Rechenschwäche bei Kindern frühzeitig behandeln

Bildung Eine Rechenschwäche bei Kindern bleibt oft zu lange unerkannt. Dabei könnte eine frühzeitige Abklärung den Betroffenen grosse Hilfe leisten.

Barbara Gasser in ihrer Praxis.Foto: Andreas Walker
Barbara Gasser in ihrer Praxis.Foto: Andreas Walker

Statistisch gesehen haben etwa 5 Prozent der Menschen eine starke Rechenschwäche (Dyskalkulie). Dies ist eine spezifische Lernschwäche, die das Verständnis für Zahlen, Mengen und mathematische Operationen beeinträchtigt. Sie hat nichts mit Intelligenz zu tun und ihre Ursachen sind vielfältig. Betroffene haben Schwierigkeiten beim Rechnen, Schätzen und im Umgang mit Geld oder Uhrzeiten, was eine frühzeitige Diagnostik erfordert.

Die Lehrmittel sind jedoch nicht für rechenschwache Kinder aufgebaut und ein erfolgreicher Lernprozess wird verhindert. Zwar wird Mathematik integrativ durch die schulische Heilpädagogik gefördert, meist in Gruppen und im Kontext zum Lehrplan. Trotzdem kann dadurch eine Rechenschwäche nicht abgefangen werden, sondern wird so lange mitgeschleppt, bis es nicht mehr geht.

Barbara Gasser ist Lehrerin, ausgebildete Dyskalkulietherapeutin und führt eine Praxis für Rechenschwäche und Craniosacral-Therapie in Lenzburg. Sie weiss, wovon sie spricht: «Da die Ressourcen in der Schule immer knapper werden, existiert in Schulen leider nur vereinzelt ein kostenloses Angebot für eine Dyskalkulietherapie. Oft müssen die Eltern selber für die Therapie aufkommen und warten deshalb viel zu lange, bis sie Hilfe suchen. Ideal wäre es, möglichst früh in der 2. Klasse, spätestens 3. Klasse eine Abklärung in Angriff zu nehmen, denn ab Mitte der 1. Klasse kann eine Rechenschwäche mittels Diagnostik bereits erkannt werden.»

Abklärung wirkt sich positiv auf die Zukunft aus

Bei einer Abklärung, ob eine Rechenschwäche vorliegt, wird zuerst ein Vorgespräch geführt, um die schulischen Leistungen und ihre Entwicklung abzuschätzen. Mit einem standardisierten und einem qualitativen Test können schliesslich klare Ergebnisse evaluiert werden. Im Schlussgespräch wird beleuchtet, wie man weiter vorgehen soll. Eine Abklärung, ob bei einem Kind eine Rechenschwäche vorliegt, lohnt sich, denn Betroffene werden im Unterricht immer frustrierter, bis sie völlig das Interesse daran verlieren. Barbara Gasser weiss: «Wird eine Rechenschwäche nicht erkannt, bleiben die Kinder im Unterricht immer mehr zurück, verlieren ihr Selbstvertrauen und haben es in ihrer schulischen Laufbahn und später im Berufsleben schwerer. Studien zeigen, dass bei solchen Menschen die Gefahr einer Arbeitslosigkeit deutlich höher ist.» Wie bei einer Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Schwäche), die man ebenfalls behandeln kann, sollten deshalb Kinder mit einer Rechenschwäche früh erkannt und entsprechend gefördert werden.

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