Salzkorn: Lauter Juni

Kathrin Steinmann
Kathrin Steinmann

Pride-Monat, feministischer Streik – der Juni ist ein lauter, aktiver Monat. Fragen Sie sich manchmal, weshalb schon wieder überall Regenbogenfarben zu sehen sein müssen, weshalb es schon wieder einen Frauenstreik braucht? Haben wir das alles nicht schon zur Genüge gehört?

Dass es für gesellschaftlichen Wandel Hartnäckigkeit braucht, zeigte die Einführung des Frauenstimmrechts deutlich. Es reichte nicht, dass ein paar Frauen höflich um Mitspracherecht gebeten hätten. Vielmehr brauchte es einen jahrzehntelangen Kampf unzähliger Menschen, die unnachgiebig Gleichberechtigung einforderten.

Gerade meine Generation ist wohlbehütet, wenn nicht naiv mit dem Gefühl, in einer idealen Welt zu leben, aufgewachsen. Folge davon sind ein Fokus auf das Individuelle und die Überzeugung, das eigene Leben unabhängig vom Geschehen um sich herum gestalten zu können. Das Bewusstsein für gesellschaftliche und historische Zusammenhänge und dafür, dass ein gleichberechtigtes Zusammenleben keine Selbstverständlichkeit ist, scheint aber wieder zu wachsen. Denn wir sehen, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der für das Bewirtschaften politischer Polemik Behörden bedroht werden, bis sie einen Schulanlass aus Sicherheitsbedenken absagen müssen; in der eine Geschichtenstunde für Kinder, die Geschlechterrollen hinterfragt, unter Polizeischutz stattfinden muss; in der Opfer sexualisierter Gewalt darauf verzichten, Täter anzuzeigen, weil sie befürchten müssen, eher retraumatisiert zu werden, als Recht zu erfahren.

Wollen wir in einer Gesellschaft leben, in der sich alle sicher, ernst genommen und wertgeschätzt fühlen können, dann führt nichts daran vorbei, hartnäckig und laut zu bleiben. Die beschriebenen Vorfälle machen klar, dass Gegenrede notwendig ist, wenn wir eine tolerante, offene, menschenfreundliche Gesellschaft wollen.

Auf einen lauten Juni!

 

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