Schatzkammer: Zum Fressen gern

Der legendäre Pilzmaler: Der Lenzburger Künstler Hans E. Walty als kleiner Knopf.
         
         
            Foto: Sammlung Museum Burghalde Lenzburg
Der legendäre Pilzmaler: Der Lenzburger Künstler Hans E. Walty als kleiner Knopf. Foto: Sammlung Museum Burghalde Lenzburg

Generationen von Pilzkundlern und -sammlern haben anhand der Bildtafeln des Lenzburgers Hans E. Walty (1868–1948) die Schweizer Pilzflora kennen gelernt. Mit dem kleinen Bildbüchlein im Sack sind sie durch die Wälder geschlichen auf der Suche nach den schönsten Gewächsen.

Verblüffend real

Der durchschlagende Erfolg jenes vor genau 100 Jahren und jünger verlegten Bildtafelwerks ist nicht zuletzt seiner Akribie geschuldet. Verblüffend real und in noch nie da gewesenem Umfang sollten mehrere Bändchen in x-facher Auflage folgen.

Das umfassende mehrbändige Kompendium war insofern heiss begehrt, als dass Walty neben der deutschen und der lateinischen Bezeichnung mit Funddatum jeweils auch die Einordnung essbar, ungeniessbar, verdächtig, giftig, «tötlich» vermerkt hatte.

An die 500 Bildtafeln

Während über 30 Jahren schuf der einstige Zeichenlehrer an der Bezirksschule Lenzburg und preisgekrönte Künstler Hunderte Aquarelle. Stets bemühte sich der Pilzforscher um eine Kategorisierung, doch die gigantische Zahl an unterschiedlichen Arten liess ihn seine einmal erlangte Auflistung mehrfach revidieren. Jenes Manuskript blieb unveröffentlicht, das atemberaubende Originalwerk der Öffentlichkeit verborgen – bis auf ein einziges und letztes Mal 1953.

Nimm’s mit Humor

Bei all den Erkundungen über die Jahrzehnte müssen dem passionierten Pilzsammler Walty unzählige Anekdoten zu Ohren gekommen sein. Jedenfalls findet sich solch eine in den Lenzburger Neujahrsblättern: Wie Walty darin die Namensfindung des Steinpilzes in verschiedenen Sprachen umschreibt, kommt er schlussendlich auf die deutsche Übersetzung zu sprechen: «Die Deutschen nennen den schwarzhütigen Steinpilz ‹weissfleischiger Bronzepilz›. Als ich vor Jahren die Zürcher Pilzausstellung besuchte, war er als solcher angeschrieben. Ein biederer Schwabe las kopfschüttelnd die Anschrift und meinte: ‹Jetzt hab i gmeint, ich hätt mei Lebe lang den schwarzhütigen Stoipilz gfressa, und jetzt is des auf einmal der weissfleischige Bronzepilz.›» Womit ich – ganz im Sinne Waltys – schliesse.

Bis 26. November

Die Ausstellung «Herausragende Pilze – Die Aquarelle von Hans E. Walty» ist im Museum Burghalde in Lenzburg bis am 26. November zu sehen.

«Schatzkammer». Hier stellen Mitarbeitende des Museums Burghalde Lenzburg jeweils in der ersten Ausgabe des Monats spannende Geschichten und originelle Fundstücke vor.

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