Wie ETH-Studierende Staufen weiterdenken
Staufen Architekturstudierende der ETH Zürich haben sich ein Semester lang mit Staufen beschäftigt. Am Freitagabend präsentierten sie ihre Arbeiten im Mehrzweckgebäude Lindenplatz – mit Ideen zur Verdichtung, zum Weiterbauen bestehender Strukturen und zur Frage, wie sich ein Dorf verändern kann, ohne seine Geschichte zu verlieren.
Wie kann sich Staufen weiterentwickeln, ohne seine Geschichte zu verdrängen? Mit dieser Frage haben sich Architekturstudierende der ETH Zürich während eines Semesters auseinandergesetzt. Am vergangenen Freitagabend wurden ihre Projektarbeiten im Saal des Mehrzweckgebäudes Lindenplatz präsentiert. Zur Vernissage kamen zahlreiche Interessierte, die sich die Pläne, Modelle und Ideen anschauten und vor Ort mit den Studierenden ins Gespräch kamen.
Eröffnet wurde der Abend von Gemeindeammann Patrick Braun. Er zeigte sich erfreut über das grosse Interesse und würdigte die Arbeit der Studierenden. Diese hätten bei ihrer Auseinandersetzung mit Staufen eine grosse Freiheit gehabt, sagte Braun. Jede und jeder habe selbst entscheiden können, welches Objekt, welcher Ort oder welches Thema im Dorf bearbeitet werde. Entstanden seien deshalb ganz unterschiedliche Ideen und Sichtweisen: einige überzeugend, andere kritisch zu betrachten, manche überraschend. Für die Gemeinde seien die Projekte eine Chance – nicht, weil alles gebaut werden könne, wie Braun mit einem Augenzwinkern anmerkte. Vielmehr gehe es um Denkanstösse. Die Ideen könnten – in der einen oder anderen Form – in künftige Überlegungen einfliessen. Die Studierenden hätten dabei einen Vorteil gegenüber den Verantwortlichen der Gemeinde gehabt: Sie konnten freier denken, ohne sich zuerst mit Finanzen, Vorschriften oder politischen Rahmenbedingungen auseinandersetzen zu müssen. Eine gute Entwicklung beginne oft mit mutigen Ideen, hielt Braun fest.
Dorfgeschichte und Verdichtung
Anschliessend führte Lilitt Bollinger, Architektin und Gastprofessorin an der ETH Zürich, in das Semesterprojekt ein. 26 Studierende aus Bachelor- und Masterstudiengängen hätten während des Semesters an den Projekten gearbeitet. Im Zentrum stand die Frage, wie sich ein Dorf wie Staufen weiterentwickeln kann – ein Dorf in der Agglomeration, das wächst und längst mit Lenzburg zusammengewachsen ist, aber dennoch eine eigene Identität besitzt. Bollinger sprach vom Spagat zwischen Verdichtung und ländlicher Tradition. Die Studierenden hätten untersucht, wie man im Dorf verdichten könne, ohne die Geschichte zu verdrängen. Sie hätten gefragt, wie man in Zukunft auf dem Land wohnen und arbeiten wolle, was Nachbarschaft und Gemeinschaft bedeuten und wie öffentliche Räume entstehen.
Besonders interessiert habe das Umbauen und Weiterbauen bestehender Strukturen. Nicht der Neubau auf der grünen Wiese stand im Vordergrund, sondern die Auseinandersetzung mit dem, was bereits vorhanden ist. Die Ausstellung zeigte entsprechend keine fertigen Bauprojekte, sondern Denkanstösse. Bearbeitet wurden unter anderem Konzepte für eine Verdichtung im Areal Zentrum, der Umbau bestehender Strukturen wie Scheunen oder Garagen, die Aufwertung von Aussenräumen in Staufen West sowie Aufstockungen. Zum Schluss gab einer der Studenten einen Einblick in die Arbeitsweise der Gruppe. Auf einer Dorfkarte hätten die Studierenden ihre Projekte verortet und miteinander abgestimmt, damit nicht alle dieselben Orte bearbeiten. Die wichtigste Regel sei gewesen, dass die Arbeiten zueinander in Beziehung gesetzt werden sollten. Die Projekte seien deshalb unterschiedlich gross und unterschiedlich detailliert. Begleitet wurden die Studenten während des Semesters von alt Gemeinderat Gallus Zahno. An der Vernissage wurden insgesamt 16 Arbeiten gezeigt, jeweils mit Titel und Nummer versehen. Nach den Ansprachen verteilten sich die Besucher im Saal. Zwischen Plänen, Modellen und Visualisierungen wurde geschaut, verglichen, gefragt und diskutiert. Gerade der Blick von aussen machte die Ausstellung spannend. Die jungen Architektinnen und Architekten näherten sich Staufen nicht über konkrete Bauabsichten, sondern über Beobachtungen, Analysen und räumliche Ideen. Manche Vorschläge wirkten vertraut, andere überraschend. Gemeinsam war ihnen, dass sie Staufen nicht als abgeschlossenes Dorfbild verstanden, sondern als Ort, der sich weiterentwickeln kann. Der Abend zeigte, dass Architektur nicht erst dann interessiert, wenn gebaut wird. Sie kann auch dann Gespräche auslösen, wenn sie Fragen stellt: Was macht Staufen aus? Wo darf sich das Dorf verändern? Und welche Qualitäten sollen dabei bewahrt bleiben? Die Vernissage machte deutlich, dass solche Fragen nicht nur Studierende beschäftigen, sondern auch viele Menschen, die in Staufen leben.













