Hin und Her um das alte Seetalschulhaus
Seon Am Politapéro verkündete der Gemeinderat, dass das Seetalschulhaus mittelfristig als Schulprovisorium genutzt wird. Doch wieso nicht länger?

Seit 1841 steht das Seetalschulhaus an der gleichnamigen Strasse in Seon. Seit gut zehn Jahren ist es in dem mehrstöckigen Gebäude, das unter kommunalem Substanzschutz steht, mehrheitlich still. Der Dornröschenschlaf wurde nur durch den örtlichen Tischtennisverein und eine Zwischennutzung während der Renovation und der Aufstockung des Schulhauses Hertimatt 1 unterbrochen. Nun soll im Seetalschulhaus aber wieder Leben einkehren, zumindest für die nächsten drei bis vier Jahre. Am Politapéro legte der Gemeinderat seine Pläne vor. So wird das Seetalschulhaus mittels eines Notkredites wieder so weit in Stand gesetzt werden, dass es von Tagesstruktur und Kindergarten genutzt werden kann. Die Kosten für die Arbeiten und die Einrichtung belaufen sich auf 280000 Franken. Die Arbeiten sollen spätestens Mitte Juli stattfinden, damit die Räumlichkeiten für das neue Schuljahr bereitstehen.
Die Reaktionen der Anwesenden auf diese Verkündigung waren gemischt. Hinterfragt wurde nicht die Nutzung des Schulhauses, sondern der Kurswechsel des Gemeinderates. So fragte ein Anwesender: «Das Seetalschulhaus wurde eigentlich zum Abschuss freigegeben, es sollte verkauft werden. Was ist passiert, dass es jetzt doch wieder genutzt wird?» Gemeindeammann Peter Siegenthaler antwortete darauf, dass man sich auf öffentliche Prognosen verlassen habe betreffend sinkender Schülerinnenzahlen.
Für das Seetalschulhaus gab es in den vergangenen Jahren tatsächlich schon einige Pläne. An der Wintergmeind 2024 wurde ein Kredit für eine Machbarkeitsstudie abgelehnt, um das Schulhaus für die Verwaltung umzunutzen. An der darauffolgenden Gmeind lehnten es die Stimmberechtigten ab, das Schulhaus zu veräussern. Zu viele Emotionen steckten in dem Gebäude, in dem Generationen die Unterstufe besuchten. Nun folgt die zweite Zwischennutzung und damit auch die Frage, wieso das Seetalschulhaus nicht dauerhaft genutzt wird. Die Gemeinde benötigt Schulraum. Gemäss Gemeinderätin Christine Iten sind in den kommenden beiden Jahren acht Millionen Franken dafür eingeplant. Gemäss Ammann Peter Siegenthaler gibt es mehrere Gründe, wieso sich das Seetalschulhaus nicht wieder als langjähriger Schulraum eignen kann. Zum einen geht es um die Bau- und Nutzungsordnung BNO. «Das Gebäude liegt nicht in einer Zone für öffentliche Bauten und Anlagen. Eine schulische Nutzung ist daher nicht zonenkonform.» Für eine definitive Umnutzung müsste die Gemeinde also umzonen. «Dazu wäre ein langwieriges und umfangreiches planungsrechtliches Verfahren erforderlich.» Und zum anderen: Das Areal befindet sich im Entwicklungsrichtplan Mitteldorf. «Das beeinflusst die künftige Gesamtentwicklung noch weiter», so Siegenthaler. «Erschwerend kommt hinzu, dass auf dem benachbarten Areal ein Wohnbauprojekt realisiert wird. Die Nähe zwischen Wohnnutzung und Schulbetrieb birgt potenzielle Nutzungskonflikte, insbesondere hinsichtlich Lärm und Aussenraumnutzung.»
Doch eine mögliche Teilrevision der BNO ist nicht das einzige Problem gemäss dem Ammann. «Praktisch sämtliche Bauteile müssten baulich, technisch und energetisch erneuert oder angepasst werden. Eine reine Teilsanierung ist aufgrund des baulichen Zustands sowie der heutigen technischen und betrieblichen Anforderungen nicht möglich. Es handelt sich damit klar um eine vollständige Gesamterneuerung, bei der keine kostengünstigen oder punktuellen Eingriffe realisierbar sind.»
Die Investitionskosten werden gemäss Gemeinderat auf rund 10 bis 15 Millionen Franken geschätzt. «Zusätzlich fallen weitere Kosten im Zusammenhang mit Erschliessung oder Parkierung sowie denkmalpflegerischen Anforderungen an», so Siegenthaler. Für das Gebiet vom Schulhaus und dem frei werdenden Feuerwehrmagazin hat der Gemeinderat andere Pläne. «Eine gesamtheitliche Entwicklung oder eine allfällige Veräusserung bietet deutlich grössere wirtschaftliche Perspektiven als eine Investition in eine schulische Nutzung an diesem Standort», so der Gemeindeammann.



