Salzkorn: Ich bin

Beatrice Strässle
Beatrice Strässle

Die Nachrichten, welche uns tagtäglich erreichen, können einen schon in Angst und Schrecken versetzen. Abgesehen von den Kriegsgräueln der menschenverachtenden Despoten auf dieser Welt sind es auch die kommenden Monate mit dem Mangel an Energie. Ich als unverbesserlicher Optimist meine, dass nicht alles so heiss gegessen wird, wie es uns momentan vorgekocht wird. Vor diesem Hintergrund nimmt sich die Diskussion über das Er, Sie, Es und was wir uns zu eigen machen dürfen eher bescheiden aus.

Ich komme jedoch ins Grübeln, ob ich mit meiner Lebensart noch in das eine oder andere Schema hineinpasse. Ausser meiner Passion, dem Kochen, geht mir jegliche Freude am Waschen, Putzen, Bügeln ab. Auch shoppe ich nicht gerne, Friseurbesuche gehen nicht mit Vorfreude einher. Handarbeiten liegen nicht mal rum, sie existieren nicht in unserem Haus. Also bin ich definitiv keine etwas veraltete Form einer Sie. Hingegen kann ich Wände verputzen, Möbel zusammenschrauben, Wände anmalen und zusätzlich so einige andere praktische Dinge.

Auch finde ich Gefallen an schönen, schnellen Autos und fahre gerne grosse. Die kleinen fühlen sich zum Lenken eher wie Gokarts an. Dann gehöre ich wohl in die etwas praktisch veranlagte modernere Version einer Sie. Oder eventuell sogar eine erfolgreiche Sie? Kann sein, wenn man davon absieht, dass erfolgreich gleichzusetzen ist mit Chefsessel oder dergleichen.

Zudem habe ich mir ausser Wissen und Können nichts mittlerweile Unerlaubtes angeeignet. Wenn versehentlich doch, dann tut es mir auch rückblickend nicht leid. Erstens machen wir alle mal Fehler, und zweitens wird die momentan geführte Diskussion über kulturelle Aneignungen ins Absurde geführt, und das eventuell anfänglich gut Gemeinte driftet ins Verkehrte. Nach diesem Exkurs zu mir selbst gelange ich schlussendlich zur Einsicht, dass ich eine ganz normale Sie bin, welche nicht gerne in eine Schublade gesteckt wird. Kurz: Leben und leben lassen.

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