Ein Tauziehen um die Komplettsanierung: Sommergmeind legitimiert das Grossprojekt

Birrwil 8 Traktanden und 14 Abstimmungen. Die Birrwiler sagen «Ja» zur Gebäudesanierung von 5,1 Mio. Franken.

Das Mehrzweckgebäude wird komplett saniert. Nach langem Hin und Her entschied sich die Gemeinde für den Kredit.Foto: zvg
Das Mehrzweckgebäude wird komplett saniert. Nach langem Hin und Her entschied sich die Gemeinde für den Kredit.Foto: zvg

Etwas verdutzt schauten die Birrwiler beim Traktandum 4 auf ihre Unterlagen. Stand doch da ein anderer Antrag als in der Präsentation. Doch der Reihe nach: Beim Geschäft 4 ging es um die Komplettsanierung des Mehrzweckgebäudes. Diese sei dringend, erklärte Gemeinderat Stephan Läuchli: «Auf der Toilette fallen schon die Plättli von den Wänden.» Das war nicht metaphorisch gemeint. Nach der Diagnose zur Bausubstanz erarbeitete der Gemeinderat mit den Nutzern und der Baureag Architekten AG drei Szenarien: «Mini», «Midi» und «Max». Nachdem am Informationsabend Stimmen für einen Neubau laut wurden, erarbeitete der Gemeinderat eine abgeänderte Vorlage über 4,9 Mio. Franken mit einigen Abstrichen. Diese erhielt den Namen «Optima». Dass man Anträge auch abändern kann, ermunterte die Anwesenden zu eigenen Vorstössen. So entstanden neben einem chancenlosen Rückweisungsantrag auch zwei Änderungsanträge. Nun hatte man also vier Vorlagen.

Zunächst wurde die Rückweisung grossmehrheitlich abgelehnt. Anschliessend wurden der ursprüngliche Antrag und die beiden Änderungsanträge gegeneinandergestellt. Die Variante mit den meisten Stimmen sollte es dann zur Schlussabstimmung schaffen. «Optima» für 4,9 Mio. Franken bekam 39 Stimmen. Eine Variante für 5 Mio. Franken bekam 14. «Max» schaffte es auf 44. Somit schied ein Änderungsantrag aus. Jetzt hiess es «Optima» gegen «Max». Hier obsiegte mit 49 gegen 48 Stimmen «Max», also die Ursprungsvariante. Es folgte die Schlussabstimmung über die bereinigte Vorlage – unterstützt auch von den Gemeinderäten. Der Kredit von 5,1 Mio. Franken wurde gesprochen. «Jetzt bin ich ein wenig müde», meinte Stephan Läuchli im Anschluss und erntete zustimmendes Lachen und Applaus.

Mit dem Dach rückte gleich das nächste Thema in den Fokus. Geht es nach dem Gemeinderat, muss noch eine Photovoltaikanlage darauf. Die heutige Dachfläche beträgt 648 Quadratmeter. Somit ist eine PV-Anlage bei einer Sanierung optional. Der Gemeinderat wünscht sie jedoch und erachtet sie energetisch als sinnvoll. Hier war sich der Saal aber von Anfang an einig und der Vorstoss wurde grossmehrheitlich angenommen. Die Gemeinde budgetiert 100000 Franken für die Anlage. Davon werden aber rund 23000 Franken rückvergütet.

Die Akte «Mehrzweckgebäude» war damit aber nicht abgeschlossen. Da dieses auch von der Feuerwehr genutzt wird, wird in absehbarer Zukunft wohl noch ein weiteres Grossprojekt auf die Gemeinde zukommen. Das bestehende Tanklöschfahrzeug muss zukünftig ersetzt werden. Da die momentane Sonderanfertigung nicht mehr produziert wird, wird auch das Magazin für das neue Fahrzeug zu klein sein. Somit wird früher oder später auch über ein neues TLF und einen neuen Vorbau am Mehrzweckgebäude entschieden werden müssen. Der neue Vorbau dürfte gegen 800000 Franken kosten. Gemäss Feuerwehr habe das TLF aber noch eine Nutzungsdauer von etwa 5 Jahren. Somit wird das Geschäft die Birrwiler erst später beschäftigen.

Finanzen erlauben Abschaffung eines Zuschlags

Die Finanzen der Gemeinde sind stabil. Statt des budgetierten Defizits von 181575 Franken resultierte ein Ertragsüberschuss von 58266 Franken. Nicht nur mehr Einnahmen sorgen für zufriedene Gesichter. Bei den Investitionen wurde weniger ausgegeben als erwartet. Anstatt knapp 705000 Franken standen Ende 2025 rund 243000 Franken in den Büchern. Mauro Mungo lobte die Gemeinde im Namen der Finanzkommission für die äusserst sorgfältig geführte und nachvollziehbare Aktenführung.

Das Abwasserreglement kann angepasst werden. Seit 2010 erhob die Gemeinde mit Beschluss der Novembersitzung 2009 einen Zuschlag für die Abwassergebühren als Benützungsgebühr von 120 Franken. Aufgrund des angewachsenen Nettovermögens der Abwasserbeseitigung von 1,2 Mio. Franken ist vorerst Schluss damit. Zudem beschloss die Gemeinde eine Teilrevision des Strassenreglements. Zukünftig werden alle Strassenaufbrüche neu einer Bewilligungs- und Gebührenpflicht unterstellt.

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