36 Jahre am Beckenrand – Roger Fuchs verabschiedet sich

Seon Seit 36 Jahren gehört er zum Hallenbad wie das Wasser ins Becken: Roger Fuchs. Ende Mai tritt er in den Ruhestand und mit ihm verabschiedet sich ein Stück Seoner Badgeschichte.

Wenige verdienen es mehr: Nach 36 Jahren im Dienste des Hallenbades geht Roger Fuchs in den Ruhestand.Foto: zvg
Wenige verdienen es mehr: Nach 36 Jahren im Dienste des Hallenbades geht Roger Fuchs in den Ruhestand.Foto: zvg

Aufgewachsen in der Badmeisterwohnung, hat er die Anlage von Kindesbeinen an erlebt, mitgeprägt und durch technische, bauliche und gesellschaftliche Veränderungen begleitet. Im Gespräch blickt er mit Humor, Offenheit und viel Herzblut auf seine Zeit zurück.

«Ich war der Kleinste – also musste ich in den Lüftungskanal»

Roger Fuchs’ Geschichte mit dem Hallenbad beginnt lange vor seinem offiziellen Stellenantritt. Sein Vater war bereits bei der Eröffnung im Dezember 1975 als Badmeister tätig. Die Familie wohnte in der Badmeisterwohnung – mittendrin statt nur dabei.

«Früher war es üblich, dass alle Frauen der Badmeister die Reinigung der Garderoben et cetera machten, auch meine Mutter. Als Kind habe ich meinem Vater beim Reinigen geholfen», erinnert sich Fuchs schmunzelnd. «Ich war der Kleinste und Schlankste, also musste ich in die Lüftungskanäle kriechen.»

Das Hallenbad war von Anfang an ein Treffpunkt im Dorf. «In der Schule freute man sich darauf. Nach dem Unterricht ging man ins Bad oder ins kleine Café. Es war ein Begegnungsort für die Jugend.» Legendär geblieben sind für ihn der weisse Mercedes vom Restaurantpächter, Herr Graber, «ein richtiges Kultfahrzeug», ebenso wie die Hotdog-Maschine im Café. «Ich durfte jeweils am Mittwoch mit einem Hotdog, den wir gratis erhalten haben, durchs Restaurant laufen, um Werbung zu machen.»

Vom Handwerk zur Hightech-Anlage

Offiziell begann Roger Fuchs am 1. Mai 1989 als Badmeister. Vorher half er dem Betrieb bereits als Aushilfe an seinen freien Tagen. Ursprünglich hatte er eine andere berufliche Richtung eingeschlagen, doch die Arbeit im Hallenbad überzeugte ihn, nicht zuletzt wegen der Vielseitigkeit.

«Früher haben wir technisch fast alles selbst gemacht», erzählt er. Pumpen wurden eigenhändig zerlegt und revidiert, Filteranlagen manuell gespült. «Man stand unter dem Nichtschwimmerbecken, musste jeden Schritt von Hand ausführen und Chemikalien selber dosieren. Das war körperlich streng und nicht ganz ungefährlich.»

Heute läuft vieles digital. «Mit ein paar Klicks am Computer lassen sich Prozesse steuern, die früher viel Zeit und Handarbeit erforderten.» Interessant sei die Entwicklung allemal gewesen. Besonders der Umbau und die Aufstockung des Gebäudes sowie der Bau des Blockhauses 1998 hätten die Anlage stark geprägt. Trotz Modernisierung bleibt für Fuchs eine Erkenntnis: «Die Menschen sind im Kern gleich geblieben. Wenn schönes Wetter ist, kommen sie. Wenn nicht, bleiben sie weg. Das war schon immer so.»

Begegnungen, die bleiben

Was ihn all die Jahre motiviert hat? «Der persönliche Kontakt», sagt Fuchs, ohne zu zögern. «Es ist schön, wenn dich die Leute auch ausserhalb des Bades erkennen und grüssen.» Viele Gäste begleiten ihn seit Jahrzehnten. «Man kennt sich. Manche haben früher schon reklamiert und tun es heute noch», sagt er augenzwinkernd. «Aber das gehört dazu.» Besonders in Erinnerung bleiben ihm die vielen Gespräche in der Sauna oder am Beckenrand. «Es sind ehrliche Begegnungen. Und wenn man ein Kompliment erhält, freut das einen natürlich.»

Stolz ist er vor allem auf eines: «Auch wenn es schwierige Situationen gab – am Ende sind alle lebend wieder aus dem Wasser gekommen.» Teamarbeit sei dabei zentral gewesen. «Ein Badbetrieb funktioniert nur miteinander. Wenn das Team harmoniert, läuft alles andere auch.»

Blick nach vorn … mit Modellflug

Ganz ohne Pläne verabschiedet sich Roger Fuchs nicht. Im Gegenteil: Während einer krankheitsbedingten Pause hat er seine Projekte konkretisiert. Seine grosse Leidenschaft gilt dem Modellflug. «Ich habe viele Ideen und jetzt auch die Zeit dazu. Es kommt gut», sagt er mit einem zufriedenen Lächeln. Dem Hallenbad und seinen Gästen wünscht er vor allem Respekt im Umgang miteinander. «Ein bisschen mehr Rücksicht gegenüber dem Personal würde manchmal guttun.»

Und sich vom Team verabschieden? Da ringt selbst der erfahrene Badmeister kurz um Worte. «Das ist nicht ganz einfach. Vielleicht wird es emotional. Aber ich bin dankbar für die gemeinsame Zeit.»

Ein Stück Seon

Was bedeutet ihm das Hallenbad persönlich? «Es hat einen grossen Stellenwert in meinem Leben. Ich bin hier aufgewachsen, habe hier gearbeitet, Kindern Schwimmen beigebracht und bin vielen Menschen begegnet.» Auch wenn nun ein neuer Lebensabschnitt beginnt, ganz loslassen wird er wohl nie. Dafür ist die Verbindung zu stark. Mit Roger Fuchs verabschiedet sich nicht nur ein langjähriger Badmeister, sondern ein vertrautes Gesicht, ein Zuhörer, ein Techniker, eine Persönlichkeit – kurz: ein Stück Hallenbad Seon. Für seinen neuen Lebensabschnitt wünschen ihm alle von Herzen alles Gute, viel Aufwind für seine Modellflugzeuge und zahlreiche glückliche Landungen.(pd/rfb)

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