Brauchtum als Schulfach

Hallwil Um die vielfältigen Winterbräuche von Hallwil zu erhalten, werden sie alle drei Jahre den Schulkindern von örtlichen Experten vermittelt.

Schüler als interessierte Zuhörer: Tamara Stumpf erklärt den Hallwiler Brauch des «Wiehnechts-Chindli». Foto: Andreas Walker
Schüler als interessierte Zuhörer: Tamara Stumpf erklärt den Hallwiler Brauch des «Wiehnechts-Chindli». Foto: Andreas Walker

Eine normale Schulstunde im Schulhaus Hallwil an einem November-Morgen. Tamara Stumpf, Mitglied der Brauchtumskommission, hat auf dem Lehrplan «Wiehnechts-Chindli».

In den folgenden 45 Minuten informiert sie die erste, zweite und dritte Klasse über den Hallwiler Winterbrauch «Wiehnechts-Chindli». Bei diesem Brauch ziehen sieben 12- bis 14-jährige Mädchen an Heiligabend und Weihnachten in Hallwil von Haus zu Haus, wobei das in weisse Schleier gehüllte Wiehnechts-Chindli dem Brauch den Namen gibt.

Die Mädchen bringen selbst gemachtes Weihnachtsgebäck in die Hallwiler Haushaltungen und singen dabei ihr eingeübtes Hirtenlied vor.

Seit 1949 mit Fotos dokumentiert

Tamara Stumpf fragt die Kinder, wer von ihnen den Brauch schon kennt oder wer von ihnen die Mädchen in diesen Kleidern schon gesehen hat, die da auf dem Foto zu sehen sind. Einige Kinder sind damit vertraut und hatten diese singenden Mädchen bereits bei sich zu Hause, andere wiederum kannten sie noch nicht.

Tamara Stumpf zeigt anhand von Bildern, wie der Brauch des Wiehnechts-Chindli abläuft. Die ersten Fotos stammen bereits aus dem Jahr 1949 und zeigen eine Gruppe Mädchen in den entsprechenden Kleidern in Schwarz-Weiss.

Nach der ausführlichen Information über das Wiehnechts-Chindli dürfen die Schüler, die wollen, noch die Kleider anziehen, die das Wiehnechts-Chindli jeweils trägt.

Ein Kind fragt, warum bei diesem Brauch nur Mädchen mitmachen dürfen. Tamara Stumpf erklärt, dass beim Chlausjagen nur Burschen und bei den Bärzeli nur Männer mitmachen könnten, also müsse es auch etwas für Mädchen geben.

Die Gemeinde Hallwil legt grossen Wert darauf, das vielfältige Brauchtum zu erhalten und entsprechend weiterzugeben. Deshalb ist es wichtig, dass bereits die Schulkinder damit vertraut werden, denn sie werden in Zukunft diese Bräuche weiterführen.

Tamara Stumpf erklärt: «In den letzten Jahren ist Hallwil sehr stark gewachsen und hat jetzt rund 1000 Einwohner. Bei den Neuzuzügern ist eine grosse Fluktuation festzustellen. Somit ist es wichtig, regelmässig über die Hallwiler Bräuche zu informieren, damit sie uns weiterhin erhalten bleiben.»

Weitere Artikel zu «Seetal-Lindenberg», die sie interessieren könnten

Gastgeberin Regi Stern mit den freiwilligen Helfern Theo und Renate Müller.Foto: Verena Schmidtke
Seetal-Lindenberg19.08.2026

Ein gemütlicher Treffpunkt seit sieben Jahren

Meisterschwanden Sieben Jahre ist es her, dass das Café Wolke Nr. 7 im Gemeindehaus der reformierten Kirche in Meisterschwanden eröffnet wurde. Zum Geburtstag…
Der Slow-up fand zum 10. Mal statt und holte einmal mehr alle Generationen ins Seetal.Foto: zvg
Seetal-Lindenberg19.08.2026

Jubiläum im Seetal – 31 000 feierten den Slow-up

Seetal Die 10. Austragung des Slow-up Seetal wurde am 16. August zum grossen Jubiläumsfest: 20 Jahre nach der Premiere im Jahr 2006 genossen 31 000 Besuchende…
Die «Männerstämmler» auf der Klosterinsel.Foto: zvg
Seetal-Lindenberg19.08.2026

Kulturreise an den Rhein

Seon Frühmorgens verliess der Reisebus mit dem «Seener Männerstamm» an Bord die Gemeinde Seon und visierte als erstes Ziel das Städtchen Kaiserstuhl am Rhein…