Bereit für die Winterspiele
Möriken-Wildegg Morgen werden sie feierlich eröffnet – die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo.Mit dabei: die Mörknerin Ramona Härdi. Die Eisschnellläuferin startet auf Platz sechs und will ganz vorne mitmischen.

Als die Bestätigung für die Olympia-Selektion eintraf, war die Freude gross. «Erleichterung und Stolz», sagt Ramona Härdi – zwei Worte, die viel über den Weg erzählen, der sie bis hierhin geführt hat. Dass die 29-jährige Eisschnellläuferin in Mailand/Cortina am Start steht, ist das Resultat einer Saison mit stabilen Leistungen und viel Disziplin. «Ich habe an mich geglaubt und konnte von meinen Erfahrungen der letzten Jahre profitieren. Natürlich hat sich auch das harte Training der letzten Jahre gezeigt.» Besonders prägend bleibt die verpasste Qualifikation für Peking 2022. Der Rückschlag traf sie hart. «Ich war geknickt und am Boden.» Doch aus dieser Enttäuschung ist etwas gewachsen. «Ich habe gelernt, dass der Sport nicht alles ist und ich klare Grenzen ziehen muss zwischen Privatleben und Sport», so Härdi. «Diese Nicht-Qualifikation vor vier Jahren hat mich zu der starken Athletin gemacht, die ich heute bin. Die Qualifikation dieses Mal ist natürlich umso schöner.» Vergleicht sie sich mit der jungen Frau von den Olympischen Spielen in Pyeongchang 2018, wird der Wandel deutlich. «2018 war ich jung und unerfahren, ich hatte keine Ahnung, wer ich bin oder sein wollte. Heute weiss ich, wer ich bin und was ich kann.»
Diese Entwicklung hat auch mit den Rahmenbedingungen ihres Sports zu tun: In der Schweiz gibt es bis heute keine überdachte 400-Meter-Eisbahn, die internationalen Standards entspricht – ein struktureller Nachteil, der den Eisschnelllauf hierzulande kleinhält. Für Ramona Härdi bedeutet das seit Jahren ein Leben zwischen Koffer, Kalender und wechselnden Trainingsorten. Sie folgt dabei einem klaren saisonalen Rhythmus, den das Schweizer Nationalteam vorgibt. Von März bis September nutzt Härdi mit ihren Teamkolleginnen und -kollegen eine Sommerbasis in Geisingen, direkt jenseits der deutschen Grenze. Dort trainiert sie vor allem auf Inline-Skates – eine zentrale Grundlage für Technik, Kraft und Ausdauer. Einen wichtigen Baustein der Vorbereitung legte das Schweizer Team zudem im Sommer in den USA. Sechs Wochen verbrachte es dort, um sich optimal auf die ersten Weltcup-Rennen vorzubereiten. «Kein Aufwand war uns zu gross», sagt Härdi rückblickend. Sobald die Eissaison beginnt, verlegt die Sportlerin ihren Lebensmittelpunkt wieder nach Deutschland: nach Inzell in Oberbayern, einem der grössten Zentren für Eisschnelllauf in Europa. Die Abhängigkeit vom Ausland ist für sie längst Realität. «Solange es in der Schweiz keine 400-Meter-Eishalle gibt, führt für meine Sportart kein Weg am Ausland vorbei», sagt Härdi.
Die Mörknerin reist mit klaren Zielen nach Italien; im Gesamtweltcup des Massenstarts liegt sie aktuell auf Rang sechs. «Ich möchte vorne mitmischen. Rund um Platz sechs möchte ich mitkämpfen.» Gleichzeitig bleibt sie fokussiert. «Mein Anspruch ist, meine Leistung optimal abzurufen und mich auf Höchstleistungen zu pushen.» Mental hat sie gelernt, mit der Härte ihres Sports umzugehen. Denn: Im Eisschnelllauf entscheiden oft Hundertstel über Erfolg oder Ausscheiden. «Ich versuche, mich darauf zu konzentrieren, was ich beeinflussen kann.» Die Angst vor einem frühen Aus kennt sie – lässt sich aber nicht lähmen: «Ich werde alles daran setzen, ganz vorne dabei zu sein.»



