Schatzkammer: Waldhärdöpfel

Wurden lange Zeit auch im Lenzburger Wald gepflanzt: Kartoffeln. Foto: zvg/Museum Burghalde
Wurden lange Zeit auch im Lenzburger Wald gepflanzt: Kartoffeln. Foto: zvg/Museum Burghalde

Wer mag sie nicht in irgendeiner Form: Geschwellt, gebraten, gratiniert, gebacken, zu Stock gematscht, frittiert oder als Rösti sind Kartoffeln von unserem Speisezettel nicht mehr wegzudenken.

48 Kilogramm spachteln Herr und Frau Schweizer im Durchschnitt pro Jahr. Die Begeisterung für die Pflanze hat Tradition: Seit zwei Jahrhunderten ist sie hierzulande ein wichtiges Grundnahrungsmittel.

Abhängigkeit mit Folgen

Die leckere Knolle war anfänglich vor allem günstige Kost für die schnell wachsende Bevölkerung. Doch die grosse Abhängigkeit von der Kartoffel führte bald zum «Knollenrisiko». Die Kartoffelfäule sorgte im 19. Jahrhundert für gewaltige Ernteausfälle. Dass es zu keinen Hungersnöten wie in Irland kam, war unter anderem dem «Waldfeldbau» zu verdanken.

Der Lenzburger Stadtförster Walo von Greyerz (1815–1904), bereits in der Januarausgabe dieser Kolumne mit dem «Lenzburger Gold» zu Ehren gekommen, spielte auch hier eine aktive Rolle: Den Platz zwischen in Reih und Glied gepflanzten Bäumen überliess er der Bevölkerung als Pflanzfläche. So wuchsen in den 1860er-Jahren in Lenzburgs Wäldern um die 230 Tonnen Kartoffeln – pro Jahr.

Eine Win-win-Strategie für Förster und Gesellschaft

Der Förster rieb sich die Hände. Denn für die Wald-Ackerflächen kassierte er einen Pachtzins. Zudem war er überzeugt, dass das Behacken des Bodens das Wachstum seiner Bäume förderte. Noch viel wichtiger war ihm aber, dass die Leute eine Gelegenheit hatten, Kartoffeln oder auch Roggen und Emmer zu pflanzen.

Der Waldfeldbau trug so wesentlich zur Bekämpfung von Armut und Hunger bei. Um 1900 verschwand der Feldbau allmählich aus den Aargauer Wäldern; zu gross waren seine negativen Auswirkungen auf das Wachstum der Bäume.

Mit dem Verein Solidarische Landwirtschaft Lenzburg stellt das Museum Burghalde den Waldfeldbau am Originalschauplatz nach. Helfen Sie mit und ernten Sie als Lohn im Sommer Ihre eigenen Waldkartoffeln. Info und Anmeldung: jonas.nyffeler@lenzburg.ch.

«Schatzkammer». Hier stellen Mitarbeitende des Museum Burghalde Lenzburg jeweils in der ersten Ausgabe des Monats spannende Geschichten und originelle Fundstücke vor.

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