Salzkorn: Sicherheit

Fritz Thut
Fritz Thut

«Es werde Licht.» Wenn man den Schalter drückt, ist man hierzulande sicher, dass die Lampe brennt. Doch mittlerweile ist die Gewissheit gewichen. Die Versorgungssicherheit ist  bei der Energie nicht mehr gewährleistet, seit auf dem Kontinent Krieg herrscht und vorher bereits aus windigen Gründen die Abschaltung von grossen umweltneutralen Kraftwerken beschlossen wurde. Man bereitete sich auf Mangellagen vor, bislang zum Glück ohne effektiven Bedarf. Sicher scheint bislang nur, dass die Energiekonzerne aus der Unsicherheit und projizierten Engpässen mit grossen Gewinnen Profit geschlagen haben.
Unsicherheit macht sich weiter breit. Nicht nur beim Schalterlegen. Das Leben und die Welt sind derart komplex geworden, dass – von einer Minute auf die andere – bisherige Abläufe über den Haufen geworfen werden. Ein Angriff auf die elektronische Dateninfrastruktur des Medienkonzerns, der auch diese Zeitung herausgibt, sorgte für unsichere Rahmenbedingungen bei Planung und Produktion. Diese Cyberattacke hat den Mitarbeitern bis hin zu den Lesern (Print und Online) einmal mehr gezeigt, dass es keine absolute Sicherheit gibt.

Vielleicht ging und geht es uns zu gut. Man nimmt vieles als selbstverständlich hin, was eigentlich das Ergebnis eines über die Jahre perfektionierten Systems ist. Absolute Sicherheit gibt es nicht. Doch sind vielleicht die Verantwortlichen, etwa von Energieversorgern oder IT-Dienstleistungen, derart träge geworden, dass ihnen die Fantasie für Schwachstellen in den von ihnen betreuten Szenerien abhanden gekommen ist.

Wo überquert man am sichersten eine Strasse? Auf dem Zebrastreifen, logo. Doch ausgerechnet hier ereignen sich über ein Drittel der tödlichen Verkehrsunfälle mit Fussgängern. Ein weiterer Fall von vorgegaukelter Sicherheit. Passen wir besser auf uns auf.

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