6000 Kilometer weit rudern

Hendschiken Wenn Corona nicht noch einen Strich durch die Rechnung macht, wird Steve Chetcuti am 1. März in See stechen. Mit vier Mitstreitern gehts in einem Ruderboot von Portugal nach Französisch-Guayana.

In einem solchen Hightech-Ruderboot, 9 Meter lang, 1,7 Meter breit, geht es am 1. März auf die Atlantiküberfahrt: Steve Chetcuti beim Training und «Astronauten-Food»-Testen auf dem Vierwaldstättersee. Foto: zvg
In einem solchen Hightech-Ruderboot, 9 Meter lang, 1,7 Meter breit, geht es am 1. März auf die Atlantiküberfahrt: Steve Chetcuti beim Training und «Astronauten-Food»-Testen auf dem Vierwaldstättersee. Foto: zvg

Aktuell die richtige Balance zu finden zwischen Training und Erholung, sei nicht einfach», sagt der gebürtige Malteser Steve Chetcuti. Schliesslich nimmt man nicht alle Tage 6000 Kilometer im Ruderboot in Angriff. Seit über zwei Jahren bereitet er sich auf dieses Abenteuer vor. Täglich trainiert er zwei bis vier Stunden am Rudergerät, beim Joggen, mit Krafttraining und Atemübungen. Eine gute mentale Vorbereitung sei zu 80 Prozent für den Erfolg verantwortlich, sagt er.

Ein 24-Stunden-Intensivtraining auf dem Hallwilersee endete mit tauben Fingern. «Beide Karpaltunnel an den Handgelenken waren entzündet, mussten operiert werden», sagt der 50-Jährige. Inzwischen ist alles verheilt. Das ist gut so, denn am 22. Februar fliegt er nach Portugal, um sich dort mit seinem Team zu treffen. Wegen Corona ist alles anders. «Ich habe bisher nur unseren Kapitän Ralph Tuijn in Amsterdam getroffen, wo auch sein Boot steht. Die drei Mitstreiter Dolores, Patrice und Georgios kenne ich vom Telefonieren.» Auch letzte Trainings in Portugal fallen ins Wasser. «Das alles ist halb so schlimm. Schlimm wäre, wenn die Grenzen zugingen und wir das Ganze verschieben müssten. Für mich würde eine Welt zusammenbrechen», sagt er.

Zum Gedenken an seinen Bruder

Ziel ist, den alten Weltrekord von Kapitän Ralph von 48 Tagen, 4 Stunden und 40 Minuten zu brechen. Wenn das gelingt, erreichen sie die Küste von Französisch-Guayana am 17. April – am Geburtstag von Mike Chetcuti. «Mein Bruder ist an Krebs gestorben.» Diese Reise ist denn auch zum Gedenken an ihn, verbunden mit einem Spendenaufruf für die Krebsliga Schweiz, Terre des hommes und das Hospiz Malta, wo Mike betreut wurde. «Meine Reisekosten berappe ich zu 100 Prozent selber.»

Start ist am 1. März in Portimao. Das Team wechselt sich im Zweistundentakt ab. Der Tagesrhythmus wird durch rudern, schlafen, essen und Boot putzen bestimmt. Alle sind immer am Boot gesichert. «Ich freue mich schon darauf, mitten im Atlantik den Bootsrumpf zu reinigen», sagt er. Würde man das nicht tun, würde dies die Geschwindigkeit beeinträchtigen. Die Ernährung besteht aus gefriergetrockneten Gerichten, das Meerwasser wird zu Trinkwasser aufbereitet. Zum Schlafen stehen zwei Minikabinen zur Verfügung, in die sich das Team bei Sturm zurückziehen kann. Ein Eimer dient als Toilette.

Keine Angst, dass etwas schiefgehen könnte? «Angst nicht, aber Respekt vor den Naturgewalten», sagt der Vater von drei Töchtern. Respekt hat auch seine Frau Desirée. «Erst wollte Steve allein gehen. Das konnte ich ihm ausreden», sagt sie. Dass ihr Mann nun mit einem Team unterwegs ist – darunter Ralph, der diese 6000 Kilometer zum zehnten Mal im Ruderboot begeht –, gebe ihr Sicherheit. Und sie freut sich, Steve am Ziel in Französisch-Guayana in die Arme zu schliessen.

Alle Infos auf de.crossrower.ch.

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