Tischgespräche: Ein neuer Raum zum Austausch
Beinwil am See In der alten Fabrik Bäumli in Beinwil am See entsteht ein Projekt für die Gemeinschaft: Mit «umdentisch» bieten Rachelle Fürer und Shkodran Selimi offene Tischgespräche für jedermann.

Im Zentrum stehen die Tischrunden, moderiert von Rachelle Fürer, die ihre Erfahrung aus der psychologischen Gesprächsführung einbringt, und ihrem Geschäftspartner Shkodran Selimi, der auf langjährige Praxis im Pflegebereich zurückblickt. Die beiden verfolgen ein gemeinsames Ziel: den Anwesenden Werkzeuge mitzugeben, um mit neuer Stärke durchs Leben zu gehen. Ihr Kerngeschäft soll künftig durch weitere Angebote ergänzt werden: neue Gesprächsthemen, Einzelberatungen sowie Vorträge von Fachpersonen aus dem eigenen Netzwerk. Gemeinsam mit Gastexperten soll ein nahbarer Raum für Fragen entstehen, die im Alltag keinen Platz finden.
Von Gesundheit bis Trauer – und darüber hinaus
Bereits etabliert sind das monatlich stattfindende Trauercafé und das Gesundheitscafé. Darauf aufbauend wird das Angebot weiterwachsen – inhaltlich und thematisch. Im Laufe des Jahres möchte Shkodran Selimi dieses um ein «Mannekafi» erweitern. «Wir wollen Menschen mit ähnlichen Situationen und Gefühlswelten die Möglichkeit zum Austausch geben, um voneinander zu lernen und Dinge zu normalisieren», sagt Rachelle Fürer. Die niederschwelligen Gespräche sollen unterstützen und bewusst machen: «Ich bin nicht allein.» Die Tischrunde wird intim gehalten: maximal zehn Plätze, damit alle zu Wort kommen. Der Ansatz scheint aufzugehen: Beim ersten Trauercafé war bereits die Hälfte der Stühle besetzt – beim Gesundheitscafé war der Tisch voll.
Trauer wird im Café in verschiedenen Facetten thematisiert: Die Gespräche drehen sich nicht nur um den Verlust von Verstorbenen – getrauert wird auch um lebensverändernde Diagnosen, gescheiterte Beziehungen oder die verlorene Heimat. In Zukunft soll eine zusätzliche Tischrunde das Trauern um verstorbene Tiere aufgreifen. Im Gesundheitscafé werden Fragen geklärt und verschiedene Ansätze angeschaut. «Ist man ungesund, wenn man Beschwerden hat, oder gesund mit Beschwerden?» Die beiden Gastgeber und Gesprächspartner wissen: «Gesundheit ist viel mehr, als Beschwerden aus dem Weg zu gehen.»
Gemeinschaft durch Gespräche
Das Projekt lebt vom Bedarf der Teilnehmenden. Rückmeldungen werden gesammelt und Themen entsprechend weiterentwickelt. Eine feste Gruppe gibt es nicht. Wer interessiert ist, kann sich über die «umdentisch»-Homepage anmelden und teilnehmen – sporadisch und ungezwungen. Finanziell wirft das Non-Profit-Unternehmen kaum etwas ab: «Wir machen kein Geld daraus – es ist für die Gemeinschaft.» Denn Gespräche würden weder in der Schule noch anderswo ausreichend geübt, dabei fehlten sie in der Gesellschaft. «Es ist unsere Leidenschaft, ein Gefäss zu bieten, in dem man sagen kann, wie es einem geht, und zuhören kann, wie es anderen geht.» Gerade in der jetzigen Zeit mit Social Media und Künstlicher Intelligenz betont Rachelle Fürer: «Es ist Zeit, dass man wieder miteinander redet.»



