Salzkorn: Wahlen oder ­Rekrutierung

Fritz Thut
Fritz Thut

In den allermeisten Gemeinden finden am letzten Sonntag dieses Monats Gesamterneuerungswahlen statt. Die Ausmarchungen für die Behörden der kleinsten Organisationseinheiten der Schweizer Demokratie schlagen von Dorf zu Dorf unterschiedlich hohe Wellen. Während im Bezirkshauptort und einigen wenigen grösseren Gemeinden die Kandidaten für die Kommunalexekutiven sogar mit Plakaten am Strassenrand darum betteln, dass ihr Name auf den Wahlzettel geschrieben wird, bleibt es andernorts ruhig bis sehr ruhig.

Teilweise stellen sich Gemeinderäte in corpore der Wiederwahl. Opposition mit der Lancierung von Sprengkandidaten ist da meistens nicht in Sicht. Die einzelnen Ratsmitglieder können am Abend des 26. September dann anhand der Stimmenzahlen zu eruieren versuchen, wie zufrieden die Wahlberechtigten mit der Arbeit in der letzten Amtsperiode waren. Wobei die derart geäusserte Popularität eigentlich nicht zwingend deckungsgleich mit der Qualität der Ratstätigkeit sein muss.

Für die nicht immer dankbare Arbeit im Gemeinderat findet man nahezu überall genügend Kandidaten. Je nach Grosszügigkeit des Stimmvolks bei der Entschädigungsentscheidung erhalten die Mitglieder des Rats ein spürbares Schmerzensgeld. Trotzdem – so hört man auch in diesem Jahr – ist es da und dort schwierig, valable Kandidaten zu motivieren. Ultimatives Argument ist dabei das Damoklesschwert der Bevormundung durch den Kanton, einhergehend mit der Fusionsandrohung und damit dem Verlust der Eigenständigkeit.

Gemeinderäte werden meist gefunden, auf den Listen der Kommissionen gibt es oft noch grosse Lücken. Auch diese Behörden sorgen, für ein bescheidenes Sitzungsgeld, dafür, dass das Rädchen Gemeinde sich rund dreht. Selten hat man hier die Qual der Wahl. Die Wahlen geraten hier oft zu einer eigentlichen Rekrutierung: Amtsinhaber oder Parteivertreter müssen mühsam Kandidaten suchen und überzeugen.

 

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