Schatzkammer

Marc Philip Seidel

Marc Philip Seidel

Zéline Hünerwadel-Stéphani: «Diese Dame soll in der Lenzburger Gesellschaft den Ton angegeben haben.»Foto: hfls.ch

Zéline Hünerwadel-Stéphani: «Diese Dame soll in der Lenzburger Gesellschaft den Ton angegeben haben.»Foto: hfls.ch

Heute schnell buchen, morgen weg. Mal kurz nach London. Moment … Paris ist Sonderangebot, ist gekauft. Schnäppli. Tapetenwechsel, heute im Rundum-Sorglos-Paket mit einem Klick verfügbar. Hätte, könnte, wäre sind heute so was von relativ. Haben dadurch nicht auch Gedankenschwere, Tragik und gleichsam überflügelnde Euphorie an Intensität verloren? Heute, in einer Zeit der ständigen und unmittelbaren Verfügbarkeit? Eigentlich verrückt, was allein schon seit dem Milleniumswechsel in Sachen Mobilität möglich wurde – als Chance wie als Last für unsere Gesellschaft wie für das Ökosystem. Item.

Welche Konsequenzen beschränkte Möglichkeiten oder verpasste Gelegenheiten vor 100 und 200 Jahren zur Folge hatten, wird etwa bei der Quellenforschung vor Augen geführt. Der sprichwörtlich abgefahrene Zug war dann wirklich weg und die Lebensgeschichte ging nicht selten auf dem Nebengleis weiter oder endete auf dem Abstellgleis der Gesellschaft. Damals waren eben «hätte, könnte, wäre» noch mit einer Tragweite bestückt, die gar Lebensentscheide forderte.

Die nun erscheinende Chronik mit 30 Lebensgeschichten von Lenzburger Pionierinnen, Künstlerinnen, Denkerinnen ist gezeichnet von Schicksalsschlägen. Sätze wie «Ich wachte auf und war berühmt», was für die europaweit gefeierte Sängerin Erika Wedekind (1868–1944) zutraf, stehen neben Zeilen des schmerzvollen Sehnens nach der ablaufenden Lebenszeit und den unerfüllten Heiratswunsch einer Marguerite Elisabeth Remund (1882–1945) von der Mittleren Mühle in Lenzburg. «Ha gmeint, es müess es Ringli sy, Wo drin dy Name stöj … Jetz stricht e spote Herbst durs Land …». Welches Herzeleid die jung verwitwete und so mittellos gewordene Zéline Hünerwadel-Stéphani (1822–1895) erlitt, lassen ihre Memoiren aus Paris von 1887 erahnen. Dass sie aber die Segel neu setzte und dem Schicksal trotzte, wie dies mutige Pionierinnen zu tun pfleg(t)en, offenbart die neue Sonderausstellung im Museum Burghalde.

«Schatzkammer». Hier stellen Mitarbeitende des Museum Burghalde Lenzburg jeweils spannende Geschichten und originelle Fundstücke vor.

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