Richtungswahlen

Peter Buri

Lenzburg ist heuer ein «heisser Herbst» garantiert. Wenn nicht klimatisch, dann sicher politisch. Dafür sorgen die Stadtrats- und vor allem die Ammannwahlen. Stand heute bewerben sich für die fünf Stadtratssitze vier Bisherige (Vizeammann Andreas Schmid, FDP; Sven Ammann, FDP; Barbara Portmann, GLP; Beatrice Taubert, SP). Christina Bachmann-Roth, Die Mitte, und Thomas Schär, SP, treten neu an. Stadtrats- seien in erster Linie Persönlichkeitswahlen, lautet eine allgemeine An- und Einsicht. Heuer dürfte jedoch auch der Aspekt Richtungswahlen eine grosse Rolle spielen. Lenzburg ist in den letzten Jahren, nicht zuletzt durch die zahlreichen Neuzuzüge, immer stärker nach links gerutscht. Das zeigen einschlägige eidgenössische und kantonale Abstimmungen. Nun hat sich auch die GLP-Stadtrats- und Ammannkandidatin, deren Partei neben grün eigentlich auch das Etikett liberal im Namen führt, klar ins linke Lager eingereiht – mit ihrem Schulterschluss mit SP-Vizeammannkandidatin Taubert. Auf der anderen Seite kandidieren Schmid und Bachmann-Roth als Ammann-Vizeammann-Tandem und bilden damit ein bürgerliches Gegengewicht; mit gegenseitiger offizieller Unterstützung, wahrscheinlich sogar unter Einbezug der SVP.

Die Wählerschaft wird also am 28. September bei den Stadtrats- und Ammannwahlen vor allem auch darüber zu befinden haben, ob Lenzburg künftig noch linker regiert werden soll als bisher. Weitere Fragen und Faktoren, die neben der Links-Rechts-Komponente mitentscheidend sein könnten: Wie viele linke Neuzuzüger lassen sich für Lokalwahlen mobilisieren, wenn keine oder nur wenig polarisierende (eidgenössische) Abstimmungen stattfinden? Welche Bisherigen haben in ihren Ressorts die grössten und drängendsten Baustellen beziehungsweise am ehesten freie Kapazitäten, um zusätzliche Ammannfunktionen auszuüben? Ja, und dann halt doch auch die Persönlichkeitsfrage …

Peter Buri, Lenzburg

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