Klein, aber «oho»: Microcar-Jubiläumstreffen am Hallwilersee

Meisterschwanden Meisterschwanden wird vom 1. bis 3. Mai zum Treffpunkt der wohl charmantesten Fahrzeuge: der Microcars. Sie kehren dahin zurück, wo 1976 alles begann. Eine seltene Gelegenheit, die Kabinenroller zu bestaunen, von denen weltweit nur noch wenige Exemplare existieren.

Es grüsst: Microcar-Pilot Peter Fitze mit seiner türkisen BMW Isetta.Foto: zvg

Es grüsst: Microcar-Pilot Peter Fitze mit seiner türkisen BMW Isetta.Foto: zvg

Gut besucht: Das Fahrerlager mit den beliebten Vehikeln.Foto: zvg

Gut besucht: Das Fahrerlager mit den beliebten Vehikeln.Foto: zvg

Als 1976 das erste Microcar‑Treffen in Meisterschwanden beim «Delphin» stattfand, fuhren Golf GTI und Renault 5 gerade in die Herzen der Autowelt, Schlaghosen waren trendy und ABBA’s Hits «Dancing Queen» und «Money, Money, Money» tönten aus vielen Autoradios. Während der Trend Richtung grösseren, stärkeren und moderneren Fahrzeugen ging, trafen sich am Hallwilersee rund 30 Enthusiasten, die das genaue Gegenteil feierten: die kleinen, charmanten Überlebenden einer fast verschwundenen Fahrzeuggattung – die Microcars.

Seit dem ersten Treffen sind fünf Jahrzehnte vergangen – und mit ihnen zahllose Modetrends. Die Schlaghosen verschwanden, tauchten wieder auf und feiern heute bei der jungen Generation ihr Comeback. Die Microcars hingegen sind ihrer Faszination stets treu geblieben. Der Vergleich ist alt, aber er stimmt noch immer: Steht ein Supersportwagen neben einem Microcar, wandern die Blicke meist zum unscheinbaren Winzling. So selten sieht man sie – und gerade deshalb ziehen sie alle Aufmerksamkeit auf sich.

Der Mann, der die Microcars zusammenhält

Einer, der schon 1976 beim ersten Treffen am Hallwilersee dabei war, ist Bernhard Taeschler: Gründer und bis heute Zugpferd. Auch zum 50‑Jahr‑Jubiläum zieht er gemeinsam mit seinem seit Jahrzehnten beinahe unveränderten, perfekt eingespielten Team die Fäden. «Die Liebe und die Sympathie zu den Zwergenautos und ihrer Geschichte sind ungebrochen» sagt Taeschler.

Die Nachfrage nach dem Treffen ist unverändert: Bereits im Oktober war das Teilnehmerfeld komplett ausgebucht. Über 120 Microcars sind gemeldet – eine beeindruckende Vielfalt winziger farbiger Fahrzeuge aus allen Epochen und Ländern. Vertreten sind Rollermobile von über 30 Marken, von Autobianchi über Messerschmitt bis Zündapp. Die Fans dürfen sich auf eine einmalig grosse Auswahl an seltenen Fahrzeugen freuen.

Die Entstehung der Microcars: Mobilität aus der Not

«Money, Money, Money» war nicht nur 1976 bei den steigenden Ölpreisen ein grosses Thema, sondern bereits in der Nachkriegszeit. Nach 1945 entstanden Microcars aus purer Not: Rohstoffe, Geld, Benzin – es fehlte an vielem. Sparsame, leichte und günstige Fahrzeuge waren gefragt. Viele Menschen, darunter Tausende von Kriegsversehrten, konnten nach dem Krieg kein normales Auto fahren und sich leisten. Kabinenroller waren eine erschwingliche Lösung. Zudem förderten Regierungen in Europa kleine Motorenklassen, was die Entwicklung der Kleinstwagen zusätzlich beschleunigte. Und für gewisse Rollermobile brauchte es nicht einmal einen Führerschein. Dass in der Schweiz so viele Microcars überlebt haben, ist kein Zufall. Die Eidgenossenschaft diente jahrzehntelang als Testmarkt für Hersteller aus aller Welt – auch dank des Genfer Autosalons. So fand eine bunte Auswahl an Kleinstmobilen ihren Weg in die Schweiz, bevor diese in den 1960er-Jahren weitgehend aus dem Strassenbild verschwanden oder bestenfalls noch Studierenden als günstiger fahrbarer Untersatz dienten.

Eine Szene mit Herz

Dass Microcars Herzen erobern können, zeigt auch eine persönliche Anekdote aus der Szene: Bereits 1972 wechselte ein durchaus fahrbarer Messerschmitt KR200 in St. Gallen den Besitzer – inseriert am Anschlagbrett der Migros für 260 Franken und damals gar als «Versehrtenfahrzeug» bezeichnet. Solche Geschichten sind typisch für die Microcar-Welt, in der Enthusiasten seit Jahrzehnten mit Leidenschaft, Humor und viel handwerklichem Geschick die Winzlinge am Leben erhalten.

Das gesamte 13. Microcar-Treffen ist als Freilichtmuseum öffentlich zugänglich – und der Eintritt ist gratis. Besucherinnen und Besucher können sich auf einzigartige Fahrzeuge, viel Fachwissen und eine Szene freuen, die ihre Leidenschaft mit spürbarem Enthusiasmus lebt. Wo sonst zeigen sich über 120 dieser mittlerweile grösstenteils aus dem Strassenbild verschwundenen Fahrzeuge auf einmal? (pd)

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