Krimi-Debüt: Wenn aus einem Duft eine Geschichte wird
Boniswil Sarah Weidmann aus dem Seetal hat vor wenigen Monaten ihren ersten Krimi «Mord in Rochefort» veröffentlicht. Darin gelingt es ihr, ihre Leserinnen und Leser schnell in den Sog einer Geschichte zu ziehen, in der sich schnell Abgründe auftun. Über ihre Begeisterung fürs Schreiben und Frankreich berichtet sie hier.
Der Prolog zeigt deutlich: in der Winzer-Familie Mureau steht viel Unausgesprochenes im Raum. Helena Mureau mag nicht glauben, dass der Tod ihres Bruders Victor ein Unglücksfall gewesen sein soll. Doch innerhalb der Familie herrscht Schweigen. Schliesslich flieht Helena geradezu nach New York, baut sich dort ein erfolgreiches Leben als Mitarbeiterin in einer Marketing-Agentur auf. Dann soll sie den 60. Geburtstag ihres Vaters mitfeiern und sich in die Planungen einbringen. Ihre Heimkehr nach Frankreich gestaltet sich alles andere als idyllisch. Nach einem weiteren rätselhaften Todesfall beginnt Helena auf eigene Faust zu recherchieren.
Sarah Weidmann erschafft mit wenigen Worten ganze Szenerien, Lesende sind schnell mittendrin. Erst das Weingut mit den Erinnerungen an Victor und die Kindheit, aber auch die Kühle in der besonders Helena und ihre Mutter verharren. Dagegen das aufregende, lebhafte New York mit der hektischen Marketingagentur. Dort hat die Hauptfigur ihren Schmerz über den Tod des Bruders mit ihrer Arbeit zumindest übertüncht. Bald werden Brüche und Abgründe spürbar.
«Eigentlich habe ich schon als Kind sehr gerne Geschichten erfunden und natürlich unglaublich viel gelesen», erinnert sich die Autorin. «Aber dass daraus irgendwann einmal wirklich ein Buch werden könnte – daran habe ich damals ganz sicher nicht gedacht.» Sehr viel später sei daraus schliesslich der Wunsch entstanden, einen Krimi zu verfassen. «Mich hat vor allem gereizt, eine Geschichte zu erzählen, bei der nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Und natürlich wollte ich unbedingt einen Ort und eine Atmosphäre schaffen, in die man beim Lesen richtig eintauchen kann», so Sarah Weidmann. Genau das ist ihr gelungen.
Am liebsten schreibe sie ihren Geschichten zu Hause, am Laptop mit einem Becher Kaffee neben sich. «Aber wenn ich irgendwo festhänge, gehe ich sehr gerne raus oder an den Hallwilersee», erzählt sie. «Beim Laufen sortieren sich die Gedanken oft von alleine.»
Düfte als Inspiration
Am Anfang stehe bei ihr häufig ein Bild – ein Ort oder eine Person in einer bestimmten Situation. Dazu stelle sie sich Fragen zu diesem Bild, so dass es immer konkreter wird. «Ich höre irgendwann die Geräusche dazu, nehme Gerüche wahr, sehe die Farben», beschreibt die Krimiautorin es anschaulich. «Düfte sind für mich dabei tatsächlich sehr wichtig. Bei Rochefort war es der Geruch eines Weinkellers, wie zum Beispiel feuchtes Fassholz und nasser Kalkstein.» Daraus entwickle sich schliesslich eine Szene und daraus die nächste. «Und plötzlich ist man mitten in der Geschichte. Das ist immer ein schöner Moment.»
Ihre Faszination für Frankreich sowie den Weinbau haben ihren Ursprung darin, dass sie französische Wurzeln habe und als Kind mit ihrer Familie die Ferien meistens in der Nähe von Narbonne verbrachte. «Später kamen viele Besuche in der Champagne und in der Provence dazu, die meine Faszination für Frankreich und natürlich auch für den Wein weiter geprägt haben», erinnert sich Sarah Weidmann. Gerade alte Weingüter mit generationenübergreifender Geschichte seien ziemlich interessant: «Irgendwann dachte ich deshalb: Ein Weingut ist eigentlich der perfekte Ort für einen Krimi.» Hinzukomme ihr Beruf im Bereich Kommunikation und Marketing, wo sie viel mit Wein- und Luxusmarken arbeite. «Es sind eher Kleinigkeiten, die davon einfliessen – Degustationen, Weinwissen oder Sinneseindrücke, die ich aus dieser Welt kenne.»
Doch von der ersten Idee bis hin zum fertigen Buch dauerte es. Lachend räumt sie ein: «Es dauerte viel länger als gedacht.» Bis zur finalen Fassung seien es ungefähr zwei Jahre gewesen. «Schreiben, wieder streichen, umstellen, nochmals schreiben», schildert die Autorin den Arbeitsprozess. «Und irgendwann glaubt man, jetzt sei es fertig und dann geht es mit Lektorat und Überarbeitung erst richtig weiter.» Im Nachhinein sei sie aber froh, dass sich die Geschichte diese Zeit genommen habe: «Die Geschichte und auch die Figuren sind dadurch viel stärker geworden und ich habe mich auch als Autorin weiterentwickelt.»
Ein Beispiel dafür ist ihre Hauptfigur Helena Mureau, diese sei intelligent, aufmerksam und ziemlich hartnäckig. Eine unverwundbare und perfekte Heldin sei Helena aber nicht. «Sie trägt einiges mit sich herum und versucht vieles eher mit sich selbst auszumachen. Gerade das mag ich an ihr», stellt Sarah Weidmann fest. Sie freue sich, wenn sie von Lesenden die Rückmeldung bekomme, wann es mit Helena weitergehe. «Das ist das schönste Kompliment», freut sie sich.







