Wenn sich Gedanken im Kreis drehen

tipp zum Alltag

Barbara Jordi
Barbara Jordi

Habe ich richtig reagiert? War mein Nein zu hart? Hätte ich mich anders verhalten sollen? Und warum habe ich diese Gelegenheit eigentlich nicht genutzt?

Solche Gedanken kennen viele von uns. Eine Situation ist längst vorbei, doch in unserem Kopf läuft sie weiter. Tagsüber schweifen wir immer wieder ab, nachts wachen wir auf, und plötzlich ist sie wieder da – dieselbe Geschichte, dieselbe Frage, dieselbe Unsicherheit. Unser Kopf möchte gern Lösungen finden. Doch nicht jedes Problem lässt sich durch Nachdenken lösen. Manchmal wird aus Nachdenken Grübeln: Wir drehen uns im Kreis, ohne wirklich weiterzukommen – es vereinnahmt uns zunehmend. Hier kann Achtsamkeit helfen.

Achtsamkeit bedeutet nicht, unangenehme Gedanken einfach wegzuschieben. Vielmehr geht es darum, wahrzunehmen, was gerade in uns passiert, ohne sofort darauf reagieren zu müssen. Der erste Schritt ist deshalb «Wahrnehmen». Ich erkenne, dass ich wieder in meiner Gedankenschlaufe bin. Dann hilft es, bewusst innezuhalten. Beide Füsse auf den Boden stellen, einmal tief durchatmen und die Aufmerksamkeit auf den Körper richten. Wie fühlt sich mein Atem an? Sind meine Schultern angespannt? Kann ich sie bewusst etwas lockern? Als Nächstes lohnt sich eine einfache Frage: Was genau beschäftigt mich gerade? Ist es schlechtes Gewissen? Unsicherheit? Enttäuschung? Bedauern? Allein ein Gefühl bewusst zu benennen, schafft oft schon etwas Abstand. Dann kommt die entscheidende Frage: Kann ich jetzt etwas tun? Wenn ich jemanden verletzt habe, kann ich mich melden. Wenn ich etwas klären muss, kann ich es klären. Wenn ich aus einer Situation etwas lernen kann, kann ich mir vornehmen, es beim nächsten Mal anders zu machen.

Und wenn ich nichts mehr verändern kann? Dann darf ich die Situation auch ruhen lassen. Das ist vielleicht der schwierigste Schritt: loslassen, ohne alles abschliessend klären zu müssen.

Eine kleine Übung für den Alltag kann dabei helfen: Wenn die Gedanken wieder kreisen, richten Sie Ihre Aufmerksamkeit für eine Minute ganz bewusst auf eine alltägliche Tätigkeit. Duschen, Kaffee trinken, umhergehen, abwaschen. Spüren Sie dabei bewusst das Wasser auf der Haut, den Boden unter den Füssen, den Geschmack auf der Zunge. Nicht nebenbei denken, sondern für einen Moment wirklich da sein. Achtsamkeit verändert nicht das, was geschehen ist. Aber sie verändert unseren Umgang damit. Denn nicht jeder Gedanke braucht eine Antwort. Manche Gedanken dürfen einfach wahrgenommen werden und dann weiterziehen wie Wolken am Himmel.

Tipp zum Alltag. Hier schreiben Dozenten des CAS-Studienlehrgangs Achtsamkeit in Lenzburg jeweils in der letzten Ausgabe des Monats über psychologische Aspekte im Alltag. Die Autoren wechseln sich ab.

Weitere Artikel zu «Im Gespräch», die sie interessieren könnten

Das Kadettenkorps Seengen putzt den Titistein. Links im Vordergrund steht Dr. Reinhold Bosch.Foto: zvg
Im Gespräch07.10.2026

Vater und Sohn auf den Spuren der Vergangenheit

Seetal Die Ausgabe zum 100. Geburtstag der «Heimatkunde aus dem Seetal» blickt unter anderem auf das Leben von Reinhold Bosch, dem Gründer der Schrift, und…
Eigenhändig angebracht : Mittels einer Hebebühne montierten Fabian Schlatter und Markus Möhl die Erinnerungstafel.Foto: Peter Winkelmann
Im Gespräch30.09.2026

Lenzburg bleibt Hochburg für Bildung und Weiterbildung

Lenzburg Das neue Gebäude E auf dem Campus der Berufsschule Lenzburg (BSL) mit dem Weiterbildungszentrum (WBZ) hat am 10. August zum Start des neuen…
Lukas Fischer
Im Gespräch30.09.2026

Kindesanerkennung

Recht-tipp