Salzkorn: Hugo al dente

Romi Schmid
Romi Schmid

Bambus-, Papier-, Silikon- oder Glasröhrchen: Woraus nuckeln Sie am liebsten? Seit etwas mehr als einem Jahr trinken wir gehorsam aus plastikfreien Strohhalmen. Ein Klimaärgernis weniger, könnte man sagen. Die Erfahrung zeigt aber, dass auf die Beseitigung eines Übels nicht selten ein anderes Übel folgt. Und zwar immer dann, wenn man ein Ärgernis nicht einfach abschafft, sondern durch eine vermeintlich bessere Alternative ersetzt.

Die neuen Halme sind eine gut gemeinte Massnahme, keine Frage. Nur eben keine zufriedenstellende. Das bedeutet für mich: Wenn ich einen leicht spritzigen Feierabend-Drink serviert bekomme (was ohnehin nur selten geschieht), hebe ich mein Glas nicht mehr ganz so freudig in Richtung Mund und versuche, vorsichtig mit meinem Tast- und Geschmackssinn zu erahnen, was mich erwartet: Ist es ein eher metallener Geschmack, oder erwartet mich der Geruch alter Schulhefte?

Nehmen wir die Papiervariante: Beim verträumten Nuckeln kann man schon mal darüber sinnieren, ob es eine gute Idee ist, Bäume zu fällen für ein Produkt, das sich schon nach wenigen Minuten unschön im Drink auflöst. Ähnlich ergeht es einem mit Trinkhalmen aus rohem Pastateig. Ach, würden einem die Leser bei der Lektüre nur einmal derart an den Lippen kleben wie diese angeweichten Makkaroni. Zugegeben, wenn man lange genug wartet, könnte man den Trinkhalm schliesslich sogar al dente geniessen.

Dann gibt es da natürlich auch noch Bambus, Silikon oder Glas, allesamt gewöhnungsbedürftig. Wie wäre es stattdessen mit der Rückkehr zum Altbewährten: aufs Röhrchen zu verzichten und, statt nach irgendwelchen Halmen zu greifen, einfach wieder aus dem Glas zu trinken? Allerdings fällt dann der Spass weg, ein Getränk genussvoll mit dem Strohhalm zu schlürfen und zwecks Bläschenbildung kurz kräftig mit dem Nachwuchs in die Halme zu pusten.

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