Salzkorn: Ganz nah

Beatrice Strässle
Beatrice Strässle

Es gibt täglich Situationen, da sind mir geliebte Menschen unerwartet in Gedanken ganz nah. Wie gerade heute Abend, als ich mir beim Abwasch ob des heissen Wassers fast die Finger verbrannte. Meine Schwester war plötzlich in meinen Gedanken sehr präsent. Sie, bei welcher der gefriergetrocknete Kaffee immer mit brühend heissem Wasser aus dem extra auf 80 Grad eingestellten Boiler aufgegossen wurde, um keine Zeit zu verlieren. Oder letzte Woche, als ich Tomatenbruschette für die Gäste vorbereitete. Flugs sass ich da in Gedanken bei meiner lieben Freundin Irene im Garten. Dort, wo ich an gemütlichen Grillabenden die für mich besten Bruschette aufgetischt bekam.

In solchen Situationen stehen diese Menschen gefühlt direkt an meiner Seite. Ich kann auch keinen Satz mit «Es ist wieder so weit» beginnen, ohne an meinen früheren Chef zu denken. Diese Einleitung wurde von ihm nicht toleriert. Oft ergibt sich aus diesen Gedanken ein spontaner, meist ziemlich ausufernder Anruf, ein Föteli über Whatsapp oder was auch immer.

Manchmal bleibt es bei der Erinnerung, da diese Person nicht mehr unter uns weilt. «Sigs wis wöll», aber es sind gerade diese Fäden, welche nie abreissen und mich mit der Heimat immer noch tief verbinden. Und vielleicht, weil ich gerade das politische Geschehen auf nationaler wie kommunaler Ebene mitverfolgen will, bleibe ich heimatverbunden.

Da hilft aber kein heisses Wasser oder Tomaten-fein-Schneiden. Da muss ich mich aktiv darum kümmern und informieren. Ob es nun das gescheiterte Rahmenabkommen ist oder die Querelen in Lenzburg über eine mehrtägige Schulreise, welche – immer noch – coronabedingt nicht durchgeführt werden darf. Wobei ich anlässlich der kürzlichen Abstimmung gestehen muss, dass sich beim einen oder anderen Thema der Blickwinkel schon etwas geändert hat.

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