Salzkorn: Eiszeit

Helene Basler
Helene Basler

Eistage kündigt die TV-Wettervorhersage zurzeit an. Im Januar ist das nicht ungewöhnlich. Aber angesichts der Tatsache, dass man covidbedingt die Wohnung öfters gründlich lüften müsse, etwas problematisch. Mein Partner schätzt das gar nicht. Das sei ungemütlich. Er kommentiert den Zustand mit dem Lied: «Es lebt der Eisbär in Sibirien, es lebt in Afrika das Gnu, es lebt der Säufer im Delirium …». Leider hebt sich seine Stimmung auch dann nicht, wenn ich das Lied zu Ende trällere: «In meinem Herzen lebst nur du.»

Gewiss, Lüften bei tiefen Temperaturen ist eine Herausforderung. Genau so wie der Entschluss, aus der wohligen Bettwärme den «Sprung» ins wesentlich kühlere Schlafzimmer zu machen. Nur noch ein letztes Mal sich im Bett drehen. Dann auf drei zählen: Der Geist wäre willig. Doch das Fleisch ist oftmals schwach. Wobei man als Rentner zum Glück nicht mehr derart unter Druck steht wie Berufstätige (mit oder ohne Homeoffice) oder Familienmütter.

Nichts gegen den Winter. Eine tief verschneite Gegend ist schön, ebenso die Möglichkeit, sportlich draussen zu sein. Und doch sehnt man sich langsam nach etwas mehr Wärme. Nicht draussen, aber beim zwischenmenschlichen Kontakt. Man sehnt sich beispielsweise nach einem (wieder erlaubten) Händedruck. Oder einem Gespräch ohne Maske. Es müssen nicht unbedingt die drei obligaten Küsse beim Begrüssen sein; ich habe mich oft gefragt, ob wir Schweizer, sonst eher zurückhaltend, dies nicht übertreiben. Anders als unsere nördlichen Nachbarn: Deutsche beschränken sich auf zwei Küsse. Als unbedarfter Schweizer küsst man dort beim dritten Mal voll ins Leere.

Eiszeiten gehen vorbei. Das war schon seit Jahrtausenden der Fall. Hoffen wir, dass dies auch bei der «covidbedingten Eiszeit» zutrifft. Warten wir auf eine gelegentliche positive «Klimaerwärmung» auf menschlicher Ebene.

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