Fuss gefasst in Seengen nach Flucht zu Fuss aus Afghanistan

Seengen Der damals 15-jährige Jugendliche Jawid Waly Zadeh kannte in seinem Heimatland Afghanistan weitgehend nur Armut, kaum Freiheiten, Bildungsmöglichkeiten und wirtschaftliche Perspektiven. Er plante, nach Europa zu flüchten. Der Geflüchtete fühlt sich nach all den Erfahrungen und Strapazen in Seengen daheim.

Ein neues Leben für Jawid Waly Zadeh.Foto: zvg

Ein neues Leben für Jawid Waly Zadeh.Foto: zvg

Verhör mit unbekannten Folgen: Jawid (links) auf einem Polizeiposten in Serbien.Foto: zvg

Verhör mit unbekannten Folgen: Jawid (links) auf einem Polizeiposten in Serbien.Foto: zvg

Jawid Waly Zadeh, 1997 in Afghanistan geboren, hätte sich ein Leben unter einem allfälligen Taliban-Regime nicht vorstellen können. Er beschloss, Afghanistan zu verlassen. Sein Glaube, ein demokratisch geführtes Land in Europa zu finden, war stärker als die Strapazen, die er auf der Flucht wohl würde bewältigen müssen. Jawid konnte sich nicht mit einer innigen, herzzerreissenden Umarmung von seinen Eltern und seinen Geschwistern verabschieden.

Allesamt waren sie mit den Fluchtplänen von Jawid nicht einverstanden. Auf den 15-jährigen Sohn und Bruder wartete ein Abenteuer sondergleichen. Sein anfänglicher Fluchtweg führte durch Pakistan, Iran und die Türkei nach Bulgarien. An der Staatsgrenze zu Bulgarien galt es, auf dem Fluchtweg eine rund vier Meter hohe Mauer zu überwinden, bekleidet mit Stacheldraht und oben mit Stacheldrahtrollen bestückt. Jawid zeigt seine vernarbten Hände und Arme und erklärt: «Viele Flüchtende haben sich am perfid gestalteten Hindernis brutal verletzt.»

Laufend waren Strapazen zu meistern

Immer wieder wurde der junge Flüchtling, der keine Papiere besass, von der Polizei aufgegriffen, befragt und schliesslich wieder freigelassen. In der Türkei arbeitete Jawid auf verschiedenen Baustellen, teilweise korrekt entlöhnt, oft aber lieblos ohne Lohn fortgejagt. Er floh weiter nach Serbien. Durchnässte Schuhe sowie Socken führten auf der Flucht zu zerschundenen Füssen und aufgeschwollenen Beinen. Eine Unterkunft fand er keine in Serbien. Er musste auf seiner weiteren Flucht oft im Wald übernachten und sich mit Schnee als Nahrung begnügen. Die wenigen Essensvorräte teilte er mit anderen. Mit Glück kam er durch Ungarn. Nach Monaten erreichte er erleichtert den Bahnhof Wien. Mit dem Zug fand er 2015 quer durch Österreich den Weg ins schweizerische Bundesasylzentrum Buchs SG.

Bereits als Fachmann Gesundheit ausgebildet

Erst wurde er der Stadt Aarau zugeteilt, später den Gemeinden Menziken und Seengen. Die Zivilschutzanlage Seengen musste er mit 19 Asylsuchenden teilen. Die Asylsuchenden empfanden den Raum unter dem Feuerwehrlokal als kaum lüftbar und zu eng. Nach einem Gespräch mit der Gemeinde und der Reformierten Kirchgemeinde durfte Jawid zu sechst eine 3-Zimmer-Wohnung beziehen und die Kantonale Schule für Berufsbildung in Aarau mit verschiedenen Fächern besuchen. Er schloss bereits erfolgreich die Ausbildung als Assistent «Gesundheit und Soziales» ab sowie die Ausbildung als Fachmann Gesundheit. Der Jugendliche, nunmehr 28 Jahre alt, wohnt derzeit immer noch in Seengen, ist angestellt im bekannten Wohn- und Pflegezentrum Tertianum in Lenzburg und steht finanziell auf eigenen Füssen. Er will dem Gesundheitswesen treu bleiben und sich gezielt weiterbilden.

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