Dieter Pfister über die Qualität des Unauffälligen

Egliswil Das Museum Aargau stellte am 10. Juni den dritten Band der «Aargauer Industriegeschichten» in der Sammlung in Egliswil vor. Autor Dieter Pfister gibt darin einen Einblick, wie Aargauer Firmen die Wohnkultur in der Schweiz prägten.

Museumsdirektor Marco Sigg begrüsst die Besuchenden.Foto: Verena Schmidtke

Museumsdirektor Marco Sigg begrüsst die Besuchenden.Foto: Verena Schmidtke

Dieter Pfister gibt einen Einblick in das soeben erschienene Buch.Foto: Verena Schmidtke

Dieter Pfister gibt einen Einblick in das soeben erschienene Buch.Foto: Verena Schmidtke

Stellten das Werk vor: Rudolf Velhagen, Dieter Pfister, Anita Simeon Lutz und Marco Sigg. Foto: Verena Schmidtke

Stellten das Werk vor: Rudolf Velhagen, Dieter Pfister, Anita Simeon Lutz und Marco Sigg. Foto: Verena Schmidtke

Gleich zu Beginn der Vorstellung seines Buches erklärte Dieter Pfister, Autor und Möbelhistoriker aus Basel: «Ich freue mich hier zu sein und obwohl man es nicht hört – ich bin ein halber Aargauer.» Seine Mutter stamme ursprünglich aus der Nähe von Bremgarten. Damit schlug er gewandt die Brücke zum dritten Band der «Aargauer Industriegeschichte».

Zuvor gab Museumsdirektor Marco Sigg einen Einblick zur Entstehung der Reihe. Diese sei ein Produkt der Corona-Zeit. «Lanciert 2021, Ziel war und ist es, mit dieser Reihe die aargauische Industrie- und Technikgeschichte zu vermitteln», führte er aus. «Sowie unsere musealen industriegeschichtlichen Sammlungsobjekte zugänglicher und schweizweit bekannter zu machen.» Zudem sammle das Museum Aargau seit 15 Jahren schwerpunktmässig Produkte, Nachlässe und Dokumentationen von Aargauer Firmen. Die vorgestellten Publikationen geben dazu vielfältige Einblicke. Im Band 3 wählte Autor Dieter Pfister den Untertitel «Die Qualität des Unauffälligen». «Dabei zeigt der Autor, dass es nicht nur primär um gefeierte Design-Ikonen geht», stellt Sigg den Band näher vor, «sondern um jene Möbel, die den Schweizer Alltag in Wohn- und Büroräumen über Jahrzehnte prägten.» Damit werde ein Kapitel Schweizer Kulturgeschichte sichtbar, das in seiner Selbstverständlichkeit bislang wenig Beachtung fand, gleichwohl aber das Verständnis von Wohnen, Gestalten und Produzieren geprägt hat. Textil und Maschinenbau seien traditionell wichtige Industriezweige des Kantons, doch ebenso gehören Holz- und Möbelgewerbe zu den prägenden Branchen.

Der Wert der Unauffälligkeit

In seiner Rede griff Dieter Pfister den Untertitel gekonnt wieder auf. Dieser sei durchaus positiv gemeint. «Das Unauffällige sei doch etwas Normales», so der Autor und ergänzte humorvoll: «Aus medizinischer Sicht ist man ja froh, wenn man unauffällig ist.» Allerdings habe das Auffällige im Laufe der Zeit an Bedeutung gewonnen, während Unauffälligkeit im 20. Jahrhundert zunehmend weniger positiv konnotiert worden sei.

Dabei habe gerade das Unauffällige seinen Wert. Damit lenkte Pfister den Fokus auf die Möbelsammlung des Museums Aargau. «Es ist eine tolle Sammlung mit Möbelstücken aus dem 20. Jahrhundert – das ist nicht unbedingt üblich», merkte er an.

Möbel aus verschiedenen Jahrzehnten dienten als gelungener Hintergrund für die Vernissage. Anhand derer erläuterte Dieter Pfister die Qualität der Stücke, wie gekonnt Material, Farbgebung, Proportionen und eben besonders das Handwerk harmonierten. Eleganz und Schlichtheit, welche keineswegs banal seien, zeichneten sie ebenso aus. Auf diese Weise prägten die Möbel unauffällig, funktional und dabei von hoher Qualität den Alltag. Schon Marco Sigg verwies in seiner Rede darauf, dass nicht wenige dieser Stücke als Aussteuer gedacht waren und jahrzehntelang in Familien verblieben.

Im Buch fanden Firmen wie Simmen, Woodtly, Thut, um eine Auswahl zu nennen, ihren Platz. Pfister schloss seine Buchvorstellung mit dem Wunsch: «Das ist nun ein Einstieg. Ich hoffe, dass es Nachfolgende gibt, die sich weiter mit dem Thema befassen und Forschungen vertiefen werden.» Ausserdem dankte er allen, die am Vorhaben mitgewirkt hatten. «Die eineinhalb Jahre Arbeit an diesem Buch sind schnell vergangen», bekundete Dieter Pfister.

Sammlungsleiter im Gespräch

Als weiteren Aspekt des Abends führte Sammlungsleiter Rudolf Velhagen ein Gespräch mit Anita Simeon Lutz, Architektin und Expertin für Bau- und Wohnkultur. Im Gespräch ging es dann darum, dass es sowohl ein wachsendes Bewusstsein für Wertigkeit und Qualität gebe – ebenso aber auch günstige Wohnlösungen ihre Berechtigung hätten. Weiterhin kamen Themen wie Smartwohnen zur Sprache. Anita Simeon Lutz gab zudem den Tipp, sich hin und wieder zu fragen, ob etwas wirklich benötigt werde und wie schön es sein könne, auf ein besonderes Möbelstück zu sparen. Zum Schluss richtete Velhagen einen herzlichen Dank an Konservator Peter Brack. Dessen Einsatz und Engagement habe die Möbelsammlung des Museums massgeblich geprägt und ein Buch wie das vorgestellte erst möglich gemacht.

Weitere Artikel zu «Seetal-Lindenberg», die sie interessieren könnten

Die Gmeindeversammlung erteilt der Gemeinde den Auftrag, die Liegenschaft zu erwerben.Foto: RInaldo Feusi
Seetal-Lindenberg17.06.2026

1,2 Millionen Franken investiert: Boniswil sichert sich eine nachhaltige Immobilie für die Zukunft

Boniswil Die Boniswilerinnen und Boniswiler sprechen sich für den Kauf einer Liegenschaft für 1,2 Millionen Franken aus. Daneben genehmigten sie die…
Das Operettenensemble zeigt «Tylla spielt mit der Macht der Musik» in der Wirtschaft Niesenberg mit Ulrich Fischer, Hanna Matti, Sven Bachmann, Jürg Meyer, Sabine Bachmann.Foto: Philipp Fellner
Seetal-Lindenberg17.06.2026

Aargauer Operettenensemble spielt mit der Macht der Musik

Niesenberg Mit «Tylla spielt mit der Macht der Musik» bringen die «Die Fledermäuse» ihre 19. Produktion auf die Bühne. Diese könnte gleichzeitig das letzte…
Mit dem neuen Vekehrskonzept soll die Gemeinde entlastet werden.Foto: zvg
Seetal-Lindenberg17.06.2026

Meisterschwanden und Kanton mit Konzept für den Freizeitverkehr

Meisterschwanden Gemeinsam erarbeiteten die Gemeinde und der Kanton ein «Konzept Freizeitverkehr Meisterschwanden». Hauptmassnahme ist dabei die Einrichtung…