Die Brailleschrift erfahrbar machen – interaktive Ausstellung im Läsi-Huus
Fahrwangen Vor 200 Jahren entwickelte der Franzose Louis Braille eine Schrift, mit deren Hilfe blinde und sehbehinderte Menschen lesen können. Vom 11. März bis am 30. April zeigt das Läsi-Huus eine interessante, interaktive Ausstellung zu dieser Schrift.
Welche Möglichkeiten haben Menschen mit Seheinschränkungen, wenn sie ein Buch lesen möchten oder etwas schreiben wollen? Antworten darauf gibt gerade die Ausstellung zur Brailleschrift im Fahrwanger Läsi-Huus.
«Vor einer halben Stunde haben einige Kinder sehr interessiert die verschiedenen interaktiven Elemente ausprobiert», berichtet Bibliotheksleiterin Monique Cecuta sichtlich erfreut über den positiven Anklang der Ausstellung. Auf einem Tisch liegt aufgeschlagen ein grosses Buch mit den für die Brailleschrift typischen Lochstanzungen. Cecuta dazu: «Das Buch habe ich auf einem Flohmarkt entdeckt und es passt ja nun wunderbar zum Thema.» Auf einem weiteren Tisch sind verschiedene Kisten aufgestellt mit Material zur Brailleschrift. «Wichtig ist eine Tafel mit dem Alphabet in Brailleschrift», stellt die Leiterin die Ausstellungsobjekte näher vor. «Und hier sind beispielsweise Schablonen und Griffel, um selbst etwas zu schreiben.» Die jungen Besuchenden vorhin seien dabei sehr konzentriert gewesen. «Das war toll, wie alles ausprobiert wurde», stellt Monique Cecuta fest. Sie habe ein wenig die Befürchtung gehabt, dass es vielleicht eine kleine Hemmschwelle geben könnte. «Schön, dass es nicht so ist. Kinder sind ja oft offen für Neues.» Erwachsene dürfen sich natürlich ebenfalls angesprochen fühlen, das Material zu benützen.
200 Jahre Brailleschrift
Der Entwickler der Brailleschrift, Louis Braille, erblindete als Kind nach einer Verletzung auf beiden Augen. Zu seiner Zeit wurden Blinde in der Reliefschrift unterrichtet, welche allerdings nicht einfach zu ertasten war. Zugleich gab es im Militär eine im Dunkeln entzifferbare «Nachtschrift». Sie basierte auf einem System aus Punkten und Silben. Allerdings war es recht kompliziert. Doch aus den Ansätzen gelang es Louis Braille, seine eigene Punktschrift zu entwickeln. Dabei stehen unterschiedliche Kombinationen aus sechs erhabenen Punkten für Buchstaben, Zahlen und Zeichen. Die Punkte sind in einem kleinen Raster aus zwei Spalten und drei Reihen angeordnet. Ideal, um sie mit den Fingerspitzen zu erfühlen. Das war 1825, Braille war gerade 16 Jahre alt.
Zu diesem 200-Jahr-Jubiläum initiierte die Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte (SBS) die interaktive Ausstellung. Die Bibliotheksförderung Aargau stellte das Vorhaben vor und stiess damit offenbar auf reges Interesse. «Im Jubiläumsjahr 2025 war die Ausstellung ausgebucht», führt Monique Cecuta aus. «Aber in diesem Jahr können wir sie hier präsentieren.» Das passe ausserdem sehr gut zu einigen Projekten in verschiedenen Schulklassen.
Um sich noch mehr mit der Brailleschrift vertraut zu machen, hat die SBS Karten bereitgestellt, auf denen kleine Erhebungen zu ertasten sind. Die Bibliotheksleiterin erklärt: «Am besten hält man sie unter der Tischplatte und versucht, die Buchstaben mit den Fingerspitzen zu entziffern.» Das sei gar nicht so einfach, räumt sie schmunzelnd ein. Ein Selbstversuch bestätigt das recht schnell. Weiter gibt es unterschiedliche Leseproben, ein QR-Code führt zum erzählten Hintergrund zu Louis Braille. Eine wahre Herausforderung stellt der taktile Zauberwürfel dar, bei dem unterschiedliche Strukturen die Farben ergänzen. Zur Freude der Bibliotheksmitarbeitenden habe eine Frau aus dem Ort auch noch Mitmachmaterial zur Verfügung gestellt: Filzkugeln, welche in kleine Eierkartons mit sechs Fächern gelegt werden können. «Diese Grösse eignet sich besonders für jüngere Kinder», so Cecuta. Sie freue sich über den grossen Anklang, den die neue Ausstellung bereits am ersten Tag bei den Besuchenden gefunden hat. «Bis am 30. April können sich Interessierte gern mit der Brailleschrift bei uns im Läsi-Huus vertraut machen», lädt die Bibliotheksleiterin ein.









