Auf der Suche nach den eigenen Grenzen

Staufen Der 50-jährige Edmund Bitterli hat eine grosse Leidenschaft – Extremläufe im In- und Ausland. Seit kurzem ist er aus Slowenien zurück, wo er 180 Kilometer in 40 Stunden zurücklegte. 68 Sportler stellten sich mit ihm zusammen diesem Lauf – dem Ipertrail.

<em>Wichtigster Begleiter auf den 180 Kilometern:</em> Edmund Bitterli mit der Kiste, in der Essen, Kleider und Schuhe verstaut waren. Foto: cfr
<em>Wichtigster Begleiter auf den 180 Kilometern:</em> Edmund Bitterli mit der Kiste, in der Essen, Kleider und Schuhe verstaut waren. Foto: cfr

Das faszinierende an solchen Läufen ist, dass man unterwegs unterschiedlichste Menschen trifft, die jedoch die gleiche Leidenschaft teilen. Und – das Ziel ist nicht, die anderen zu besiegen, sondern sich selbst», sagt Edmund Bitterli. Seit zehn Jahren nimmt er an solchen langen Läufen teil, vorher war er vor allem an Strassenvelorennen unterwegs.

Es sei ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man nach 180 Kilometern, bei denen man nur kurze Verpflegungspausen machen konnte, ins Ziel kommt. 40 Stunden unterwegs, bei Tag und Nacht, ohne Schlaf. «Da kullert dann schon die eine oder andere Träne herunter, wenn man erschöpft, aber glücklich die Ziellinie überschreitet», sagt der 50-jährige Staufner.

Mitten durch den Lebensraum von Bären und Wölfen

Vor allem am letzten Wettkampf in Slowenien, wo nebst der Kälte auch die Wegsuche nur per GPS möglich war. «Ich war gut vorbereitet, weil ich im Vorfeld genau das trainiert habe. Ich traf unterwegs Teilnehmer, die die Orientierung in den Bergen nicht beherrschten und deshalb aufgeben mussten.» Manchmal ergebe es sich, dass man ein Wegstück gemeinsam bewältige. Aber nachdem jeder Läufer sein eigenes Tempo habe, sei dies selten für längere Zeit der Fall.

Zu Beginn des 180-Kilometer-Laufs in Slowenien, der morgens um 3 Uhr startete, hatte Bitterli schon ein mulmiges Gefühl. Verständlich, denn nach der Anmeldung bekam er Post vom Veranstalter. Einerseits mit genauen Vorgaben, was an Material mitgenommen werden muss – etwa eine Rettungsdecke. Und dann noch ein Hinweis, dass in dem Gebiet der slowenischen Berge, durch das die Rennstrecke verlaufe, auch Wölfe und Bären leben – aber noch nie etwas passiert sei. «Das im Hinterkopf zu haben, war schon speziell», sagt er schmunzelnd.

Verpflegung nur alle 40 Kilometer möglich

Wie konnte man sich unterwegs verpflegen? «In Slowenien bekam jeder Teilnehmer eine Holzkiste, in der man seine Esswaren und Kleider verstauen konnte.» An die Verpflegungsposten wurden auch die Holzkisten angeliefert. Der Organisator stellte jeweils kaltes und heisses Wasser zur Verfügung. «Ich nahm während des Laufs vor allem Kartoffelstock und Salzstängeli zu mir», sagt Bitterli. Und fügt lachend an: «Der Salzbedarf ist enorm, nach 100 Kilometern streut man das Salz einfach über alles.»

Jede Stunde ein SMS

Wie reagiert eigentlich das Umfeld auf seine Leidenschaft, die er drei- bis viermal im Jahr auslebt? «Meine Partnerin und meine Töchter gönnen mir diese Abenteuer, sorgen sich aber schon ein wenig um mich», sagt er. Er musste deshalb seiner Partnerin Regula versprechen, sich bei Extremläufen jede Stunde mit einem SMS zu melden. Und sich selber hat er versprochen, auf den Körper zu hören und den Lauf abzubrechen, wenn nötig. So geschehen etwa in Berlin wegen anhaltender Knieschmerzen.

Um gut vorbereitet zu sein, trainiert Bitterli täglich, unternimmt den Arbeitsweg nach Baden, wo er als Informatiker tätig ist, häufig zu Fuss. So erstaunt denn nicht, dass da einige Schuhsohlen pro Jahr durchgelaufen werden.

«Ich bin wohl einer der wenigen Männer, die mehr Schuhe im Schrank stehen haben als ihre Partnerin.» Sagts und macht sich auf, um zu packen. Allerdings nicht für den nächsten Extremlauf, sondern für die Skiferien mit seiner Partnerin.

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