Gut genug für heute

Romi Schmid

Man hört es ja überall: Wir sollen uns optimieren. Körper optimieren, Ernährung optimieren, Zeitmanagement optimieren. Vom perfekt strukturierten Wochenplan bis hin zur atmungsaktiven Trinkflasche, die uns daran erinnert, wann wir Wasser zu uns nehmen sollen – es gibt nichts, was sich nicht noch verbessern liesse.

Ich habe versucht, mitzumachen. Wirklich. Zum Beispiel beim Frühstück: Statt Kaffee und Brot sollte es ein Smoothie aus Avocado, Grünkohl und Dingen, die aussehen wie Moos, sein. «Für mehr Energie!», versprach das Rezept. Das Resultat war, dass ich drei Stunden später beim Bäcker eine grosse Schoggigipfeli-Notbremsung einlegen musste.

Oder beim Thema Achtsamkeit: Statt die Hunderunde einfach nur zu gehen, sollte ich bewusst jeden Schritt spüren, jeden Atemzug wahrnehmen, jeden Grashalm betrachten. Leider waren die Grashalme weniger spannend als der (sehr offensichtliche) Versuch des Hundes, sich in etwas zu wälzen, das schon in der Steinzeit stinkig war.

Auch beim Thema Ordnung wird gern optimiert: Minimalismus heisst das Zauberwort. Zehn Teile im Kleiderschrank! Fünf Spielsachen pro Kind! Ein Gedanke im Kopf! Und dann kommt der Alltag und räumt alles wieder schön durcheinander. Kinder sammeln Steine, Stöcke und leere Schneckenhäuser. Hunde sammeln Matsch. Und Mütter? Sie sammeln Bastelwerke, Brotreste aus Jackentaschen und halbe Gedanken.

Inzwischen habe ich meine persönliche Optimierung gefunden: Ich optimiere meine Erwartungen. Anziehen, essen, rausgehen, überleben. Ohne die Trinkflasche, die piepst. Ohne den Wochenplan, der scheitert. Dafür mit einem echten Lachen über all das, was wieder einmal ganz anders läuft als geplant. Und mit einem Schoggigipfeli in der Hand.

Romi Schmid, Redaktorin

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