Schön, wieder hier zu sein

Rinaldo Feusi

Neues Jahr, neues Glück. Oder Pech. Schaut man über den Teich, wird es einem hier trotz allfälliger Schwierigkeiten richtig wohl. Die vergangenen drei Wochen war ich in Kalifornien und Tennessee. In Tennessee bin ich jedes Jahr, bisher aber noch nie in Kalifornien. Obschon mir die Staaten unterhalb der Virgina-Südgrenze, also die «echten» Südstaaten – wie es mir von Einheimischen in Tennessee erklärt wurde –, sehr ans Herz gewachsen sind, ist da etwas an Kalifornien, das für mich ganz schwer zu beschreiben ist. Ich war an vielen Orten. San Diego, Los Angeles, San Francisco, Sacramento. Der Bundesstaat gefällt mir. Es ist wie ein Englisch sprechendes Spanien mit einem Hauch Pariser Flair und europäischen Standards. Die Republik ist unheimlich vielseitig: warme Küsten, verschneite Berge, unendliche Weiden und Wüsten wie in den Emiraten. Auch die Leute sind sehr unterschiedlich. Nur ein wenig mehr als die Hälfte der Kalifornier spricht zuhause englisch. Die anderen Sprachen verteilen sich auf Spanisch, Pazifiksprachen und Sprachen aus Asien. Und obschon Englisch die Amtssprache ist, war es doch eine interessante Erfahrung, in Gebieten zu sein, in denen man ohne Spanisch kaum ein Bier bestellen kann. Zwei Tage nachdem ich Kalifornien verliess, begannen die Brände in Los Angeles. Eine unglaubliche Tragödie und ein komisches Gefühl. Spazierte ich doch gerade durch diese Quartiere, von denen heute nicht einmal mehr Ruinen zu sehen sind. Die folgenden politischen Flächenbrände werden wohl auch nicht lange auf sich warten lassen. Ich schreibe diese Zeilen, während die Gemeindearbeiter die Platanen am Kronenplatz abasten. Es ist friedlich, sie scheinen es lustig zu haben. Ich liebe die Vereinigten Staaten. Die Menschen, die Facetten, viele der Systeme und wie einfach und unkompliziert das Land ist. Aber es ist auch schön, wieder hier zu sein.

Rinaldo Feusi

Redaktionsleiter

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