À la française

Es gibt Klaviere, und dann gibt es Pleyel-Klaviere. So wie es Wein gibt – und dann Bordeaux. Tasteninstrumente aus dem Hause Pleyel geniessen einen besonderen Ruf, nicht nur weil Chopin ein erklärter Liebhaber der Flügel aus der Manufaktur seines Freundes und Förderers Camille Pleyel war. Legendär ist auch ihr Klang «à la française» ...
Glücklicher Besitzer eines solch erlesenen Instrumentes war der Lenzburger Komponist Peter Mieg. Nach längeren Aufenthalten in Paris kehrt er mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in die Schweiz zurück und mietet gemeinsam mit seinem Vater Arnold Mieg das Parterre und die beiden Mansarden in der Villa Sonnenberg. Im Jahr 1939 erstand Mieg einen Pleyel-Stutzflügel und brachte damit französischen Esprit in die bodenständige Berner Landvilla. Mieg stammt aus einer durch und durch musikbegeisterten und -begabten Familie. Sein Grossvater Hünerwadel spielte im Lenzburger Orchester, in dem zeitweise an die zwanzig Mitglieder Namens Hünerwadel musizierten. Gelernt hat Mieg auf einem deutschen Bechstein und schätzte, dass der französische Pleyel ein viel leichteres Spiel erlaubte. «Auf dem Pleyel habe ich alle meine Kompositionen geschrieben, die ich vor mir gelten lasse.»
Und nun, voilà, ist der Pleyel zurück im Sonnenberg! Dank der Peter-Mieg-Stiftung. Besonders gespannt bin ich auf den legendären Klang «à la française» ... so butterweich wie ein Croissant? Oder eher krachend wie ein knuspriges Baguette? Vielschichtig und komplex wie ein Millefeuille? Farbenprächtig wie Macarons? Klar und elegant wie Champagner? Luftig, leicht und fragil wie ein Soufflé? Beurteilen können wir es noch nicht. Das erste Rendez-vous gehört nämlich dem Stimmer. Und dann sind wir gespannt, welche Klänge unsere künftigen Artists in Residence dem Franzosen entlocken werden – surprises à la Pleyel.
Christine von Arx,
Historikerin