Vater und Sohn auf den Spuren der Vergangenheit
Seetal Die Ausgabe zum 100. Geburtstag der «Heimatkunde aus dem Seetal» blickt unter anderem auf das Leben von Reinhold Bosch, dem Gründer der Schrift, und seinem Sohn Hans Bosch-Dietz zurück.
Es ist Juli 1926, als der damaligen Ausgabe der Regionalzeitung «Der Seetaler» erstmals die «Heimatkunde Seetal» beigelegt wurde. «Die Ziele des Seetaler Almanachs haben sich seit da kaum verändert», schreibt Daniel Humbel, Präsident der Heimatkunde Seetal, in der 99. Ausgabe. Die Schrift erscheint dieses Jahr zum 100. Mal und blickt jährlich in die Vergangenheit des Seetals.
Auch die aktuelle Ausgabe widmet sich zum 100. Geburtstag verschiedenen Themen. Unter anderem porträtieren Gertrud und Paul Wyrsch-Ineichen Dr. med. Hans Bosch-Dietz, den Sohn des Gründungspräsidenten Dr. Reinhold Bosch-Siegrist. In ihrem Beitrag über den wertvollen Zeitzeugen, der im Januar 2025 verstorben ist, erzählen sie von einem Jungen, der sich schon früh für Archäologie interessierte.
Das dürfte nicht zuletzt daran gelegen haben, dass der junge Hans früh mit der wissenschaftlichen Erforschung menschlicher Kultur und materieller Hinterlassenschaften in Berührung kam. Sein Vater war neben seiner Arbeit als Bezirksschullehrer ein engagierter Archäologe. So sieht man den elfjährigen Hans bereits auf Aufnahmen aus dem Jahr 1938 bei Ausgrabungen in Hitzkirch.
Doch Archäologe wurde aus dem jungen Hans nicht. «Bei der Berufswahl entschied er sich für das Studium der Medizin, denn, so erklärte er, alte Steine habe er nun genug gesehen», heisst es im Beitrag.
Die Autoren haben noch viele weitere Anekdoten aus dem Leben von Hans Bosch zusammengetragen. Zum Beispiel jene von seinem ersten Versuch mit Rotwein. Serviert bekam der damals 13-Jährige den Wein von Pfarrer Villiger. Obwohl sein Vater daran zweifelte, dass dem jungen Burschen das Getränk schmecken würde, kannte der Pfarrer eine Geheimzutat: Villiger goss etwas Wein in ein halbes Glas Wasser und mischte das Ganze mit viel Zucker. «Ich fand es köstlich», erzählte Bosch gegenüber den Autoren.
Doch die «Heimatkunde Seetal» beleuchtet nicht nur Boschs Jugend. Seine Zeit beim Militär findet in der Schrift ebenfalls ihren Platz, wenn auch nur in einem kurzen Abschnitt. «Was meine militärische Karriere betrifft: Die endete als Kadettenhauptmann in Seengen», erklärte Bosch-Dietz persönlich gegenüber den Autoren.
Kurz vor dem Einrücken in die Rekrutenschule in Basel hatte er etwas Fieber. Bei einer Untersuchung kam der Verdacht auf Tuberkulose auf, und der junge Mann wurde als dienstuntauglich eingestuft. Erst während seines Medizinstudiums in Lausanne erfuhr Bosch in einer Poliklinik, dass es sich um eine «Normvariante» gehandelt hatte. Zum Militär wurde Bosch nie mehr aufgeboten – erst Jahre später zum Zivildienst.
Zwei Generationen,eine Leidenschaft
Doch in dieser 99. Ausgabe der «Heimatkunde aus dem Seetal» sind nicht nur Erinnerungen an Hans Bosch-Dietz niedergeschrieben, sondern auch solche über seinen Vater. In diesem Fall stammen die Erinnerungen von Max Zurbuchen, Archäologe, Prähistoriker und Leiter der Steinzeitwerkstatt in Boniswil. Max Zurbuchens Karriere war wohl vorbestimmt, genauso wie das Aufeinandertreffen mit Dr. Bosch. Zurbuchen fand als Schüler einen römischen Ziegel auf einem Acker nahe des Mellinger Waldes, so schreibt er es. Den Ziegel brachte Zurbuchen seinem Geschichtslehrer. Wenig später traf er auf Dr. Bosch. Mit ihm besuchte er den Acker nochmals, und der Fachmann stiess sofort auf weitere Fundstücke. «Meine Karriere als Prähistoriker begann also mit einem Paukenschlag», schreibt Zurbuchen.
Es ist nur eines von vielen Malen, in denen sich die Wege von Zurbuchen und Bosch kreuzen. Einmal grub der junge Max Gruber mit Kollegen nämlich in seiner Heimatgemeinde auf einem alten Grabhügel und wurde fündig. Den Schädel nahm er gar nach Hause, und seine Mutter rief den Kantonsarchäologen an. Dieser sei gar nicht begeistert gewesen, schreibt Zurbuchen. Der Kantonsarchäologe klärte den Jungen über die Rechtslage auf, die Privatpersonen solche Ausgrabungen untersagt.
An Zurbuchens Passion für die Prähistorik änderte das nichts. Nach der Schulzeit konnte er das archäologische Seminar besuchen, empfohlen hatte ihn Bosch. Zurbuchen verlor mit 17 Jahren seinen Vater und war viel zu Besuch in Seengen bei Bosch. «Reinhold Bosch wurde für mich immer mehr wie ein Vater», schreibt Zurbuchen. Viele Jahre später, 1972, übertrug Dr. Bosch Max Zurbuchen die ehrenamtliche Leitung der Steinzeitwerkstatt. Ein Versprechen habe er Dr. Bosch geben müssen, schreibt Zurbuchen. «Die Steinzeitwerkstatt sollte im Seetal bleiben, am Hallwiler- und Baldeggersee, wo doch einst Pfahlbauer ihre Dörfer errichteten und Steinzeitmenschen ihre Toten in den Hügel bestatten.»







