Aargauer Operettenensemble spielt mit der Macht der Musik
Niesenberg Mit «Tylla spielt mit der Macht der Musik» bringen die «Die Fledermäuse» ihre 19. Produktion auf die Bühne. Diese könnte gleichzeitig das letzte Kapitel des Operettenensembles einläuten.

Regisseurin Hanna Matti weiss, wie eine Operette schmackhaft wird: «Man nehme: eine Handvoll schönster Operettenmelodien, erfinde dazu eine amüsante, makabre oder brisante Geschichte. Würze sie mit ein wenig Lokalkolorit, Romantik oder gar Frivolität. Dann sämtliche Zutaten wochen-, wenn nicht gar monatelang kneten. Guten Appetit!» Wem jetzt das Wasser im Mund zusammenläuft, bekommt schon bald die Möglichkeit, seinen Heisshunger zu stillen. So bleibt das fünfköpfige Aargauer Operettenensemble «Die Fledermäuse» auch heuer seinem Konzept treu: musikalischer und kulinarischer Genuss im Doppelpack. Zwischen dem 2. und 7. August führt das Operettenensemble zusammen mit dem Salonorchester «La Jalousie» in der Wirtschaft Niesenberg das neueste Stück auf: Zwischen den vier Akten gibt es einen Dreigänger.
«Tylla spielt mit der Macht der Musik» heisst das Werk aus der Feder von Hanna Matti, die selbst auch auf der Bühne steht. Die Aufführung ist bereits die 19. Produktion der Fledermäuse. Nach Auftritten im Schloss Lenzburg und auf Seebühnen siedelten sie 2009 an die Wirtschaft Niesenberg über und haben dieser bis heute die Treue gehalten.
Tylla, die Protagonistin des Stücks, ist an die Romanfigur Till Eulenspiegel angelehnt – ein Stoff, zu dem Matti aufgrund ihrer eigenen Geschichte fand: «Als Kind wurde ich häufig ‹Till› genannt», erinnert sie sich. «Ich konnte zwar nicht Seiltanzen, aber ich hatte Freude an der Organisation und nahm gerne Sachen selbst in die Hand.»
Wahrscheinlich habe sie diesem organisatorischen Geschick den Spitznamen zu verdanken, vermutet Matti. Es folgte eine längere Recherche zur Romanfigur. Diese führte sie immer weiter weg vom ursprünglichen Till Eulenspiegel und immer näher hin zu Tylla.
Die Figur tritt im Stück als Strassensängerin in Erscheinung, die durch das vom Dreissigjährigen Krieg zerrüttete Europa reist. Auf ihrem Weg begegnet sie neben Gauklern und Musikanten auch der «Alten» – einer betagten Dame, die von Matti gespielt wird. Zusammen reisen die zwei durch Raum und Zeit und «wagen musikalische Sprünge durch die Jahrhunderte». Die Gäste dürfen sich auf Stücke des Walzerkönigs Johann Strauss und auf Chansons aus den 20er-Jahren freuen. «In meinem neuen Stück geht es um das Gute», sagt Hannah Matti. Die Hauptaussage liege in der Kraft der Musik. Matti fasst es so zusammen: «Man soll besser mit der Macht der Musik spielen als mit den Waffen.»
Die letzte Vorstellung der Fledermäuse?
Ganze neun Inszenierungen hat das Ensemble in der Wirtschaft Niesenberg bisher gezeigt – meist im Abstand von zwei Jahren. «Wir fühlen uns einfach verbunden», so Matti. «Es ist ein Superpackage», findet auch Klarinettist Sven Bachmann vom Salonorchster La Jalousie. «Hier kann man in Ruhe proben, das Essen ist hervorragend und wir verstehen uns allesamt wunderbar.»
Wer das Operettenensemble miterleben möchte, erhält dieses Jahr womöglich die letzte Gelegenheit. Nach «Tylla» könnte sich der Vorhang am Niesenberg endgültig schliessen. Eine Zugabe ganz ausschliessen möchte Matti heute jedoch nicht.



