Seon will über 10 Millionen Franken investieren
Seon Ein neues Schulhaus, mehr Personal und die Frage nach den künftigen Kosten: Am Politapéro in Seon stellte der Gemeinderat seine Pläne vor.

In den vergangenen zehn Jahren konnte die Gemeinde Seon ein Wachstum von etwa 15 Prozent verbuchen. Doch wo mehr Menschen leben, wird mehr Infrastruktur benötigt. Aus diesem Grund präsentierte der Gemeinderat am Politapéro in der vergangenen Woche einige Anträge, von denen er sich die Zustimmung der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger wünscht. Diese liessen den Gemeinderat aber spüren, dass sie nicht mit allen Plänen einverstanden waren.
Ständig präsent an den Gemeindeversammlungen und den Politapéros in den vergangenen Jahren ist die Schulraumplanung der Gemeinde. «Die Entwicklung der Schülerzahlen sowie steigende Anforderungen an Schule, Tagesstruktur, Kindergarten und Betreuung führen dazu, dass der bestehende Schulraum und die Infrastruktur mittel- und langfristig an ihre Kapazitätsgrenzen stossen», sagte die zuständige Gemeinderätin Christine Iten. Die Gemeinde benötigt neue Schul- und Fachräume, einen weiteren Doppelkindergarten und einen Platz für die Tagesstruktur. Diese drei Bauaufgaben möchte der Gemeinderat in einem Gebäude vereinen, da das wirtschaftlicher sei als drei Einzelbauten. Geplant ist das Hertimatt 4 auf der noch freien Parzelle neben dem Friedhof. Diese ist im Besitz der Gemeinde und zonenkonform. «Ein weiterer Vorteil ist die Nähe zu den anderen Schulgebäuden, den Turnhallen und dem Sportplatz», sagte Iten. Mit dem Projekt möchte man möglichst viele nutzbare Räume schaffen, die hoch ausgelastet werden können.
Planungskredit von 600000 Franken für ein neues Schulhaus
Die Gemeinde hat zwischenzeitlich eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Das Resultat: Benötigt wird eine Geschossfläche von rund 3000 Quadratmetern. Die geschätzten Kosten für das Grossprojekt belaufen sich auf 12,18 Millionen Franken. «Das sind aber noch keine fixen Zahlen», ermahnte Iten die Anwesenden. Eine Zahl, die derweil schon klar ist, ist der Planungskredit von 600000 Franken, über den die Gemeinde am 19. November entscheiden wird.
Ein Votant sagte, der Bau eines neuen Schulhauses stehe für ihn nicht zur Diskussion. Er hinterfragte aber, was mit den Turnhallen sei, die heute schon an ihre Kapazitätsgrenzen stiessen. Der Gemeinderat habe sich auf den Kindergarten fokussiert, antwortete Iten. Eine neue Turnhalle sei in den nächsten zwei Jahren nicht nötig. Als ein weiterer Votant monierte, dass die Turnhallen für Vereine stets besetzt seien, schaltete sich die Leiterin der Seoner Oberstufe, Patricia Frey, ein. «Der Spielraum, der momentan noch besteht, kommt vom freien Nachmittag, den wir in Seon immer noch haben», erklärte sie. Dieser könne aber gestrichen werden. Die Schülerinnen und Schüler hätten nach wie vor noch einen Nachmittag in der Woche frei, aber nicht mehr den Mittwoch. «Für die Vereine ändert das natürlich nichts», fügte sie an.
Ein weiterer Votant erklärte, er könne dem Kredit erst zustimmen, wenn er wisse, was mit dem Seetalschulhaus passiere. Christine Iten erklärte, dieses Thema werde vom Gemeinderat an einer Klausur Ende Oktober behandelt. Dabei gehe es aber nicht nur um das Schulhaus, sondern auch um die Parzelle, die heute noch von der Feuerwehr genutzt werde. Gemeindeammann Peter Siegenthaler fügte an: «Ein Schulhaus wird aus dem Seetalschulhaus nicht mehr werden, selbst wenn es aktuell provisorisch so genutzt wird.» Grund dafür sei die falsche Zone, in der es liege. Ein weiterer Votant sah eine Erhöhung des Steuerfusses am Horizont. «Ich fürchte hier eine Salamitaktik. Zuerst das neue Schulhaus, dann geht es um eine neue Turnhalle, und am Schluss geht der Steuerfuss hoch.» Eine Steuerfusserhöhung steht derweil in diesem Jahr sicher nicht an. Das Budget schliesst zwar mit einem Aufwandüberschuss von 900 000 Franken: «Wir sind jedoch überzeugt davon, für das Jahr 2027 mit einem verkraftbaren Aufwandüberschuss starten zu dürfen», sagte der zuständige Gemeinderat Markus Rihner. Die Gemeinde Seon habe ein hohes Eigenkapital zur Verfügung, deshalb könnten solche Überschüsse getragen werden. Eine Steuerfussanpassung sei im aktuellen Finanzplan nicht vorgesehen.
Gemeinde braucht mehr Mitarbeitende
Zu diskutieren gab zudem ein neuer Stellenplan, den die Gemeindeversammlung bewilligen soll. Die letzte Erhöhung wurde im November 2024 genehmigt. Damals ging es um 4202 Stellenprozent inklusive eines Handlungsspielraums von 10 Prozent. An der diesjährigen Wintergmeind stimmen die Anwesenden über einen neuen Stellenplan von 4873 Stellenprozent inklusive des Handlungsspielraums von 10 Prozent ab. Vorgesehen ist also, den Stellenplan um rund 16 Prozent zu erhöhen.
«Der jetzige Stellenplan ist inklusive des Handlungsspielraums ausgeschöpft», erklärte die zuständige Gemeinderätin Andrea Callegher. Die erneute Aufstockung sei unter anderem nötig, weil die Gemeinde Seon je länger, je mehr eine regionale Zentrumsgemeinde werde, die für umliegende Nachbargemeinden Verwaltungsaufgaben übernehme. «Die Stellenprozente sind bei uns im Stellenplan eingerechnet und werden anschliessend an die Vertragsgemeinden weiterverrechnet», so Callegher.
Geplant ist unter anderem die Aufstockung der Schulsozialarbeit um 50 Prozent, eine neue Stelle für die Abteilung Plan und Bau von 90 Prozent und eine Informatikstelle von 100 Prozent für den Betrieb und die Cybersicherheit der Gemeindeverwaltung und der Schule.
Ein Votant hinterfragte den finanziellen Aufwand bei dieser Aufstockung. «Das können wir noch nicht genau sagen, da wir die Löhne der einzelnen Personen noch nicht wissen», sagte die Gemeinderätin. Freie Hand habe der Gemeinderat bei der Bestimmung des Lohnes jedoch nicht, fügte sie an. Die Lohnbänder für die verschiedenen Stellen seien im Personalreglement vorgegeben.
Ganz zufriedenstellen konnte Callegher den Votanten damit nicht. Er bezeichnete die 4873 Prozent als einen «theoretischen Wert, der dem Bürger nichts sagt». Ein weiterer Votant machte sich Sorgen um die künftigen Platzverhältnisse. «Heute haben wir genug Platz», sagte Callegher. Das liege auch an den zusätzlichen Flächen beim Hallenbad Seon, die genutzt werden könnten. Wie die Bevölkerung zum neuen Stellenplan und zum Planungskredit fürs Schulhaus steht, zeigt sich an der Wintergmeind vom 19. November.



