100 Kilometer Abenteuer: Vom Vermissen des Schweizer ÖV

Erfahrungsbericht Als waschechte Schleswig-Holsteinerin zieht es unsere Redatorin Verena Schmidtke rund jedes Vierteljahr heimwärts Richtung Wind, Wasser und Weite. Wer denkt, das Abenteuerlichste am Reisen könnte der Flug sein, irrt, leider.

Eckernförde Bahnhof, nun ist es theoretisch nicht mehr weit bis nach Hause.Foto: Verena Schmidtke

Eckernförde Bahnhof, nun ist es theoretisch nicht mehr weit bis nach Hause.Foto: Verena Schmidtke

Kiel Hauptbahnhof, ab hier geht es weiter mit der Deutschen Bahn.Foto: Verena Schmidtke

Kiel Hauptbahnhof, ab hier geht es weiter mit der Deutschen Bahn.Foto: Verena Schmidtke

Verena Schmidtke, vermisst den Schweizer ÖV.Foto: zvg

Verena Schmidtke, vermisst den Schweizer ÖV.Foto: zvg

Der Part Sarmenstorf – Zürich Flughafen – Flug – Hamburg verläuft meistens zuverlässig. Doch danach folgt der weitaus schwierigere Teil: die Tour mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) vom Hamburg-Airport zu meinem etwa 110 Kilometer entfernten Heimatdörfchen.

Manchmal frage ich mich, ob ich durch meine 14 Jahre in der Schweiz inzwischen zu verwöhnt bin. Bei uns im Dorf fährt alle 30 Minuten ein Postauto, sogar am Sonntag. Selbst ohne Auto bin ich für meine Aufträge mit dem öffentlichen Verkehr (ÖV) gut aufgestellt. Natürlich habe ich hier schon einmal einer S-Bahn hinterhergeschaut. Allerdings ist das eher die Ausnahme, und selbst knappe Pufferzeiten von vier Minuten funktionieren. Sogar mit dem Schiff bin ich schon über den Hallwilersee von Meisterschwanden nach Beinweil am See gefahren, als ich dort einen Termin und etwas Zeit hatte.

Etwas anders sieht es in Deutschland aus. Wenn alles glatt läuft, benötige ich rund vier Stunden von Hamburg bis zu einem Zielort. Wenn Hindernisse wie Baustellen, Verspätungen, defekte Stellwerke, vorausfahrende Züge – die Liste lässt sich endlos fortsetzen – dazwischenkommen, tja, dann dauert es länger. Grusig! Von der Schweizer Zuverlässigkeit kann ich auf meinen Reisen in Deutschland oft leider nur träumen. Es herrscht immer grosse Freude, wenn Reisende pünktlich am dafür vorgesehenen Ort ankommen. Auf einer Tour hatte der Regionalexpress so viel Verspätung, dass es irgendwann hiess: «Der Zug endet im nächsten Bahnhof. Informieren Sie sich bitte über Ihre weiteren Reisemöglichkeiten.» «Thank you for traveling with Deutsche Bahn», fällt mir dazu nur ein.

Am Wochenende ausgedünnte Fahrpläne

Bei aller Vorfreude auf Familie und Heimat beginnt einige Tage vor meiner Abreise zuverlässig das Bauchgrummeln inklusive Kopfzerbrechen. Dieses Mal war es noch intensiver: Schon in Hamburg erwartet die Reisenden eine Vielzahl von Baustellen. Letztlich hätte ich laut Fahrplan-App dreimal umsteigen müssen und nur hoffen können, dass es keine Verspätungen gibt. Die Gefahr, irgendwo im Nirgendwo zu stranden, war mir bei einer relativ praktischen, aber knappen Verbindung zu gross. Deswegen entschloss ich mich für die längere Route über Kiel und Eckernförde. Schliesslich buchte ich mir am Zürcher Flughafen ein Billet für «Kielius», den Flughafenbus nach Kiel. Damit ersparte ich mir den Umsteigestress in Hamburg und den wahrscheinlich übervollen Regionalexpress Richtung Norden. Ab Kiel ging es weiter mit der Deutschen Bahn bis Eckernförde. Um 13.40 Uhr stand ich dort am Bahnhof – beinahe «to Huus» wie man es so schön auf Plattdeutsch sagt.

Hier zeigte sich, dass in der schleswig-holsteinischen Provinz am Sonntag zumindest ÖV-technisch die Uhren langsamer laufen: Der Fahrplan ist ziemlich ausgedünnt, der Direktbus fährt nur alle vier Stunden. Damit durfte ich nun gute eineinhalb Stunden auf meinen Anschluss warten. Das nahm ich aber gern in Kauf, da Eckernförde einen Strand samt Promenade zu bieten hat – definitiv ansprechender als eine triste Bushaltestelle auf dem platten Land. Ein Moment, in dem ich den gut getakteten Schweizer ÖV schmerzlich vermisste. Gegen 15 Uhr durfte ich mit dem Bus weiter Richtung Heimatdörfchen zuckeln, wo ich endlich nicht einmal eine halbe Stunde später ankam. Natürlich nicht, ohne dem Busfahrer noch freundlich «Ade, merci!» zuzurufen.

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