, ist wie verhext. Ist es ein…
Lädt am 14. Februar zur Tavolata: Gaby Schmutz.Foto: Romi Schmid
Region11.02.2026

Ein Tisch für neue Begegnungen

Staufen Am 14. Februar findet in Staufen erstmals eine Tavolata statt. Initiiert wird sie von Gaby Schmutz, die mit dieser offenen Tischgemeinschaft einen Ort…
Blick in eine aktuelle Theaterprobe.Foto:  zvg
Region04.02.2026

Ein Testament, viel Theater undnoch mehr Humor

Rupperswil Ein Testament, das es in sich hat, ein Ensemble mit viel Spielfreude – und ein zusätzlicher Spielabend: Die Theatergemeinschaft Tangram Rupperswil…