Chaos-WG mit schrägen Vögeln

Schafisheim Mit einem gepfefferten Schwank brechen die Theaterleute Schafisheim nun endlich das theatralische Schweigen der Sommerpause und steigen ein mit dem Stück «Es esch ned alles Gold, was glänzt» in drei Akten aus der Feder der Freiämterin Janine Berger.

<em>«Es esch ned alles Gold was glänzt»: </em>Für Lacher und gute Unterhaltung ist gesorgt.

<em>«Es esch ned alles Gold was glänzt»: </em>Für Lacher und gute Unterhaltung ist gesorgt.

<em>Fahrerflucht und Schmuckdiebstahl: </em>Das sorgt für Chaos in der Chaos-WG. Fotos: zvg

<em>Fahrerflucht und Schmuckdiebstahl: </em>Das sorgt für Chaos in der Chaos-WG. Fotos: zvg

Das Jubiläumsjahr liegt hinter den 25 Laienschauspielern der Theatergruppe Schafisheim. Im letzten Jahr feierte der Theaterverein sein 20-jähriges Bestehen seit der Gründung im Jahr 1998. Auch dieses Jahr überraschen sie mit einer Produktion, die alle Lachmuskeln zu beanspruchen verspricht.

Die 33-jährige Drehbuchautorin, Janine Berger, früher selbst Schauspielerin, nun Präsidentin der Chaostheatergruppe Wohlen und Mutter, lebt in Boswil und schreibt ausschliesslich Mundart-Komödien. Bewusst, ohne zu politisieren, und trifft damit den Geschmack ihres Publikums. Bergers Figuren sind überzeichnet komisch, teils derb, ihr Erzählstil gradlinig, die Spielorte entstammen dem Alltäglichen.

«Es esch ned alles Gold, was glänzt» erzählt die Geschichte zweier Halbschwestern, Anna und Aurora, die zusammen mit Travestie-Club-Besitzer Julian eine kleine Wohnung bewohnen. Oma Hildi, Mutter Irene und Auroras Lover Jacobo sind gern gesehene Gäste in der Chaos-WG. Die Lage eskaliert, als Annas beste Freundin der Fahrerflucht verdächtigt wird und eine Schmuckdiebin ihr Unwesen treibt.

Volkstheater lebt nach wie vor

Nirgendwo wird so viel Laientheater gespielt wie in der Schweiz: im Mehrzwecksaal, im Kirchengemeindehaus, im Singsaal oder in der Turnhalle, in der Dorfbeiz oder unter freiem Himmel. Ein Blick in die Geschichte zeigt: Das Schweizer Volkstheater lebt und gedeiht. Religiöse Festspiele wurden bereits im Mittelalter und in der früheren Neuzeit aufgeführt. Seit dem 19. Jahrhundert fand die Lust am theatralischen Spiel eine Institutionalisierung in der Gründung zahlreicher Theatergesellschaften. Das Laientheater ist ein blühendes Genre und lebt heute von der kulturellen Pflege seiner ehrenamtlichen Mitglieder. Der Zentralverband des Schweizer Volkstheaters (ZSV) und gleichzeitig der Dachverband der sieben Regionalverbände der Deutschschweiz kommt auf Anfrage auf rund 549 Theaterverbände, die schweizweit regelmässig dem Theaterspielen frönen.

Fragt man beim Theaterverband der Region Aargau (AarThea), so sind zurzeit 52 Laientheatervereine gemeldet. Das ist eine Dichte, die selbst in der Schweiz ihresgleichen sucht und nur in der Innerschweiz ähnlich hoch ist. Dort auch findet man plausible Erklärungsansätze im Katholizismus, der seinen Gläubigen seit je zeitlich beschränkte Freiräume gewährt hat und auch die Laientheatertradition im paritätischen Aargau mitbestimmt. Heute besteht ein vielseitiges Neben- und Miteinander verschiedener Sparten im Kanton, wie dem Volksschwank, dem Operettentheater sowie dem anspruchsvollen Amateurspiel.

Kulturelle Selbsttätigkeit

«Wir machen Theater zur Unterhaltung, kein aufmüpfiges Theater, sondern ein bodenständiges und unterhaltsames. Aber auch eines, das Gemeinden zusammenschweisst und die Leute dazu bringt, für eine Saison ihre Freizeit zu opfern. Auch dank des Theatervereins ‹lebt› unser Dorf. Der Theaterabend im September ist für viele ein fester Bestandteil im Jahresplan», sagt Yvonne Sigrist, die nun bereits das dritte Jahr in Folge Regie führt.

Sorgenbarometer

Als grösste Zukunftssorge nennen die Mitglieder der Schafisheimer Theaterleute die Rekrutierung junger und vor allem männlicher ehrenamtlicher Laienspieler. Diese sei in den letzten Jahren massiv diffiziler, bestätigt Regisseurin und Primarschullehrerin Yvonne Sigrist. Andererseits sei positiv zu bemerken, dass der Frauenanteil steige.

Mit ihrem neusten Schwank zeigen die Theaterleute Schafisheim bürgerliches Lachtheater zwischen Theater- und Festkultur, gestalten autonom und selbstständig den kulturellen Raum ihrer Region, sorgen für den gesellschaftlichen Kitt und werden auch aus diesem Grund wichtiger Teil einer in ihren kleinsten Zellen der Vereinskultur lebenden Demokratie.

Freitag, 6. September, 20 Uhr, Samstag, 7. September, 20 Uhr, Mehrzweckhalle Schafisheim, Nachtessen ab 18 Uhr, Schwank in drei Akten von Janine Berger «Es esch ned alles Gold, was glänzt», Vorverkauf: Donnerstag, 29. August, 18 bis 20 Uhr unter 062 775 30 81, ab Freitag, 30. August, unter www.theatergruppe-schafisheim.ch.

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