Der beste Weinbautechniker kommt aus Staufen

Staufen Mit Note 5,28 hat Severin Furer den berufsbegleitenden Lehrgang zum Weinbautechniker HF als Klassenbester abgeschlossen. Der 24-jährige Staufner arbeitet auf einem Weingut in Seengen und ist seit August zusätzlich als Berufsschullehrer tätig. Für ihn ist der Abschluss vor allem die Bestätigung für einen Berufsweg, der ihn von der Rebe bis zur fertigen Flasche begeistert.

Ist in den Reben in seinem Element: Severin Furer.Foto: Romi Schmid
Ist in den Reben in seinem Element: Severin Furer.Foto: Romi Schmid

Als Severin Furer an der Diplomfeier in Wädenswil als bester Absolvent seines Lehrgangs ausgezeichnet wurde, war die Freude gross. «Es ist natürlich ein sehr schöner Moment, wenn man vor zahlreichen Branchenvertretern als bester Absolvent geehrt wird», sagt der 24-Jährige. Die Auszeichnung sei eine schöne Belohnung für die vielen Stunden, die er in die Weiterbildung investiert habe.

Allzu wichtig ist ihm die Rangliste allerdings nicht. «Am Ende ist die Klassierung relativ egal. Hauptsache ist, dass alle bestanden haben.» In den vergangenen drei Jahren sei die Klasse stark zusammengewachsen und habe viel gemeinsam erlebt. Umso schöner sei es gewesen, am Ende gemeinsam auf den erfolgreichen Abschluss anzustossen.

Der berufsbegleitende Lehrgang zum Weinbautechniker HF am Strickhof dauerte drei Jahre. Zwölf Absolventinnen und Absolventen schlossen ihn erfolgreich ab, Furer erzielte mit der Note 5,28 das beste Resultat. Besonders das letzte Ausbildungsjahr verlangte ihm einiges ab. Neben einem 80-Prozent-Arbeitspensum standen zwei Schultage pro Woche an. Hinzu kamen die Diplomarbeit und die Vorbereitungen auf die Abschlussprüfungen.

Seine Diplomarbeit widmete Furer dem elterlichen Betrieb und erarbeitete dazu eine Betriebsstudie. Das Thema sei ausgesprochen spannend gewesen, habe aber auch enorm viel Zeit beansprucht. Arbeit, Schule und Hobbys unter einen Hut zu bringen, sei immer wieder eine Herausforderung gewesen. Unterstützung erhielt er dabei zudem von seinem Arbeitgeber. Wenn es der Arbeitsanfall erlaubte, konnte er gelegentlich spontan einen freien Tag beziehen und diesen für die Ausbildung nutzen.

Vom Rebberg bis zur Flasche

Dass Furer einmal im Weinbau arbeiten würde, war für ihn nicht von Anfang an selbstverständlich. Während seiner Zeit an der Bezirksschule in Lenzburg wusste er zunächst nicht, wohin die berufliche Reise gehen sollte. Klar war für ihn lediglich, dass er etwas Praktisches machen und nicht weiter die Schulbank drücken wollte. «Da ich gern draussen in der Natur bin und mit Weinbau in der Familie aufgewachsen bin, war das letztlich ein naheliegender Schritt.»

Eine Entscheidung, die er nicht bereut hat. Gerade die Vielseitigkeit macht für ihn den Reiz des Berufs aus. Vom Pflanzen einer Rebe über deren Pflege und die Verarbeitung der Trauben bis zum Verkauf des fertigen Weins reicht das Aufgabengebiet. «Man ist Gärtner, Landwirt, Lebensmitteltechnologe, Laborant, Verkäufer, Marketingmanager und Buchhalter – oder eben zusammengefasst Winzer.» Heute arbeitet Furer auf einem Weingut in Seengen am Hallwilersee. Derzeit ist dort die Traubenernte in vollem Gang. Aufgrund des warmen und trockenen Sommers habe diese in diesem Jahr sehr früh begonnen.

Das Wissen aus seiner Weiterbildung fliesst dabei laufend in die tägliche Arbeit ein. So habe er beispielsweise ein noch besseres Verständnis für die Rebe entwickelt und könne Pflegemassnahmen gezielter planen und ausführen. Gerade ein frühes und heisses Jahr wie dieses bringe neue Herausforderungen mit sich. Hinzu kämen wirtschaftliche Schwierigkeiten. Der sinkende Weinkonsum in der Schweiz und die internationale Konkurrenz, die deutlich günstiger produzieren könne, setzten den heimischen Weinmarkt unter Druck. An der Qualität liege es laut Furer nicht: «Die hiesigen Weine sind einwandfrei. Es ist wichtiger denn je, die Konsumentinnen und Konsumenten von regionalen Qualitätsprodukten überzeugen zu können.»

Auch extreme Wetterereignisse beschäftigen die Branche. Die lang anhaltende Trockenheit von Juni bis August sowie Hagelschläge hätten in diesem Jahr bei zahlreichen Berufskollegen erhebliche Schäden verursacht. Die zunehmenden Wetterextreme seien eine Gefahr, zumal die Möglichkeiten für vorbeugende Massnahmen in vielen Fällen begrenzt seien.

Aargauer Wein wird unterschätzt

Vom Potenzial des Aargauer Weins ist Furer überzeugt. National werde dieser seiner Wahrnehmung nach eher unterschätzt. Der Kanton verfüge über zahlreiche Betriebe, die Spitzenweine produzierten, und dank der verschiedenen Weinbauregionen auch über eine grosse Vielfalt.

Zu Beginn seiner Weiterbildung sei er wegen seiner Herkunft aus dem Aargau von Einzelnen noch etwas belächelt worden. «Bereits bei den ersten Degustationen hat sich gezeigt, dass sich die Weine aus dem Aargau keinesfalls verstecken müssen.»

Wo ihn sein Weg in fünf oder zehn Jahren hinführt, lässt Furer offen. Sicher ist für ihn, dass er dem Weinbau treu bleiben möchte. Seit August hat er zudem ein neues Tätigkeitsfeld: Nebenberuflich unterrichtet er als Berufsschullehrer Weinbau. Eine Aufgabe, die ihm wichtig ist. Gerade in einer kleinen Branche brauche es eine gute Ausbildung und eine stetige Weiterentwicklung.

Die Zukunft lässt er dennoch auf sich zukommen. Nur eine Vorstellung hat Furer bereits: «Ich hoffe, wir treffen uns in fünf oder zehn Jahren irgendwo bei einem guten Glas Schweizer Wein.»

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