Altes Saatgut neu gepflanzt
Möriken-Wildegg Vor einem Jahr wurde die Samengärtnerei der Stiftung ProSpecieRara am Fuss des Schlosshügels testweise in Betrieb genommen. Ziel ist, Gemüse- und Zierpflanzenarten sortenrein zu vermehren, selektionieren und dokumentieren.

Ein Netzwerk von rund 650 Privatpersonen sorge dafür, dass das Samengut in ihren Gärten vermehrt und die neuen Samen der Samenbibliothek von ProSpecieRara zugeführt würden. Nur so könne das genetische Wissen erhalten bleiben, sagt Béla Bartha, Geschäftsführer der Stiftung ProSpecieRara, anlässlich der Besichtigung der neuen Samengärtnerei. Seit bald 40 Jahren setzt ProSpecieRara bei der Erhaltung von über 1600 über Samen vermehrbaren Gemüse- und Zierpflanzensorten primär auf private Sortenbetreuer.
Um jedoch auch anspruchsvolle Arten wie etwa Karotten oder Kohl langfristig erhalten zu können, oder auch, um für kurzfristig erhaltene Pflanzensammlungen einen geeigneten Platz zu haben, wurde vor einem Jahr die alte Gärtnerei am Fusse des Schlosshügels von ProSpecieRara übernommen.
Erste Testpflanzungen sind bereits erfolgt. «Aktuell wird die Peperonisorte Lombardo auf eine einheitliche Schärfe hin selektioniert», sagt Mira Langenegger, Projektleiterin Samenbibliothek. Zudem reifen im Federkohlfeld die Samen heran, genau so wie bei den rund 150 Karotten, in deren Dolden sich Samen ausbilden. Betreut wird die Gärtnerei von Jessica Türler, die im April ihre Stelle angetreten hat. «Um eine Verkreuzung zu verhindern und damit eine Sortenreinheit zu erhalten, arbeite ich unter anderem mit Isoliertunnels», sagt die Gärtnerin. Die kommenden Monate würden zeigen, wo Verbesserungspotenzial bei den Arbeitsprozessen vorhanden sei, sagt sie.
Neues Gewächshaus geplant
Im September erfolgt dann der Spatenstich für das neue Gewächshaus, bezugsbereit sollte es im November sein. «Das gibt uns die Möglichkeit, pro Saison bis zu 50 verschiedene Sorten zu vermehren», sagt Philipp Holzherr, Projektleiter Samengärtnerei. Es habe sich gezeigt, dass die sortenreine Vermehrung von gewissen Arten in Privatgärten nicht ganz so einfach sei. Eine Maisvermehrung sei auf diese Weise schier unmöglich. Mit der neuen Samengärtnerei hat man nun die Bedingungen dafür geschaffen. Ziel sei denn auch, allgemein die Züchtungen zu verbessern und sie – eventuell auch nur als Nischenprodukt – auf den Markt zu bringen. Hauptziel der Stiftung ProSpecieRara ist und bleibt jedoch, die Sortenvielfalt zu erhalten. Der wirtschaftliche Faktor bleibt im Hintergrund.
EU-Projekt mit Bohnensamen
Geplant ist, ab 2020 in einem kleinen Selbstbedienungsladen Setzlinge und Gemüse zum Kauf anzubieten. Geplant ist zudem, die Samengärtnerei mit einem Eröffnungsfest einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Künftig sollen auch Schulungen für Privatpersonen, die sich für die Vermehrung von alten Samensorten interessieren, hier angeboten werden.
Der Klimawandel bringt neue Herausforderungen an das Saatgut mit sich. Aus diesem Grund wurde ein EU-Projekt ins Leben gerufen, das den Austausch von Bohnensamen für Studienzwecke unterstützt. In der Samengärtnerei werden aktuell etwa spanische Bohnen analysiert. Die Auswertungen werden zeigen, welche Samen sich künftig am besten den klimatischen Verhältnissen anpassen können.