Pilgern und dabei den Sinn des Lebens finden

Schafisheim/Auenstein Pilgerreisen faszinieren. Solche Reisen zu leiten, ebenfalls. Für die Ausbildung als Pilgerleiter haben sich Thomas Hostettler aus Auenstein und Markus Zogg aus Schafisheim angemeldet.

Ob in Gruppen oder in Eigenregie: Pilgerreisen sind im Trend.Foto: zvg

Ob in Gruppen oder in Eigenregie: Pilgerreisen sind im Trend.Foto: zvg

Nehmen die Ausbildung in Angriff: Thomas Hostettler und Markus Zogg.Foto: Carolin Frei

Nehmen die Ausbildung in Angriff: Thomas Hostettler und Markus Zogg.Foto: Carolin Frei

Beide haben das gleiche Ziel – Pilgergruppen leiten und begleiten –, bringen jedoch unterschiedliche Erfahrungen mit. Für Markus Zogg aus Schafisheim ist pilgern Neuland. «Ich arbeite als Sozialdiakon bei der Evangelisch-Reformierten Kirchgemeinde Brunnen-Schwyz», sagt er. In der Gemeinde habe man viele Angebote, die Altersgruppe 55 bis 70 spreche man damit aber zu wenig an. Mit Pilgerreisen wolle man Abhilfe schaffen. «Pilgern bedeutet Aufbruch, etwas Ungewisses zu wagen, unterwegs sein, innehalten und ankommen. Man sucht den Sinn des Lebens, seine Mitte und lernt, im Hier und Jetzt zu sein. Ich habe zudem gelesen, dass pilgern einen Beitrag zur ganzheitlichen Gesundheit leistet», betont Zogg. Für ihn persönlich bedeutet diese Ausbildung eine Horizonterweiterung, der er sich gerne stellt.

Als Abschlussarbeit möchte Markus Zogg eine Pilgerreise aufgleisen, die Grenzerfahrungen und Gedanken zum Glauben oder zum Älterwerden und wie man damit umgeht verknüpft. Eine Reise, bei der man zu sich selbst findet. «Für mich muss diese Pilgerreise nicht zwingend auf einem Jakobsweg stattfinden. Pilgern kann man aus meiner Sicht auf jedem Weg», betont der Sozialdiakon und Coach.

Jakobsweg mehrmals erlebt

Ganz anders sieht es bei Thomas Hostettler aus Auenstein aus. Für ihn ist pilgern kein Neuland, er war schon einige Male auf dem Jakobsweg unterwegs und hat bereits einen Kurs als Pilgerwegbegleiter der Europäischen Jakobswege gemacht. «Man kann immer etwas Neues dazulernen, deshalb habe ich mich für die Ausbildung ‹Eine Pilgergruppe leiten und begleiten› angemeldet», sagt Hostettler, der als kirchlicher Jugendarbeiter und Katechet tätig ist. Er leitet zudem Andachten in Alterszentren und lässt sich – als Spätberufener – zum Seelsorger weiterbilden. 2006 war Thomas Hostettler erstmals auf dem Jakobsweg unterwegs – im Andenken an seinen Vater. Täglich war er acht bis neun Stunden unterwegs, traf unterschiedlichste Menschen, auch solche mit Handicap. Eindrücklich seien vor allem die letzten fünf Kilometer, von wo man bereits die Kathedrale von Santiago de Compostela sehe. Und etwas ganz Besonderes seien die Pilgermessen. Dieses Erlebnis konnte er bereits mit Jugendlichen aus der Pfarrei Seon erleben, die die letzten 120 Kilometer des «Camino de Santiago» gepilgert sind. «Ich werde auch künftig junge Erwachsene dabei unterstützen, in Eigenregie Pilgerreisen zu organisieren», betont Hostettler.

Pilgerreisen sind gefragt

Seit 20 Jahren bietet die Fachstelle Bildung und Propstei der römisch-katholischen Kirche im Aargau geführte Pilgerreisen an. «Die Nachfrage ist gross. Aus diesem Grund wollen wir mit einer entsprechenden Ausbildung weitere Personen für das Organisieren und Durchführen von Pilgerwanderungen gewinnen», sagt Dr. Claudia Mennen, Theologin, Leiterin Wislikofer Schule für Bibliodrama und Seelsorge. Pilgern fasziniere seit jeher Jung und Alt. Viele seien auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und erhoffen sich beim Unterwegssein persönliche Entwicklung und Lebensvertiefung. «Für neue Gedanken braucht es jedoch Impulse, die wir aus biblischen oder kunsthistorischen Motiven der Kirchen auf dem Weg herleiten», sagt Mennen, die zusammen mit Dr. Bernhard Lindner, Theologe, Lebenspilger und Supervisor BSO, die Ausbildung leitet. Sich in der Gruppe über existenzielle Themen austauschen zu können, bereichere und zeige häufig auf, dass auch andere die gleiche Lebenssituation zu meistern haben.

Wer sich für eine Ausbildung als Pilgerleiter interessiert, sollte eine grosse Neugierde auf Menschen und existenzielle Themen mitbringen. Gut sei zudem, wenn man selbst schon einmal gepilgert sei und sich offen für theologische und spirituelle Ansätze zeige. In der Ausbildung selbst werden unter anderem Themen wie inhaltliche Gestaltung des Pilgerns, sachgerechte Vorbereitung und Durchführung sowie Gruppendynamik oder Umgang mit Konflikten vermittelt. Während der in Modulen aufgebauten 8-tägigen Ausbildung inklusive Selbststudium werden die Teilnehmer auch Erfahrungen auf dem Schweizer Jakobsweg sammeln können. In der Abschlussarbeit stellen sie eine Pilgerreise vor, die ihrem Leitungsstil und ihrem Wunschprojekt entspricht.

Die Ausbildung «Eine Pilgergruppe leiten und begleiten» startet mit dem ersten Baustein am 24./25. August. Weitere Infos unter propstei.ch.

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