Von der Ökonomin zur Pfarrerin

Möriken-Wildegg Regula Blindenbacher hat Ökonomie studiert – und Theologie. Am Sonntag wird die neue Pfarrerin in einem grossen Festgottesdienst ins Amt eingeführt.

Ihr Lächeln ist ihr Markenzeichen: Pfarrerin Regula Blindenbacher. Foto: Romi Schmid

Ihr Lächeln ist ihr Markenzeichen: Pfarrerin Regula Blindenbacher. Foto: Romi Schmid

Voller Elan: Die neue Pfarrerin möchte die Kirche erlebbar machen. Foto: Romi Schmid

Voller Elan: Die neue Pfarrerin möchte die Kirche erlebbar machen. Foto: Romi Schmid

Es hat geradezu etwas Tröstliches, dass es in Zeiten, in denen das gesellschaftliche Klima immer frostiger zu werden scheint, noch Menschen wie Regula Blindenbacher gibt.

Ihr Lebensmotto: im Leben die Freude suchen und diese Freude an die Mitmenschen weitergeben. «Manchmal ist das schon eine Herausforderung», gibt Blindenbacher zu, «aber genau darin liegt die Aufgabe: sich nicht entmutigen zu lassen, die Freude zu behalten und mit dieser in die Welt hinauszuleuchten.»

Die Fragen nach dem Leben kombiniert mit dem Wunsch, mit Menschen unterwegs zu sein und die Welt besser zu verstehen, haben Blindenbacher seit jeher ausgezeichnet. «Ich war immer schon neugierig auf alle möglichen Sinnfragen, die Welt und die Menschen um mich herum», erklärt die 40-Jährige.

Quereinstieg zur Pfarrerin

Regula Blindenbacher wurde 1982 in Rümlang geboren und kam mit zwölf Jahren in den Aargau. Nach der Matura hätten sie viele berufliche Laufbahnen interessiert. In dieser Zeit fiel die Entscheidung, Volkswirtschaft zu studieren. Nach ihrem Studium zog es Blindenbacher nach Paris, um für die Schweizer OECD-Delegation als Beraterin in Wirtschaftsfragen zu arbeiten.

Danach war Blindenbacher für die Schweizer Parlamentsdienste tätig, bevor sie sich eines anderen besann: «Als Ökonomin hatte ich unglaubliche Einblicke in die Politik- und Wirtschaftswelt und ich hatte mit spannenden Menschen zu tun. Aber da war ein Sehnen nach mehr. Mich haben immer schon die Fragen des Lebens interessiert, deshalb kam ich eines Tages nach Hause und erklärte meinem Mann, dass ich den Quereinsteigerkurs zur Pfarrerin wagen möchte.» Dieses sollte dauern: Insgesamt neun Jahre hat Blindenbacher für ihren Quereinstieg benötigt. «Der Weg ist das Ziel», schmunzelt sie und erklärt: «Ich habe das Studium mit zwei Jahren Kinderpause und beruflicher Nebentätigkeit absolviert.»

Kirche erlebbar machen

Die Arbeit als neue Pfarrerin hat schon begonnen, am Sonntag, 4. September, wird die dreifache Mutter um zehn Uhr von Vizedekan Martin Domann offiziell in ihr Amt eingeführt.

Ein neues Gesicht ist die in Fislisbach wohnhafte Pfarrerin aber nicht: Blindenbacher absolvierte schon das sogenannte Vikariat in Holderbank-Möriken-Wildegg, wo sie nun ihre erste Stelle als Pfarrerin neben Martin Kuse antritt. Ihr Ziel ist es, Menschen im Alltag auf ihren Lebenswegen zu begleiten, «auf Augenhöhe», betont sie, und mit Freude. Ihr Fokus liegt auf dem Austausch.

Und: Sie möchte die Kirche erlebbarer machen – das liegt ihr am Herzen. Rund 200 Plätze bietet die Kirche, oft weniger als die Hälfte ist an den Gottesdiensten besetzt. «Den gesellschaftlichen Trend, dass immer weniger Leute sich engagieren und aus Vereinen und Kirchen austreten, kann ich nicht aufhalten. Aber ich kann mit jenen, die kommen, Funken sprühen – vielleicht mit Signalwirkung», sagt sie. Ihrer Inpflichtnahme blickt Blindenbacher mit Freude und Respekt entgegen. Die Fussstapfen, in die sie trete, seien riesig, und kein Predigtstil gefalle jedem. Bei Predigten gehe sie eher erzählerisch vor. «Die komplexen Bibelgeschichten zu übersetzen und erzählerisch in die heutige Welt zu verorten, darin liegt meine Aufgabe und Leidenschaft», sagt sie.

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