Es wurde durch die Gassen gegackert – Ein ungewöhnlicher Brauch, der Generationen verbindet

Dintikon Laute Rufe hallen durch Dintikon: «GaGaGa». Was für Aussenstehende skurril wirkt, ist ein gelebter Brauch: Jugendliche ziehen von Haus zu Haus und sammeln Eier für den Eieraufleset.

Nach dem Gageln wird auf eine Spende gewartet.Foto: Debora Hugentobler

Nach dem Gageln wird auf eine Spende gewartet.Foto: Debora Hugentobler

Der Verein traf sich bei der Alten Chäsi zum gemeinsamen Igageln.Foto: Debora Hugentobler

Der Verein traf sich bei der Alten Chäsi zum gemeinsamen Igageln.Foto: Debora Hugentobler

Der Korb  wird mit Eiern, Geldspenden und Bier gefüllt.Foto: Debora Hugentobler

Der Korb wird mit Eiern, Geldspenden und Bier gefüllt.Foto: Debora Hugentobler

Die Eieraufleser Dintikon: Sie gackerten sich durchs Dorf.Foto: Debora Hugentobler

Die Eieraufleser Dintikon: Sie gackerten sich durchs Dorf.Foto: Debora Hugentobler

Mit dem «Gageln» beginnt in Dintikon am ersten Samstag nach Ostern der traditionelle Eieraufleset. Dabei ziehen junge Männer im Alter von 16 bis 20 Jahren quer durchs Dorf und bitten mit lautem «GaGaGa» um Eier- oder Geldspenden. Wer nichts gibt, muss damit rechnen, dass eine Handvoll Spreu vor der Haustüre zurückbleibt. Der Verein Eieraufleser Dintikon besteht hauptsächlich aus Mitgliedern des Turnvereins. Die Jungs kennen sich gut und schätzen die Gemeinschaft nach Ostern. Traditionell stehen für die Vereinsmitglieder drei Events an: das Gageln, der Eieraufleset sowie der interne Höhepunkt, der anschliessende Eierfrass.

Igageln als Startschuss

Um 12.30 Uhr besammelten sich die Eieraufleser vor der Alten Chäsi. Pünktlich um 13 Uhr – mit Rücksicht auf die Mittagsruhe – startete der Verein mit dem gemeinsamen Igageln: Der rhythmische «GaGaGa»-Ruf setzt zunächst langsam ein und steigert sich dann deutlich im Tempo. Anschliessend machten sich die Gruppen auf den Weg durch das Dorf – ausgerüstet mit Körben voller Spreu, Eierkartons und Lageplan. Aus den zwölf Anwesenden wurden drei Gruppen gebildet, vier Mitglieder fehlten an diesem Tag. Schon beim Auftakt zeigte sich die Spendenbereitschaft: Ein vorbeifahrender Autofahrer hielt beim Igageln an und übergab spontan eine Geldnote. Grosszügig gespendet wurde über den Tag hinweg auch Bier.

Zwischen Freude und Ablehnung

Die Einwohnerinnen und Einwohner wurden im Vorfeld mit einem Informationsschreiben über den Anlass in Kenntnis gesetzt. Viele zeigen sich grosszügig, auch wenn es vereinzelt zu ablehnenden Reaktionen kommt – insbesondere in den Abendstunden, etwa bei Familien mit schlafenden Kindern. Unterschiede zeigen sich auch je nach Wohnform: In Überbauungen gestaltet sich der Brauch schwieriger, während Bewohner von Einfamilienhäusern – insbesondere alteingesessene – oft grosse Freude daran haben. Neuzuzügern wird die Tradition auf Nachfrage an der Haustüre erklärt. Es gebe Leute, die sagen: «Cool, was ihr macht» und jene, die sagen: «Haut ab».

Persönliche Begegnungen

Die jungen Männer nahmen sich trotz des straffen Zeitplans auch Zeit für Begegnungen. Gelegentlich wurden sie von Bewohnern ins Haus eingeladen, sei es für einen kurzen Schwatz oder – wie in diesem Jahr bei der Familie eines Vereinsmitglieds – sogar zu Raclette. Dabei war es stets wichtig, die Zeit im Auge zu behalten. Ganze acht Stunden, bis 21 Uhr, gingen die Jungs von Tür zu Tür, ehe sie sich zum Abschluss in der Waldhütte versammelten.

Ein Brauch – zwei Theorien

Über die Ursprünge des Eieraufleset existieren verschiedene Theorien: Einerseits wird der Brauch mit der Fruchtbarkeit des Frühlings in Verbindung gebracht, andererseits mit dem Werben um die Gunst eines Mädchens. Ziel des Gagelns ist in erster Linie das Sammeln von Eiern. Für den Eieraufleset am darauffolgenden Sonntag werden nämlich 101 Eier benötigt. Überschüssige Eier – und die gibt es bei Weitem – werden beim vereinsinternen Eierfrass verzehrt.

Der Verein freut sich über neue Mitglieder aus dem Dorf. Die Teilnehmerzahl fiel in diesem Jahr etwas geringer aus als in den Vorjahren, was auch mit der Grösse der jeweiligen Jahrgänge zusammenhängt. Für Vereinspräsident Raphael Meyer steht fest: «Der Brauch ist wichtig für das Dorf – und es ist schön, dass dieser weitergeführt wird.» Eine Tradition, die seit mehr als hundert Jahren Bestand hat – und auch in Zukunft gelebt werden soll.

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