Blumen, Fahnen und Gebete: die Fronleichnamsprozession in Sarmenstorf
Sarmenstorf 60 Tage nach Ostern begeht die katholische Kirche das Hochfest Fronleichnam. In diesem Jahr fiel der Termin auf den 4. Juni, in Sarmenstorf wird der Feiertag bei gutem Wetter mit einer Prozession gefeiert.
Auf der sonst so belebten Marktstrasse herrschte am Donnerstagvormittag feiertägliche Ruhe. Die Stille wurde von der herannahenden Prozession unterbrochen. Ihr voraus ging der Fahnenträger mit der Kreuzfahne. Ihm folgte eine Gruppe Kinder, die Erstkommunikanten, in weissen Gewändern. Sie und weitere Kinder streuten mit grosser Freude Blumen auf die Strasse. Dahinter der Pfarrer mit der Monstranz unter einem Stoffbaldachin, auch Himmel genannt, welcher von vier Männern getragen wurde. Weitere Fahnen waren zu sehen, danach reihten sich weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Prozession ein.
Am Donnerstagmorgen um 7.05 Uhr galt es aufmerksam zu lauschen: Läuteten die Kirchenglocken, würde die Fronleichnamsprozession stattfinden. Angesichts der unbeständigen Wetterlage war dies zunächst nicht sicher. Doch pünktlich zur genannten Uhrzeit erklang das Geläut, die Prozession konnte durchgeführt werden.
Tradition unter freiem Himmel
Zuvor feierte die Kirchgemeinde einen feierlichen Gottesdienst, in dessen Mittelpunkt «Fronleichnam – Hochfest des Leibes und Blutes Christi» stand. Der Name leitet sich aus dem Mittelhochdeutschen «vrône lîcham» ab, wobei «vrôn» für Herr steht und «lîcham» für Leib. Dazu erläuterte Pfarreiadministrator Ambrose Olowo: «Mit dem Fest erinnert die Kirche an die Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie.» Im Johannesevangelium werde an das Volk Israels erinnert, das auf der Flucht aus Ägypten von Gott gespeist wurde. Doch Jesus Christus habe gesagt, er sei das wahre Brot, welches vom Himmel komme und ewiges Leben schenke. «An diesem Feiertag zeigen wir in der Prozession, dass Jesus nicht auf den sakralen Raum beschränkt ist», so der Pfarrer zum weiteren Verlauf. «In einer Monstranz wird die als Leib Christi verehrte Hostie durch den Ort getragen. So zeigt Jesus, dass er überall ist.»
An drei Stationen machte die Prozession im Ort Halt, um an den dort aufgebauten und schön geschmückten Altären im Gebet innezuhalten und ein Lied zu singen. Zudem erteilte der Pfarrer den Segen. Sehr feierlich war die Alphorngruppe, die am ersten Stopp die Teilnehmenden mit ihren Klängen in Empfang nahm. Zusätzlich standen an den Wegesrändern immer wieder Personen, die sich mitunter der Prozession anschlossen oder an einem der Altäre dem Ablauf folgten.
Zu den Aussenaltären erklärte Michael Rüttimann: «Für den ersten ist der Katholische Arbeiterverein verantwortlich, für den zweiten die Familie Melliger.» Der dritte befindet sich traditionell an der Kirche selbst. Eventuell fiel dem einen oder anderen Prozessionsbegleiter ein hübsches Stillleben in Form eines Kelches aus Blütenblättern am Wegesrand zum zweiten Altar auf. «Solche Darstellungen aus Blütenblättern waren früher sehr häufig», erzählte die Sarmenstorferin Katharina Koch, die sich sichtlich über die Pflege dieser Tradition freute. Anscheinend habe die Familie Hegi das Bild vor der Prozession angefertigt. Vielleicht übernehmen ja zur nächsten Prozession noch weitere Familien die Ideen der Blütenbilder.









