Zigarren: Handwerkskunst auf vielen Ebenen

Genuss Daniel Guerrero ist ein Master-Blender, ein Fachmann für die Kreation verschiedener Zigarrenkompositionen. Am Donnerstagbend stellte der Spanier aus Barcelona seine Firma und auch einige seiner Zigarren in der Lenzburger Artcibar vor.

In der stilvollen Artcibar in der Lenzburger Altstadt stiegen am Donnerstagabend aromatische Qualmwolken auf. Genussvoll rauchten die Besuchenden die soeben von Daniel Guerrero ausgegebenen Zigarren mit dem Namen «Mare Nostrum». «Sehr fein und kraftvoll», stellte einer der Anwesenden zufrieden fest.

Begleitet von Carlos Andrés, Inhaber des Zigarrenimports Cigarmundi, berichtete Guerrero, wie er zu seiner Profession fand, und gab zudem Einblicke in sein Unternehmen – seine Fabrik befindet sich in Nicaragua. «Dort wächst eine Vielzahl interessanter Tabaksorten», so der Master-Blender. Ecuador sei bekannt für die Produktion sehr guter Zigarrendeckblätter. Er fügte hinzu: «Leider ist es aktuell ein besonders unsicheres Land, deswegen weichen inzwischen viele Hersteller auf andere Länder wie Brasilien aus.» Bei der Suche nach der idealen Sorte könne es durchaus passieren, anderen Produzenten zu begegnen. «Der Standardsatz lautet dann ‹Oh, ich bin nur in den Ferien hier›», sagte Guerrero lachend.

Die Artcibar war der perfekte Ort für die Vorstellung des Master-Blenders. Mitinhaberin Susi Schild empfing die Gäste mit Herzlichkeit. Nicht ohne Stolz sagte sie: «Die Bar gibt es nun seit 26 Jahren. Sie war damals die erste, die vom Jazzmusiker und Zigarrenkomponisten Avo Uvezian eröffnet wurde, damals war der Inhaber Otto Fischer.» Im hinteren Teil des Lokals wartet ein grosser Humidor, ein extra klimatisierter Raum, mit einer grossen Auswahl Zigarren auf.

Alles in Handarbeit

Die Begeisterung und das Interesse am Tabak begleiten Daniel Guerrero schon seit seiner Kindheit: «Mein Vater hatte mehrere Geschäfte in Spanien und importierte Tabak von den Kanarischen Inseln.» So sei sein Interesse an Zigarren geweckt worden und mit der Zeit das Geschick, selbst interessante Tabakmischungen zu kreieren. «Seit zwölf Jahren habe ich eine eigene Marke», erläutert Guerrero seinen Werdegang. Da seine Produkte eher auf Europa abgestimmt seien, habe das Unternehmen den Namen «El viejo Continente» erhalten, also «Der alte Kontinent». Der Master-Blender führte aus, dass Konsumenten in den USA sehr kraftvolle Zigarren bevorzugen würden, hingegen in Europa aromatische favorisiert werden. Weiter teilte er mit: «Von der Pflanze bis zur Zigarre vergeht mindestens eine Zeit von zwei Jahren.» Tabakblätter werden dabei nicht nur getrocknet, sondern danach über mehrere Monate fermentiert, um die Aromen zu konzentrieren.» Gern gewährte er den interessierten Gästen mittels Videos und Fotos auf seinem Smartphone Einblicke in die unterschiedlichen Bereiche der Manufaktur: Zu sehen sind etwa Mitarbeitende, welche aus den Tabakblättern geschickt die Zigarren rollen. «Es gibt Angestellte, die nur für die Deckblätter zuständig sind, und andere, die den Mittelteil rollen», erfuhren die Besucherinnen und Besucher später. Dazu verriet Carlos Andres mit einem Augenzwinkern: «Für die Linie Circus hat Daniel oft ganz verrückte Ideen wie unterschiedlich gefärbte Deckblätter.» Das sei übrigens der Moment, wo sich die Zuständigen für Deckblätter gern verstecken.

Einer der Besucher fragte gespannt nach, wie lange es dauere, eine neue Linie auf den Markt zu bringen. Der Master-Blender antwortete: «Es ist zeitintensiv, dafür werden verschiedene Tabaksorten aus unterschiedlichen Jahrgängen geblendet – danach folgt die Feinabstimmung mit immer weiteren Anpassungen. Das kann bis zu einem Jahr dauern.» Deswegen sei es für die Herstellung wichtig, lange Lagerkapazitäten zu haben.

In Daniel Guerreros Manufaktur werden pro Jahr um die zwei Millionen Zigarren hergestellt: «Alles in Handarbeit, unsere Zigarren sind rundum ein Naturprodukt.» Selbst die Kiste für die «Mare Nostrum»-Linie sei handbemalt. So viel Handwerkskunst auf unterschiedlichen Ebenen beeindruckte die Zuhörenden, ehrfürchtig blickten einige der Raucher auf ihre Zigarren.

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