Ein Dorf steht Kopf: Sarmenstorf zelebriert die Fasnacht
Sarmenstorf Mit ganz viel Begeisterung und Kreativität wird in Sarmenstorf jedes Jahr die Fasnacht begangen. Ein Höhepunkt dabei ist sicherlich das traditionelle Scheesewagerönne am Sonntag. Dafür wird sogar eine der Hauptverkehrsadern des Ortes teilweise gesperrt.
Endlich geht es los, Schlag 14 Uhr steht Balz Saxer mit der Fahne bereit im Startbereich. Im Übertragungswagen der Variété-Fasnachtsgesellschaft gibt Hausi Köchli das Startsignal – schon ist «De Buur met sine verruckte Hüehner» auf der Strecke unterwegs. Kurz darauf begibt sich ein feuerspeiender Vulkan mit Dschungel-Umgebung auf den Weg. Die Besuchenden sind begeistert von so viel Kreativität. Viele von ihnen haben ebenfalls ihre schönsten Fasnachtsgewänder herausgesucht.
Start ist auf Höhe der MZH, hinauf geht es Richtung «Wilder Mann» und wieder retour. Vor dem ersten Startsignal wünschte sich Rennleiter Köchli von den Teilnehmenden: «Wenn ihr die Strecke innerhalb von zehn Minuten schafft – das wäre toll.» Das hat seinen Grund: Schliesslich geht es bei diesem Rennen nicht um Geschwindigkeit, viel eher kommt es auf den Spassfaktor an. Da gilt es Bonbons zu verteilen, Konfetti-Kanonen müssen gefüllt werden, hier und da werden mehr oder weniger hochprozentige Getränke an die Erwachsenen ausgegeben. Zudem wollen die aufwendig gestalteten Wagen gebührend bewundert und in Augenschein genommen werden.
Kreativität bei schönstem Sonnenschein
Und so fragt sich Köchli irgendwann, wo denn Bitteschön die Alessandra von der Gruppe «Bella Italia» geblieben ist. Während diese entspannt mit ihrem Trevi-Brunnen im Schlepptau Süssigkeiten an die jungen Besuchenden verteilt. Ein wenig verwirrt zeigt sich eine Clamping-Gruppe, die Suche nach dem Zeltplatz ist offenbar herausfordernd – besonders, wenn das bereits aufgebaute Zelt als Gepäck dabei ist. Der Fantasie der Teilnehmenden scheinen keine Grenzen gesetzt: Da werden grosse Wikingerschiffe die Strasse entlang gezogen, Pippi Langstrumpf samt Villa Kunterbunt ist zu sehen, selbst Alice im Wunderland schaut am Rennen mit einer grossen Entourage vorbei.
Es ist offensichtlich, die Sarmenstorfer lieben die fünfte Jahreszeit. Bereits am Schmutzigen Donnerstag starteten die Fasnächtler bei Regen und Wind bestens aufgelegt in die trubeligen Tage. Die lustige Wagenparade am frühen Morgen war dabei ein kleiner Vorgeschmack auf das Scheesewagerönne. Jeden Vormittag machen sich die Fasnachtsschreier bei jedem Wetter auf den Weg, um auch wirklich jeden im Dorf über das Tagesprogramm zu informieren. Netterweise werden sie oft zu einem kleinen Apéro eingeladen – das wärmt Leib und Seele. Ob Opus-Night, Zunftball oder am Montag die Schnitzelbänke – das Dorf steht in diesen Tagen kaum still. Sogar Norddeutsche lassen sich etwas von der närrischen Stimmung anstecken – und das will etwas heissen.
Seit wann die Variété-Fasnachtsgesellschaft das Scheesewagerönne bereits veranstaltet, konnte Hausi Köchli nicht genau sagen. «Aber darauf kommt es ja auch nicht unbedingt an», befand er. «Wichtig ist, dass alle Spass haben.» Besonders erfreulich: Am Sonntag schien pünktlich zum Anlass die Sonne. «Die haben wir bei unserem Schnyderli Toni im Himmel bestellt», merkte Köchli an. Schnyderli Toni galt als ein Fasnachts-Urgestein und die Erinnerung an ihn wird im Dorf liebevoll gepflegt.
Dank Dschungel-Vulkan und der Lokomotive Emma ist die Strasse zum Abschluss des Rennens ordentlich eingenebelt. Überall sind fröhliche Gesichter zu sehen, da ist es unwichtig, wer am schnellsten war. Gut gelaunt wird in der MZH weitergefeiert – und sicher schon über ein cooles Sujet für die nächste Fasnacht gegrübelt.





















