Ein Hauch Hollywood für die Chlausklöpfer

Dialog unter Fachleuten: Hanspeter Gehrig, Thomas Dettwiler und Markus Gehrig besprechen die nächste Szene. Foto: Ruedi Burkart
Dialog unter Fachleuten: Hanspeter Gehrig, Thomas Dettwiler und Markus Gehrig besprechen die nächste Szene. Foto: Ruedi Burkart

Hunzenschwil: Die Chlausklöpfer gehen mit der Zeit. Aktuell entsteht eine Filmproduktion, die Punkterichter und Aktive gleichermassen unterstützen soll. Zu sehen sein wird das Werk im Spätsommer.

Markus Gehrig macht einen zufriedenen Eindruck. Er zeigt «Daumen hoch» in Richtung Thomas Wassmer und richtet seinen Blick weg von der Kamera. «Kommt, wir nehmen einen Kaffee», ruft Hanspeter Gehrig, Präsident der regionalen Chlausklöpforganisation, derweil in die Runde. Dann treten die Männer zusammen, die am vergangenen Samstag auf dem Gelände der Firma Oel Brack nahe der Autobahn arbeiten. «Noch fünf Takes, dann sind wir für heute durch», meint Filmemacher Markus Gehrig nach einem Blick auf das Storyboard. Die anderen nicken zufrieden und beissen genüsslich in eines der bereitliegenden Gipfeli. 

Die Chlausklöpfer der Region Lenzburg drehen also einen Film. Aber weshalb? Um Werbung für den jahrhundertealten Brauch zu machen? Kaum, die regionalen Wettbewerbe gegen Ende Jahr mit dem Final als Höhepunkt weisen stetig steigende Teilnehmerzahlen auf. Hanspeter Gehrig, ehemaliger Gemeindeammann von Ammerswil, klärt auf: «Es geht in erster Linie darum, ein Instruktionsvideo für Punkterichter zu drehen. Welche Bewegungen des Klöpfers sind reglementkonform, was macht er gut oder schlecht?» 

An Wettbewerben bewegen sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einem aufgemalten Kreis, wo sie während 30 Sekunden möglichst laut und regelmässig klöpfen. Bewertet werden sie dabei von Kampfrichtern, die sich auf die vier Ecken des ausgesteckten Platzes verteilt haben. Man wolle zum einen die anspruchsvolle Arbeit der Richter einfacher machen, zum anderen aber auch für faire Verhältnisse sorgen. 

Film kostet 7000 Franken

Dank des Films wisse nun jeder, wie in welchen Situationen benotet werden müsse. 7000 Franken wird das Werk kosten, eine schöne Stange Geld für die Chlausklöpfer. Zum Glück habe man Sponsoren finden können, sagt Hanspeter Gehrig. Den grössten Brocken steuert das OK des Lenzburger Fischessens bei, auch die Hypi Lenzburg zeigt sich spendabel. Die kurze Pause ist vorbei, es geht in die Endphase des samstäglichen Filmdrehs. «Und jetzt noch die Schlechten», raunt Kameramann Markus Gehrig – übrigens nicht verwandt mit Hanspeter Gehrig – dem Hauptdarsteller zu. «Die Schlechten» bedeutet, dass Wassmer bewusst unkorrekt klöpfen soll. «Das ist für ihn gar nicht so einfach», meint Hanspeter Gehrig schmunzelnd. Schliesslich ist Wassmer einer der Besten seines Fachs und gewann auch schon die regionale Meisterschaft. 

«Schlecht» klöpfen bedeutet beispielsweise, mit einer viel zu kurzen Geissel im Ring zu stehen. Oder mit einer zu langen, welche dann immer wieder den Boden berührt. «Zudem bewegen sich viele falsch», meint Hauptdarsteller Wassmer nach dem Drehtag, «sie drehen den Oberkörper zu wenig und kommen so nicht richtig in Schwung.»

In nächster Zeit werde ein zweiter Drehtag durchgeführt, verrät Hanspeter Gehrig weiter, dann mit einer erwachsenen Klöpferin und einem Kind. Und wann ist das Werk zu sehen? «Wir rechnen damit, dass der Film im Spätsommer fertiggestellt ist.» Also ideal vor dem Beginn der neuen Klöpfsaison. 

Zu bestaunen sein wird das Video auf der Homepage der Chlausklöpfer des Bezirks Lenzburg, eine DVD werde nicht hergestellt. «Das braucht in der heutigen Zeit niemand mehr», sagt Gehrig schmunzelnd, «jeder hat zuhause einen Computer, und die Jungen können das Video auf dem Handy anschauen.» Die traditionsbewussten Chlausklöpfer gehen eben mit der Zeit.

Hinweis: Infos und Video ab Spätsommer auf www.chlauschloepfe.ch.

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